Aufsteigen mit Fünfern

"Ich glaube nicht an vier Fünfer"

15. Juni 2011, 18:16
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    apa-foto: georg hochmuth

    Jürgen Rainer, BMHS-Lehrergewerkschafter.

BMHS-Lehrergewerkschaft überzeugt von Modulsystem

Wien - Aufsteigen mit vier Fünfern? Kann das denn gut gehen? Natürlich, meint der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft für berufsbildende mittlere und höhere Schulen (BMHS), Jürgen Rainer. Aus einem einfachen Grund, wie er im Gespräch mit dem Standard am Mittwoch erklärte: "Ich glaube nicht an vier ,Nicht Genügend‘. So weit wird es nicht kommen. Denn wenn eine negative Wiederholung eines Moduls registriert wird, muss der betroffene Schüler in den Förderunterricht gehen und sich einen Lehrer als Lernbegleiter suchen. Das ist die Individualisierung, die wir immer wollten."

Der Lehrergewerkschafter ist von der geplanten Reform der Oberstufe, die Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) am Montag in Begutachtung schicken wird, überzeugt: "Wir unterstützen dieses Modell, auch weil es Freiwilligkeit der Schulen beinhaltet." Bis 2016 haben sie Zeit, um auf das neue Modell umzusteigen. Zufrieden ist Lehrervertreter Rainer auch deswegen, "weil wir eingebunden waren und einiges erreicht haben" . So konnte etwa das Kurssystem, das die Auflösung der Klassen bedeutet hätte, verhindert werden. "Die Schulversuche haben gezeigt, dass viele der Schüler in dem Alter dafür nicht reif sind, weil ein hohes Maß an Selbstorganisation gefordert wäre. Ein Drittel würde brillieren, aber ein Drittel hätten wir damit verloren" , glaubt Rainer.

Das Modulsystem erspart nicht nur dem einzelnen Schüler "repetierte" Schulzeit. Gesamtgesellschaftlich bringe das verhinderte Sitzenbleiben enorm viel, rechnet Rainer vor: Jeder Schüler bringt in seinem "virtuellen Rucksack" zwei Werteinheiten in die Klasse mit. 20 Werteinheiten bedeuten einen Lehrer, also finanzieren zehn Schüler eine Lehrerstelle. Wenn nun 5000 Schüler nicht mehr sitzenbleiben müssten, würde das 10.000 Werteinheiten oder 500 Lehrerposten freispielen, die statt ins Sitzenbleiben ins Aufsteigen investiert werden könnten. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD; Printausgabe, 16.6.2011)

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campanula
00
23.6.2011, 10:57
Milchmädchenrechnung

Es ist erschreckend, welchen Unsinn der Herr von sich gibt: Kein müder Euro wird in der Schule durch das neue System gespart, denn es braucht genausoviel Personalaufwand, auch wenn einer weniger in der Klasse sitzt. Die Rechnung: Personalkosten geteilt durch Schüler ergibt die Summe, die ein Schüler kostet, ist irreführend, denn sie ist in weitem Rahmen nicht umkehrbar. Vielleicht versteht man es so: Die Schule zahlt einen Betrag an Betriebskosten pro Klasse. Zahlt sie weniger dieser Kosten, wenn nun ein, zwei Schüler mehr oder weniger drin sitzen? Natürlich zahlt sie gleichviel, und genauso ist es mit den Personalkosten. Da kann sich keine Einsparung ergeben, nur Mehrkosten durch zusätzliche Betreuung.

internetlady
00
19.6.2011, 19:50
"ich glaube sogar an mehr"

Erstens einmal war die neue Rechtschreibreform sowieso ein Blödsinn, da wollte sich der Initiator eh nur profilieren.
Und zweitens gab es eine B-Ministerin...die mit ihrem Starrsinn für noch grössere Verwirrung unter den (armen) Schülern sorgte.
Drittens sollte endlich einmal der "Rotstift" dort "wüten" wo man glaubt, besonders brillant zu sein.
Viertens sind alle Schüler, die sich jetzt mit "5er" herumärgern müssen, die Opfer von solchen unnötigen Maßnahmen
Man tut nichts Gutes, wenn man ihnen "5er", nein..welcher Schüler lernt den noch gerne, wenn er so einen Frust auf die Schulobrigkeit hat ??
Ich hatte (1957-72) das Glück, gute Lehrer zu haben, aber hatte auch Ohnmacht, zusehen zu müssen, wie in den Jahren alles verschlampte!

andre skala
20
17.6.2011, 07:30
Lehrer und ihre Gewerkschaften

sollen sich brausen gehen. Sie blockieren jede sinnvolle Bildungsreform. Verständlich, wenn man für so wenig Arbeitszeit so fürstlich belohnt und für mangelde Leistung nicht bestraft wird. Privilegienritter!

pitt stehler
00
17.6.2011, 07:37
ab dem neuen schuljahr

bekommen die lehrer auch boni, wie die banker.

Carla Sociale
00
17.6.2011, 09:05
Ich habe bereits in den vergangenen Jahrzehnten Belohnungen kassiert.

Zum 25jährigen Dienstjubiläum ist sie so üppig ausgefallen, dass ich mir ein Ferienhaus in der Toskana kaufen konnte. Für unser Ferienhaus am Arlberg musste ich noch länger ansparen.

schwarzelanguste
00
17.6.2011, 10:36

sie haben die ironie-markierungen vergessen.

bycicle
00
16.6.2011, 22:37
das verhinderte sitzenbleiben

bringt nur theoretische ersparnis. wegen sitzenbleibern werden keine neuen klassen eröffnet.
liebe lehrer, nutzen wir die chance und teilen endlich wieder 5er an die jenigen aus, die die leistungen nicht erbringen. es sind nicht alle reif für die matura. sollen wieder mehr eine lehre machen. und aus.

R. Lexer
00
20.6.2011, 13:51

Volkswirtschaftlich ist das ein enormer Unterschied, ob jemand wegen zwei Fünfern zwei Jahre später auf den Arbeitsmarkt tritt oder nicht.

word8
01
16.6.2011, 15:41
warum kann man in österreich eigentlich nichts richtig anpacken?

wenn man schon ein modulsystem einführen will, um den schülern das sitzenbleiben zu ersparen, dann sollte das auch konsequent gemacht werden und gleich auch der gesamte lehrplan auf ein kurssystem ausgerichtet werden, mit schwerpunktsetzung ausgenommen vielleicht ein paar kernfächer.

da müsste man das rad auch gar nicht neu erfinden, sondern könnte bestehendes kopieren.

D/E
00
17.6.2011, 08:03
Ich glaube, Sie treten gerade weit offen stehende Türen ein.

Die konkreten Pläne sehen vor, dass jedes Semester aus 2 Modulen pro Gegenstand bestehen soll, die jeweils positiv abgeschlossen werden müssen.

Das ist eigentlich recht einfach umsetzbar.

Schwieriger wird die Durchführung der möglichen Wiederholungsprüfungen, sowie der "Lernbegleitung". Erstens sind BHS i. A. ziemlich große Schulen mit sehr komplexen Stundenplänen und Unterricht bis in die Abendstunden. Da wird es nicht ganz leicht sein, "Lernbegleitung am Nachmittag" zu organisieren.
Zudem spüren BHS im Osten Österreichs den Lehrermangel bereits massiv, d. h. Lernbegleitung wird auf Überstundenbasis organisiert werden müssen und dementsprechend die Belastbarkeit einiger Lehrer ausreizen. Die stehen ja auch nicht immer zur Verfügung.

Ann Dido
00
19.6.2011, 19:19

das wird ein organisatorische Chaos geben. Und wie soll das funktionieren, wenn sich die SchülerInnen den/die betreuende Lehrperson aussuchen? Dass dann eine/r womöglich alle Lernbegleitungen in Mathematik erledigen soll (weil er/sie als besonders gute/r LehrerIn bekannt ist, oder als leichte/r, bei der/dem man dann die 3. oder 4. Prüfung absolviert)?

D/E
00
20.6.2011, 14:54
Entschuldigung, aber Kritik

sollten Sie doch eher an die Verantwortlichen richten.

D/E
00
17.6.2011, 08:10
Sollten, was sich abzeichnet, die 9. Jahrgänge vom Modulsystem

ausgenommen werden, dürfte die Zahl der zu Fördernden überschaubar bleiben. Man darf sich allerdings dann nicht zuviel erwarten, denn der Großteil der "Nicht genügend" wird am Ende des 1. Jahrganges einer BHS erworben, meist, weil sie Ausbildung gar nicht dem entspricht, was sich die jungen Damen und Herren erwarten.

Die Herumdokterei am Schulwesen schafft bislang nichts als böses Blut und Mehrkosten.

Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen, ist Unterricht heute eine sehr aufwändige Angelegenheit, die man nicht beliebig verlängern kann. Die Hoffnung einiger "Expert/inn/en", irgendwie könne man kostenneutral mehr und bessere Lehrerarbeit erzwingen, ist irrational.

Dr. 2Much
03
16.6.2011, 14:23
Österreichersein lernen, heißt:

Wir richten uns an den Deppen aus.
Weil angeblich 30% zu unreif für ein Modul sein könnten, passen wir das System den Dummerln an. Daß wir die Dummerln auch an mehr Kompetenz heranführen könnten, ihnen womöglich sogar mehr Reife anerziehen könnten, ist ohnehin ein Tabugedanke. Lernen und lehren in der Schule - so weit käme es noch! Schon früh soziale Kompetenz vermitteln, wo würde das hinführen! Wie sollen solch Charaktere jemals zum Beamtentum taugen?
Und vom überdurchschnittlich begabten Drittel, dessen Förderung wir sträflich unterlassen, reden wir erst gar nicht; die können ja erwachsen ins Ausland flüchten. Rainer, Ng, setzen! Mehr noch als die Parteien verhindert unsere Lehrergewerkschaft eine überfällige taugliche(!) Schulreform.

D/E
00
17.6.2011, 08:20
So würde ich das nicht sehen.

Zwar wird der "Lernstoff" weitgehend atomisiert, was etwa kompetenzorientierten Unterricht (wie wir ihn für die neue Reifeprüfung brauchen) ad absurdum führt, aber erstens ist man als Lehrer an Paradoxa gewöhnt und zweitens wird auch diese Aufsplitterung nicht nahtlos stattfinden können.

M. E. wird das neue System ganz bestimmt nicht beitragen, dass weniger Schüler/innen scheitern. Es wird nur schwerer für sie, Defizite anzuhäufen, weil ja alle halben Semester ein Abschnitt positiv abgeschlossen werden muss.

Es war jedoch sicher ein Fehler, so zu tun, als ob das "Nachholen" eine Erfolgsgarantie gäbe. Denn gerade für schwächere Schüler wird es sehr schwer sein, über einen langen Zeitraum nachzulernen und gleichzeitig weiterzukommen.

bycicle
10
16.6.2011, 22:28
genau!!

so werden wir lehrer halt 5er austeilen, wo es nur möglich ist!!!! das ist die einzige möglichkeit, die uns bleibt, um uns gegen so viel dummheit von seiten des ministeriums zu wehren.

schmu schubiak
00
16.6.2011, 14:07
oder, anders ausgedrückt

die lehrer wollen keine nachprüfungen mehr abhalten müssen.so eine sauerei auch, eine woche früher in den schulbetrieb zurück.

Kondratjew -Zyklus
 
00
16.6.2011, 13:13
Man gibt ja ohnehin längst aus Bequemlichkeit nur mehr gute Noten.

Macht sich auf für die Lehrer/innen/evaluation besser.

bycicle
02
16.6.2011, 22:32
stimmt

das machen die meisten lehrer, weil es bequem ist. und das niveau sinkt und sinkt. die eltern wollen auch ihre unbegabten kinder bis zur matura "durchdrucken".
ich bin absolut dagegen. niveau wieder an unsere schulen!!! es gehört in den ersten klassen ordentlich ausgesiebt und schluss aus basta.

Kondratjew -Zyklus
 
00
17.6.2011, 04:32
Naja, das mit dem "Niveau" lese ich ständig, es fehlen mir aber die Belege.

ver-loser
61
16.6.2011, 13:03

Ein Nicht Genügend ist immer auch eine Bankrotterklärung der lehrerischen Vermittlungsarbeit, die mißlungen ist.
Ich wäre dafür, daß Lehrer, die mit mehr als zwei Fünfer-Schülern in der Klasse auffallen, von der Schulleitung auf ihre pädagogische Eignung überprüft werden.

Ann Dido
00
19.6.2011, 19:25

..und ich wäre dafür, dass eine unabhängige Stelle diese/n Lehrer/in UND den/die vorhergehabte/n überprüfen: ob die Noten, die sie gegeben haben, auch in etwa den Leistungen der Schützlinge entsprechen. Immer wieder erbt man solche, denen die KollegenInnen vorher die Noten geschenkt haben (was v.a. beim Übertritt von der HS/AHS in die BMS/BHS auffallen dürfte)

D/E
00
17.6.2011, 08:27
Wenn es Sie beruhigt, darf ich Ihnen versichern,

dass die Schulaufsicht sehr schnell auf der Matte steht, wenn die Notengebung eines Lehrers auffällig wird. Das ist auch richtig so.

Aber das mit der Bankrotterklärung ist natürlich Unsinn. Sie können z. B. einem BHS-Lehrer nicht vorwerfen, dass von 36 Schülern in einem ersten Jahrgang 25 mit völlig unzureichenden Kenntnissen aus der Vorschule daherkommen. Ich kenne die Testergebnisse nur für Deutsch, Englisch und Mathematik, darf Ihnen jedoch versichern, dass gut 50% der Hauptschüler/innen nicht annähernd über die Kompetenzen verfügen, die für einen Hauptschulabschluss erforderlich wären.

andre skala
00
17.6.2011, 12:41
Natürlich:

Immer nur die blöden Kinder!

D/E
00
17.6.2011, 13:04
Sagen Sie, lesen Sie vor dem Posten oder ist das nur ein Tippreflex?

Wenn es bei Ihnen intellektuell nicht reicht, ein Posting über mehrere Zeilen zu verstehen, dann sollten Sie eventuell zum heute-Forum wechseln.

Tut mir leid, aber ich habe die Deppen-Beiträge satt.

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