BMHS-Lehrergewerkschaft überzeugt von Modulsystem
Wien - Aufsteigen mit vier Fünfern? Kann das denn gut gehen? Natürlich, meint der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft für berufsbildende mittlere und höhere Schulen (BMHS), Jürgen Rainer. Aus einem einfachen Grund, wie er im Gespräch mit dem Standard am Mittwoch erklärte: "Ich glaube nicht an vier ,Nicht Genügend‘. So weit wird es nicht kommen. Denn wenn eine negative Wiederholung eines Moduls registriert wird, muss der betroffene Schüler in den Förderunterricht gehen und sich einen Lehrer als Lernbegleiter suchen. Das ist die Individualisierung, die wir immer wollten."
Der Lehrergewerkschafter ist von der geplanten Reform der Oberstufe, die Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) am Montag in Begutachtung schicken wird, überzeugt: "Wir unterstützen dieses Modell, auch weil es Freiwilligkeit der Schulen beinhaltet." Bis 2016 haben sie Zeit, um auf das neue Modell umzusteigen. Zufrieden ist Lehrervertreter Rainer auch deswegen, "weil wir eingebunden waren und einiges erreicht haben" . So konnte etwa das Kurssystem, das die Auflösung der Klassen bedeutet hätte, verhindert werden. "Die Schulversuche haben gezeigt, dass viele der Schüler in dem Alter dafür nicht reif sind, weil ein hohes Maß an Selbstorganisation gefordert wäre. Ein Drittel würde brillieren, aber ein Drittel hätten wir damit verloren" , glaubt Rainer.
Das Modulsystem erspart nicht nur dem einzelnen Schüler "repetierte" Schulzeit. Gesamtgesellschaftlich bringe das verhinderte Sitzenbleiben enorm viel, rechnet Rainer vor: Jeder Schüler bringt in seinem "virtuellen Rucksack" zwei Werteinheiten in die Klasse mit. 20 Werteinheiten bedeuten einen Lehrer, also finanzieren zehn Schüler eine Lehrerstelle. Wenn nun 5000 Schüler nicht mehr sitzenbleiben müssten, würde das 10.000 Werteinheiten oder 500 Lehrerposten freispielen, die statt ins Sitzenbleiben ins Aufsteigen investiert werden könnten. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD; Printausgabe, 16.6.2011)