Grenzwert für illegales Mastmittel Clenbuterol - Mexikanische Teamfußballer sauber
Rom/Wien - Das zuletzt gehäufte Auftreten positiver Dopingtests auf
Clenbuterol hat die Welt Antidoping Agentur (Wada) ins Grübeln gebracht.
Die stets wiederkehrende Rechtfertigung der erwischten Athleten, sie
hätten mit Clenbuterol verseuchtes Fleisch konsumiert, wird nicht mehr
prinzipiell als Ausrede abgetan. Vielmehr überlegt die Wada, einen
Grenzwert festzusetzen, der verunreinigte Lebensmittel nicht länger als
Erklärung für positive Dopingtest zulässt.
Auslöser der bei einer Wada-Tagung in Rom präsentierten Überlegungen
waren fünf positive Dopingtests von mexikanischen Teamfußballern vor dem
Gold Cup in den USA. Fünf Wochen später lieferte das Quintett negative
Zweittests ab. In Mexiko wird das Sympathomimetika Clenbuterol ebenso
routinemäßig wie verbotenerweise in der Kälbermast eingesetzt.
Nebenwirkung des Arzneistoffs, der zur Behandlung von Asthma entwickelt
wurde, sind nämlich die Stärkung der Muskulatur und die Reduzierung des
Körperfettanteils.
Der erste bedeutende Clenbuterol-Dopingfall war vor 19 Jahren die
DDR-Sprinterin Katrin Krabbe. Der aktuell berühmteste Überführte ist der
spanische Radprofi Alberto Contador, der mit dem Argument, er habe im
Vorjahr während der Tour de France bedenkliche Steaks erwischt, einen
Freispruch durch den spanischen Verband erwirkte. Die Wada und der
Radweltverband (UCI) beschäftigen den Internationalen Sportgerichtshof
(Cas) mit dem Fall.
Trotz des möglichen Umdenkens rät Wada-Präsident David Howman
Contador
vom Start bei der diesjährigen Tour ab. Der Cas entscheidet Anfang
August. Und ein neuer Clenbuterol-Grenzwert wird frühestens im September
im Wada-Reglement verankert. (lü, DER STANDARD Printausgabe 16.06.2011)