Fremdgehen für viele eine sichere Sache

19. Mai 2003, 15:49
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market-Umfrage: Mehrheit der Nutzer halten Kredite für sicher, 81 Prozent erwarten Vorteile - Doch der Bedarf könnte bald sinken

Wien - Die Mehrheit der Österreicher, die Fremdwährungskredite nutzen, hält diese Form der Finanzierung für sicher, obwohl sich weder die Entwicklung des Zinssatzes noch die des Wechselkurses und des Tilgungsträgers vorhersehen lassen. Das geht aus einer von der s Bausparkasse in Auftrag gegebenen Studie des Markt- und Meinungsforschungsinstituts market hervor. Im Vergleich zu den Fremdwährungsnutzern, die sich zu 56 Prozent sehr sicher bzw. sicher fühlen, sind es bei den Bauspardarlehensnutzern 90 Prozent.

"Japanische Verhältnisse"

81 Prozent der befragten Fremdwährungskreditnutzer sind der Ansicht, dass sich ihre Finanzierung zu ihrem Vorteil entwickelt. Demgegenüber stehen allerdings, derzeit vor allem beim Schweizer Franken, Performancedaten, die bei einem momentanen Ausstieg bei vielen Fremdwährungskrediten hohe Verluste zur Folge hätten, so der Generaldirektor der s Bausparkasse, Josef Schmidinger, am Montag in Wien bei einem Pressegespräch.

"Wenn die Talfahrt bei den Zinsen so weiter geht, haben wird bald japanische Verhältnisse und es wird keinen Bedarf mehr an Fremdwährungskrediten geben", meinte Schmidinger. Die s Bausparkasse habe erst vor 14 Tagen die Genehmigung der Finanzmarktaufsicht (FMA) bekommen, die Untergrenze für Bauspardarlehen von 4,5 auf 3 Prozent senken zu können. Diese neue Untergrenze werde generell für alle Abschlüsse ab 1. Juni gelten. Die Obergrenze liege weiterhin bei 6 Prozent. Auch die Untergrenze für die Einlagenverzinsung sei von 2 auf 1 Prozent gesenkt worden. Unter dem Motto "Gewinne mitnehmen und sichern und Nerven schonend weiter finanzieren" bietet die s Bausparkasse aktuelle Umschuldungsangebote.

Informationsdefizit

Während Bauspardarlehensnehmer zu 44 Prozent gezielt darüber informieren, werden "Fremdwährungskreditnehmer erst gewonnen", so Werner Beutelmeyer vom market-Institut. Die meisten Nutzer von Fremdwährungskrediten entscheiden sich erst, nachdem sie Informationen über alternative Finanzierungsformen eingeholt haben. Nur ein Viertel informiert sich von Beginn an ausschließlich über diese Finanzierungsform.

Erste Hinweise auf Fremdwährungskredite erhalten sie von Banken (33 Prozent), Freunden, Bekannten, der Verwandtschaft (32 Prozent) oder Finanz-, Vermögensberatern und Maklern (28 Prozent), aber auch über Medien (19 Prozent). Die Nutzer von Bauspardarlehen werden dagegen zum größten Teil von den Banken (52 Prozent) oder von Freunden (17 Prozent) auf diese Finanzierungsform hingewiesen.

Der typische Fremdwährungskreditnutzer ist zwischen 39 und 49 Jahre alt, großteils berufstätig, lebt hauptsächlich im urbanen Umfeld und hat einen höheren Bildungsabschluss als der Bausparer.

Makler effektiver

Makler verkaufen Fremdwährungskredite effektiver als Bankberater. Während 61 Prozent die Beratung durch den Makler für ausschlaggebend halten, sind es nur 42 Prozent bei den von den Banken Beratenen. "Das ist eine exzellente Verkaufsleistung der Makler. Sie ist besser als jene der Banken beim Bauspardarlehen", so Beutelmeyer. Bei den Maklern komme das Thema "Gambling - du kannst was gewinnen", durch. Die legitime Manipulation von Kunden würden die Makler besser beherrschen. "Sie bringen es mehr von der rosigen Seite". Während die Banken mehr die Risiken als Chancen betonten, informierten Makler kaum über Risiken.

Als entscheidende Faktoren für einen Fremdwährungskredites werden das niedrige Zinsniveau (81 Prozent), die jederzeitige Ausstiegsmöglichkeit (65 Prozent), die Ratenersparnis (48 Prozent) und der niedrige Kurs der gewählten Währung (46 Prozent) ins Treffen geführt. Die wichtigste Argumente gegen den Fremdwährungskredit aus Sicht der Bauspardarlehnsnehmer lauten: zu riskant (33 Prozent), zu hohes Wechselkursrisiko (26 Prozent), zu geringe Vorhersehbarkeit der Zins- und Kursentwicklung (18 Prozent) und zu hohes Risiko der Zinsentwicklung der Fremdwährung (8 Prozent). Als "blinden Fleck im System" bezeichnete Beutelmeyer die relativ geringe Beachtung der Entwicklung der Tilgungsträger.

In Österreich begehrt

Die market-Umfrage stützt sich auf 120 Nutzer eines Fremdwährungskredites, der innerhalb der letzten drei Jahre abgeschlossen wurde, und 140 Bauspardarlehensnehmer.

Wie berichtet, entfielen 2002 innerhalb der Eurozone von den Krediten in Schweizer Franken fast 37 Prozent und fast die Hälfte der Yen-Kredite (49 Prozent) auf Österreich. Gemessen am Volumen liegen die Franken-Kredite mit 55 Prozent vor den Yen-Krediten mit 37 Prozent. Der Anteil Österreichs am gesamten aushaftenden Fremdwährungskreditvolumen in der Eurozone bei knapp 18 Prozent, und der Anteil am gesamten Kreditvolumen (Statistik ohne Luxemburg, Griechenland) bei nur 3,2 Prozent. (APA)

  • Egal ob Schweizer Franken oder japanischer Yen: Fremdwährungskredite sind begehrt.
    montage: derstandard.at

    Egal ob Schweizer Franken oder japanischer Yen: Fremdwährungskredite sind begehrt.

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