Konsequenzen der Unart

20. Mai 2003, 13:21
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"Dr. Hoffmann's Correction Show": Wie aus dem "Struwelpeter" ein Shockheaded Peter wurde

"Dr. Hoffmann's Correction Show" steht in großen Buchstaben über der Varieté-Bühne geschrieben. Und in der Tat ist an diesem Abend in der Elisabethbühne viel von "Zucht" zu hören, die der Entwicklung des "Zöglings" immer noch am dienlichsten sei. Man befindet sich mitten im 19. Jahrhundert - und zugleich auch wieder in der Gegenwart. In derjenigen der englischen Tiger-Lillies nämlich, die aus Heinrich Hoffmanns "Struwelpeter" einen Shockheaded Peter gemacht haben.

Und hier gehen die drastischen Lehrstücke des Frankfurter Arztes reihum tödlich aus. Robert Pienz hat in seiner Inszenierung den Schaustücken didaktische Texte der Epoche gegenübergestellt. Das ergänzt sich geradezu erschreckend gut. Das Ensemble spielt und singt (in der Version von Manfred Kirchmeyer und Jean-Baptiste Marchand) die Geschichten vom zündelnden Paulinchen, zeigt die Strafe fürs Daumenlutschen und die Folgen des Zappelns. Das alles ist so herrlich grell überzeichnet und so präzise durchdacht, dass man ohne Übertreibung von einer der schönsten Inszenierungen der Elisabethbühne seit langem sprechen kann. (still/(DER STANDARD, Printausgabe, 20.5.2003)

Elisabethbühne
5020 Salzburg
Di., 20.5., 19.30 Uhr

bis 6. 6.
  • Nach wie vor isst der Suppenkaspar seine Suppe nicht.
    foto: elisabethbühne/joachim bergauer

    Nach wie vor isst der Suppenkaspar seine Suppe nicht.

  • Am turmhohen Tisch rebelliert Nicolas Marchand.
    foto: elisabethbühne/joachim bergauer

    Am turmhohen Tisch rebelliert Nicolas Marchand.

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