Eine Gemeinde erneuert sich rundum

15. Juni 2011, 19:35
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Pressbaum in Niederösterreich hat die Energiewende schon eingeleitet

Wien/Pressbaum - Die Atomkatastrophe in Fukushima hat die Blicke auch nach Niederösterreich gelenkt. Denn der Siedewasser- reaktor Fukushima I ist baugleich mit dem Reaktor an der Donau.

Nur wenige Kilometer weiter südlich, in Pressbaum im Wienerwald, arbeitet man schon seit Jahren an der Energiewende. "Die Atomkraft ist nicht beherrschbar", sagt Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner (VP). "Deshalb legen wir unseren Schwerpunkt auf erneuerbare Energien."

Vorzeigeprojekt ist eine Fotovoltaikanlage, die auf dem Rathausdach der 7000-Einwohner-Gemeinde angebracht ist. Sie produziert rund 5000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Damit kann gut ein Zehntel des Strombedarfs im Rathaus gedeckt werden.

Im Ort wird in Sachen Energiesparen auch bei den Kleinsten angesetzt. Der neuerrichtete Kindergarten II, in dem sieben Kindergruppen Platz finden, erfüllt die Standards eines Niedrigenergiehauses. Geheizt wird mit Pellets. Volks- und Hauptschule wurden vor zwei Jahren thermisch saniert. Allein in der Volksschule hat sich der Heizwärmebedarf dadurch um 40 Prozent verringert.

Fahren und tanken mit Strom 

Der grüne Gemeinderat Michael Sigmund ist stolz auf "seine" Stromtankstelle. Auf seine Initiative wurde sie als Kooperation zwischen Telekom (A1) und der Marktgemeinde errichtet. Noch seien nicht viele mit Elektroroller oder -autos unterwegs. Sigmund ist aber "überzeugt, dass man zuerst ein Angebot schaffen muss, damit es zur Nachfrage kommt".

Die Pressbaumer Grünen haben mit der ÖVP im Gemeinderat ein Arbeitsübereinkommen geschlossen. Die Stromtankstelle vor dem Rathaus wird per SMS oder Chipkarte aktiviert, zurzeit ist sie kostenlos. "Wenn sie stärker genutzt wird, werden wir wohl einen Beitrag von den Nutzern einheben", sagte Sigmund. Auch das würde einfach übers Handy passieren. Der Strom aus der Stromtankstelle ist atomstromfrei und CO2-neutral - wie der Strom für alle Gebäude der Gemeinde inklusive der Straßenbeleuchtung.

Um nicht nur vereinzelt kleinere Projekte zu realisieren, wurde ein Energiekonzept für Pressbaum entwickelt. Teil davon ist der Plan der Gemeinde, innerhalb der kommenden ein bis zwei Jahre ein Biomasseheizwerk zu errichten. Mit der darin erzeugten Wärme könnte der gesamte Ortskern beheizt werden.

Als schwierig erweist sich die Standortfrage. "Das Heizwerk sollte nicht zu weit von den Verbrauchern entfernt sein, andererseits muss auch eine geeignete Zufahrt für die Biomasselieferungen möglich sein", sagt der VP-Umweltgemeinderat Fritz Brandstetter. Außerdem seien auch die Bedenken der Anrainer zu berücksichtigen.

Einen weiteren Schritt setzte die Gemeinde heuer mit dem Beitritt zum e5-Programm. Gemeinsam mit vier anderen Gemeinden in Niederösterreich verpflichtete sich Pressbaum, energieeffizienter und umweltschonender zu arbeiten. Jedes Jahr wird evaluiert, ob die Gemeinde genügend Maßnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz gesetzt hat. Erfüllt sie die Vorgaben nicht, wird sie aus dem Programm ausgeschlossen. (Sebastian Fellner, DER STANDARD Printausgabe, 16.6.2011)

  • Per SMS aktivierbar: die Stromtankstelle in Pressbaum. 
    foto: sefe

    Per SMS aktivierbar: die Stromtankstelle in Pressbaum. 

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