"Matrix" sorgt für Wirbel

20. Mai 2003, 14:02
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Islamisten kritisieren unterschwellige pro-israelische Botschaft - Nebendarsteller verklagt Produzenten

Istanbul - Auch in der Türkei herrscht das "Matrix"-Fieber. In den ersten drei Tagen sahen 455.000 Türken den neuen US-Action-Film "Matrix Reloaded" mit Keanu Reeves, ein neuer Rekord für das türkische Kino, wie die Zeitung "Hürriyet" am Dienstag berichtete. Selbst Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan entging der "Matrix"-Mania nicht: Er war bei öffentlichen Auftritten in den vergangenen Tagen mit einer modischen neuen Sonnenbrille aufgefallen, die laut "Hürriyet" sehr an die Brille von "Matrix"-Star Reeves erinnert. "Matrix Tayyip", lautete deshalb am Dienstag die Schlagzeile der Zeitung.

In islamistischen Kreisen in der Türkei wird unterdessen Kritik an dem neuen Action-Film laut. Presseberichten zufolge wird von Islamisten unter anderem eine unterschwellige pro-israelische Botschaft in "Matrix Reloaded" kritisiert. Der Islam-Experte und sozialdemokratische Parlamentsabgeordnete Yasar Nuri Öztürk sagte der Zeitung "Aksam" zudem, die Philosophie hinter "Matrix" sei den Lehren des moslemischen Mevlana-Ordens entlehnt. Dies werde in dem westlichen Film aber verschleiert, um dem Islam keine "Pluspunkte" zuzugestehen.

Gestrichen

Auch in Amerika sorgt "Matrix" für Wirbel. Der Schauspieler Marcus Chong hat die Produzenten des Kultfilms "Matrix" verklagt, weil seine Rolle als Freiheitskämpfer "Tank" in den beiden Fortsetzungen des Science-Fiction-Thrillers nicht mehr besetzt wurde. Die Produzenten und die Produktionsfirma Warner Brothers sowie das Mutterunternehmen AOL Time Warner hätten Chong 1998 mündlich und 2000 vertraglich zugesichert, dass "Tank" auch in "Matrix Reloaded" und "The Matrix Revolutions" wieder auftauche, heißt es in der Klageschrift. Die Klage wurde beim erstinstanzlichen Gericht in Los Angeles eingereicht.

Chong wirft den Filmemachern zudem vor, seinen Ruf in Hollywood gezielt beschädigt zu haben. So seien "absichtlich zahlreiche Falschmeldungen veröffentlicht worden, wonach er ein Terrorist sei", heißt es in der Schrift. Warner Brothers und die Regisseure des Films, Andy und Larry Wachowski, lehnten eine Stellungnahme ab. Chongs Anwalt konnte für einen Kommentar zunächst nicht erreicht werden.

Nach Informationen aus Filmkreisen wurde Chongs Rolle als "Tank" aus den Drehbüchern der "Matrix"-Fortsetzungen herausgeschrieben, nachdem keine Einigung über seine Gage erzielt werden konnte. Anschließend habe der Schauspieler die Filmemacher mit zahlreichen Anrufen belästigt, sagten Insider der Branche.

Chong wurde am 18. Oktober 2000 wegen angeblicher Drohungen festgenommen, wie Kautionsunterlagen belegen, die auf einer Fanseite im Internet veröffentlicht wurden. Fünf Tage vorher waren die Gespräche über seine Gage Branchenkreisen zufolge abgebrochen worden.(APA)

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