OMV krempelt Struktur total um

21. Mai 2003, 12:28
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Künftig wird Konzern aus einer Holding bestehen - Einzelne Sparten werden selbstständige GmbHs - mit Infografik

Wien - Die OMV wird 2004 in eine Holding umgewandelt. Mit dem Totalumbau des größten österreichischen Industriekonzerns, der noch von der Hauptversammlung im Mai 2004 abgesegnet werden muss, will die OMV die Schlagkraft erhöhen und flexibler auf äußere Ereignisse reagieren können, sprich: den Weg für spartenbezogene Partnerschaften ebnen.

Personalbedarf

Personalabbau soll es aber keinen geben, im Gegenteil: Dank des geplanten Wachstums werde man zehn Prozent mehr Personal benötigen, davon die Hälfte im Inland, sagte OMV-Zentralbetriebsratschef Leopold Abraham am Rande der Hauptversammlung des Öl- und Energiekonzerns am Dienstag.

Per Ende 2002 hatte der Konzern rund 5800 Mitarbeiter, die Aufstockung könnte damit bis zu 600 Posten bringen. Diese neuen Jobs dürften mit der Grund sein, warum der oberste Belegschaftsvertreter der geplanten Holdinglösung nicht grundsätzlich negativ gegenübersteht. In den nächsten Wochen will Abraham die Gespräche mit dem Vorstand aufnehmen - eine Vereinbarung könnte schon im Herbst stehen. Einer "gescheiten" Lösung will sich Abraham nicht verweigern.

Neuer Kollektivvertrag

Eine der wesentlichen Voraussetzungen zum Umbau ist seit 1. April gegeben - nämlich der Abschluss eines neuen Kollektivvertrags, der zukünftig für alle neu eingestellten Mitarbeiter der OMV gilt. "Dieser ist für uns etwas günstiger und sichert langfristig die Wettbewerbsfähigkeit ab. Früher lag der Erdöl-Kollektivvertrag deutlich darüber", sagte Konzernchef Wolfgang Ruttenstorfer am Rande der Aktionärsversammlung. Zugleich könne man künftig die Mitarbeiter leichter innerhalb der Gruppe versetzen.

Umbau kostet 1,2 Millionen Euro

Der Umbau des Konzerns werde 1,2 Mio. Euro kosten, sagte Ruttenstorfer. Mit einer Holdingstruktur würde mehr Verantwortung an die operativen Geschäftseinheiten delegiert und dadurch Entscheidungsprozesse vereinfacht und beschleunigt.

Geht der Umbau des Konzern durch, werden künftig fünf GmbHs das operative Geschäft der OMV wahrnehmen. Schon jetzt sind die Bereiche Erdgas, Service Netzwerk sowie die Agrolinz Melamin eigenständige Gesellschaften mit beschränkter Haftung. Bis 2004 steht den Bereichen Raffinerie und Marketing (Tankstellen) mit 1300 inländischen Mitarbeitern sowie der Sparte Exploration und Produktion (Öl- und Gasförderung) das Gleiche ins Haus; dieser Bereich beschäftigt in Österreich 700 Mitarbeiter.

In der OMV Service Netzwerk GmbH sind der Finanz- und der IT-Bereich sowie die zentralen Verwaltungsbereiche angesiedelt; die Firma hat knapp 400 Leute. Die Agrolinz Melamin GmbH beschäftigt 900 Mitarbeiter, die Erdgas- Gesellschaft derzeit rund 250, im Zuge der Gasliberalisierung soll die Zahl der Mitarbeiter auf 300 ansteigen.

Vorstandsgehälter

Neben dem Edelstahlkonzern Boehler-Uddeholm ist die OMV das einzige heimische börsennotierte Unternehmen, das die Benimmregeln, den so genannten Corporate-Governance-Kodex, voll einhält und auch die Vorstandsgehälter für den Vorstand im Geschäftsbericht ausweist. Inklusive erfolgsabhängiger Anteile verdiente das Führungsquartett des Konzerns im Vorjahr rund 2,6 Mio. € - davon waren rund 30 Prozent erfolgsabhängig. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD, Printausgabe 21.5.2003)

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OMV

  • OMV: Neue Holding Struktur - Grafik zum Vergrößern anklicken.
    grafik: derstandard

    OMV: Neue Holding Struktur - Grafik zum Vergrößern anklicken.

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