Gefährdete Idylle am Pfänderhang

15. Juni 2011, 18:58
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Hoch über dem Bodensee leben zwei Frauen nach einem Felssturz ohne Zufahrt

Lochau - Wilde Lupinen wachsen neben Edelrosen, Holunderbüsche neben Hortensien, zwischen dunkelroten Kirschen blitzen weiße Segel vom See herauf. Eva Heim und ihre Mutter Margarete Scheu leben in einer Idylle hoch über dem Bodensee. Ihre beiden Holzhäuser, irgendwann in den 1930er-Jahren, als es weder Gefahrenzonen- noch Flächenwidmungspläne gab, errichtet, stehen auf einer Lichtung im Pfänderwald unter schroffen Felsen.

Briefträger und Co machen einen Bogen um die Adresse "Stehlen 1". Denn die Waldidylle hat einen großen Nachteil: Sie ist nur zu Fuß über die Stufen eines steilen Wanderwegs erreichbar. Wenn Eva Heim morgens zur Arbeit als Pflegeleiterin der Bregenzer Dialysestation geht, schleppt sie einen riesigen Rucksack hoch zum Parkplatz auf dem Haggen "mit all dem Müll, der sich ansammelt, am Abend ist er dann mit Lebensmitteln voll". 15 bis 20 Minuten dauert der Anstieg zur Bergparzelle unter normalen Bedingungen. Doch die gibt es seit vergangenem Sommer nicht mehr.

Steg gesperrt

Die Unwetter im Juli und dann noch ein Felssturz im Herbst haben den Weg mitgerissen. Für Wanderer ist der Steig gesperrt, Eva Heim begeht ihn über ein selbsterrichtetes Provisorium. Im Felsen über dem Weg stecken Sonden, elektronische Überwachung soll vor weiteren Bewegungen warnen.

Keine Antwort

Margarete Scheu, 70 Jahre alt, war seit sieben Monaten nicht mehr im Dorf. "Ich hab's ein Mal probiert, der Weg ist mir zu gefährlich." Seit einem Jahr liegt bei der Gemeinde Lochau eine Anfrage der Frauen, man möge die Errichtung einer kleinen Seilbahn prüfen. "Wir bekommen aber keine Antwort, der Bürgermeister reagiert auf meine Mails nicht mehr", sagt Eva Heim. Er warte ja selbst auf das Gutachten des Landesgeologen, sagt Bürgermeister Xaver Sinz (ÖVP), "der rührt sich aber nicht". Geologe Walter Bauer begründet das lange Schweigen mit intensiver Prüfung. " Aber leider hab ich keine Lösung gefunden, die vertretbar wäre. Der Hang im Nagelfluhgelände ist von vorn bis hinten ein Krampf." Der Bau einer Seilbahn sei wegen der Instabilität nicht zu empfehlen, der Wanderweg felssturzgefährdet, ein Güterweg technisch und finanziell zu aufwändig. Das Gutachten werde er nächste Woche finalisieren: "Es wird wohl leider eine Ablehnung."

Bürgermeister Sinz will nun den Wanderweg mit 50 Stufen und Geländer sichern lassen. "Das gibt ein bisschen mehr Sicherheit." Ob die Wildbach- und Lawinenverbauung den Weg freigebe, sei aber eine andere Frage. Was dann? Sinz hat keine Antwort. (Jutta Berger, DER STANDARD Printausgabe, 16.6.2011)

  • Ein Felssturz zerstörte den einzigen Zugang zu Eva Heims Haus im Wald am
 Pfänderhang. Seit über einem Jahr wartet die Frau auf einen Bescheid 
zum Bau einer Seilbahn
    foto: dieter stiplovsek

    Ein Felssturz zerstörte den einzigen Zugang zu Eva Heims Haus im Wald am Pfänderhang. Seit über einem Jahr wartet die Frau auf einen Bescheid zum Bau einer Seilbahn

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