27 unterschiedliche Systeme

Österreich im EU-Asyl-Test zwischen mittel und gut

15. Juni 2011, 18:33
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    foto: standard/fischer

    In Frankreich sitzen Schubhäftlinge nur höchstens einen Monat ein, in Rumänien bis zu zwei Jahre. Österreich - hier das Polizeigefängnis Wien Rossau - liegt mit zehn Monaten dazwischen

Menschen bleiben hier länger in Schubhaft als anderswo, sagt der Ländervergleich

Wien - EU-weit betrachtet sei die Lage von Asylwerbern in den 27 Mitgliedstaaten der Union schwer zu vergleichen, meint Waltraud Heller, Sprecherin der EU-Grundrechtsagentur (FRA). Dass sie dies anlässlich der Vorstellung des FRA-Jahresberichts 2010 sagt, in dem der Umgang mit Schutzsuchenden im EU-Vergleich breiten Raum einnimmt, macht ihre Äußerung zum Programm.

Denn sowohl die gesetzlichen Grundlagen als auch das Ausmaß, in dem diese angewendet werden, sind - so streicht der am Mittwoch veröffentlichte Bericht heraus - höchst uneinheitlich. Sie müssten laut Grundrechtsagentur dringend vereinheitlicht werden, trotz Innenministervetos, so wie es das Stockholmer Programm und das Haager Abkommen vorsehen: vom Informationsstand der Asylwerber zu Verfahrensbeginn hin zur Länge der Schubhaft etwa.

Viele Sprachen

Österreich - so der Bericht - steht, was die Grundrechtstreue angeht, in diesen zwei Bereichen zwischen mittel und ziemlich gut. So sind Rechtsinformationsbroschüren für Asylsuchende, die im Jahr 2010 aus 81 verschiedenen Ländern kamen, hierzulande in 40 Sprachen vorhanden: hinter Deutschland mit 50 Sprachen das umfassendste Übersetzungsspektrum. Zum Vergleich: In Frankreich, wo 2010 Flüchtlinge aus 104 Nationen um internationalen Schutz ersuchten, beschränkt man sich auf lediglich fünf Sprachversionen.

Am anderen Ende vieler Asylverfahren wiederum, wenn diese abschlägig beurteilt wurden und der "Fremde" in Schubhaft landet, ist die österreichische Rechtslage im EU-Vergleich mittelmäßig bis ziemlich repressiv. Mit der Fremdenrechtsnovelle 2011, die im Juli in Kraft tritt, wird die Einsperrung vor einer Abschiebung bis zu zehn Monate innerhalb von eineinhalb Jahren dauern dürfen: Eine Verschärfung, die von vielen Flüchtlingshelfern stark kritisiert worden war.

Lettland sticht heraus

Im Vergleich mit Frankreich, den Niederlanden, aber auch der Slowakei und Belgien zu Recht: Zwischen einem und acht Monaten beträgt dort die Schubhafthöchstdauer. In Rumänien hingegen sind es bis zu zwei Jahre, in Lettland bis zu 20 Monate. "Zwei Jahre Schubhaft, das ist unglaublich lang. Das ist völlig inakzeptabel", kommentiert Ruth Schöffl, Sprecherin des UN-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR. Um zu ergänzen: "Die Frage ist, wie oft diese martialischen Regelungen Anwendung finden."

Nur Ausschnitte vom Ganzen

Dazu kann auch Heller keine Auskunft erteilen. Der FRA-Jahresbericht vereine agenturinternes Expertenwissen sowie die Resultate diverser FRA-Studien, erläutert sie. Das gesamte Asylgesetz-Anwendungspektrum der EU sei jedoch nicht abgedeckt.

Was Österreich angehe, wisse man etwa aus einer Studie zu unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen im Jahr 2010, dass die Asyl-Befragungen als "extrem bürokratisch" und "wie vor Gericht" geschildert wurden. Und dass die alleinstehenden Jugendlichen über mangelnde Begleitung, etwa bei Arztbesuchen, klagten. (bri, DER STANDARD Printausgabe, 16.6.2011)

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FRA

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17 Postings
dieDritteGeneration
00
18.2.2012, 14:30

Immerhin, laut dem Bericht ist Österreich neben Tschechien das einzige Land Europas, in dem es während des Erhebungszeitraumes mehr weibliche als männliche Asylwerber gab.

Zitronenbaum
00
21.6.2011, 10:25
Na bitte

Sonst heißts immer, bei uns wäre alles unter aller Sau. Aber gut, warten wir mal ein bisschen, dann kommt eh bald der gegenteilige Artikel.
Bei uns gehts den Leuten wenigstens so gut, dass sie meistens dann doch nicht mehr nach Deutschland weiterreisen (wo die meisten übrigens eigentlich hinwollen, aber oft bei uns aufgegriffen werden).

Vierter Mann
00
21.6.2011, 11:47

Vor allem die Tschetschenen, die aus Polen nach Deutschland wollen, werden erstaunlich oft in Österreich aufgegriffen.

gawi
 
11
18.6.2011, 16:37
Ui,

das gibt nächste Woche wieder jede Menge Artikel an dieser Stelle, die das Gegenteil "beweisen".

Übrigens: Ist der Taxler schon gefunden?

Pessimist-Realist
 
11
18.6.2011, 14:41
HeHe :-)

Ich bin davon überzeugt, dass sich die (beide als personifizierte Gestalten zu betrachten) Grünen und die NGOs jetzt die Finger in die ohren stecken, die Augen zu machen und laut vor sich hersagen: "NA NA NA NA NA! wenn ich es nicht wahrnehme gibt es das nicht! NA NA NA NA NA NA!!!!"
:-)

Halbmond
21
17.6.2011, 17:54
Kaum zum glauben,Österreich im EU-Asyl-Test zwischen mittel und gut.

Da bin ich aber überrascht,traiskirchen wurde auch begutachtet?

Alvy Singer
 
27
16.6.2011, 18:37
Komisch

Wenn man den Standard, insbesondere Fr. Brickner
liest, wenn man den Grünen und den div. NGOs
zuhört, kommt man zu einem ganz anderenm Bild.

Woran mag das wohl liegen...

P.S.
Wird das jetzt auch zensuriert?

der lange hans
112
16.6.2011, 13:12

schubhäftlinge haben es in der regel selber in der hand den aufenthalt zu verkürzen/beenden. einfach der ausweisungsentscheidung nachkommen oder seine identität bekannt geben.

viele vergessen warum es die schubhaft (zu recht) gibt: nämlich um die abschiebung rechtskräftig negativ entschiedener asylwerber zu sichern und personen die sich illegal in ö aufhalten zu verwahren bis deren identität feststeht.

Bluestone
111
16.6.2011, 11:14

Das wollen die Grünen und div. NGO´s aber gar nicht hören.

angelvoices
318
16.6.2011, 08:51
ich würde sagen Österreich ist gut bis bestens

sonst würden die Leute nicht so nach Österreich drängen - ein wischi-waschi Artikel ohne Informationswert...

lou cyphre
61
16.6.2011, 11:43
die leute drängen aber nicht nach österreich, um in schubhaft zu kommen...

sondern wegen der guten allgemeinen lebensbedigungen für alle anderen, die nicht menschen zweiter klasse sind.

strangerinastrangeland
 
211
16.6.2011, 01:20

Mittel und Gut ist gut genug.

Nairobbery
41
16.6.2011, 11:43

Genau, und den Hinweis, dass wir in Bezug auf Schubhaftlaenge eher schlecht dastehen, den ignorieren wir einfach.
Aber ich vergass, viele Menschen hier sind ja dafuer, dass Asylwerber so lange wie moeglich eingesperrt werden. Die freuen sich wahrscheinlich noch darueber.

strangerinastrangeland
 
00
17.6.2011, 01:56

Die meisten sind eher für schnelle Abschiebung als für langes Einsperren.

TrickkisteX
21
16.6.2011, 08:50

Zwar besser als schlecht aber was heisst das schon?

8 Millionen Lebensmenschen
181
15.6.2011, 22:45

Der einzige Bereich wo Österreich einigermassen gut dasteht sind also "die Rechtsinformationsbroschüren für Asylwerber in 40 Sprachen".
Diese Rechts(dis)informationsbroschüren treiben die Asylwerber jedoch nur in die Klauen des sogenannten "Verein Menschenrechte", dessen einziger Kompetenzbereich die "Rückkehrberatung" ist. Da wundert es mich nicht, daß Österreich, sonst nicht im geringsten polyglott, hier plötzlich sein Herz für Fremdsprachen entdeckt.

Shirin Maier
05
16.6.2011, 11:26
können sie nicht lesen???

"Denn sowohl die GESETZLICHEN GRUNDLAGEN als auch das Ausmaß, in dem diese ANGEWENDET werden, sind - so streicht der am Mittwoch veröffentlichte Bericht heraus - höchst uneinheitlich."

"Österreich - so der Bericht - steht, was die Grundrechtstreue angeht, in DIESEN ZWEI Bereichen zwischen mittel und ziemlich gut."

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