NASA-Software erkennt Keltengräber als "Kalender"

15. Juni 2011, 18:21
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Experte: "Die Anordnung der Gräber um das zentrale Fürstengrab stimmt mit den Sternenbildern des nördlichen Himmels überein"

Villingen/Mainz - Im Schwarzwald ist ein riesiges frühkeltisches Kalenderwerk in einem Fürstengrab "entdeckt" worden - oder genauer gesagt: erst rund 40 Jahre nach der eigentlichen Ausgrabung als solches identifiziert worden. Der Grabhügel südlich von Villingen-Schwenningen in Baden-Württemberg ist nach Angaben des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGMZI) in Mainz die weltweit älteste keltische Mondzyklenanlage.

"Die Anordnung der Gräber um das zentrale Fürstengrab stimmt mit den Sternenbildern des nördlichen Himmels überein", sagte Allard Mees vom RGZM. Entdeckt wurde die gerne auch mal als "Schwarzwälder Stonehenge" bezeichnete Anlage im Fürstengrab von Magdalenenberg bereits zwischen 1970 und 1973.

Datierung möglich

"Zum ersten Mal konnten wir die Mondkultur der Kelten im vollen Umfang sichtbar kriegen. Das gab es vorher noch nie", erklärte Mees. Er war auf die neue Deutung der Anlage mit Hilfe einer speziellen Software der US-Raumfahrtbehörde NASA gestoßen. Demnach sind die Gräber um das zentrale Fürstengrab an dem 100 Meter breiten Grabhügel - im Gegensatz zu Stonehenge - nicht nach Sonnenzyklen angeordnet, sondern nach nördlichen Sternenbildern. "Auch Caesar kannte schon die keltische Mondzeitrechnung, aber er war mehr mit Erobern als mit Entdecken beschäftigt", sagte Mees.

Mit Hilfe der Software konnte der damalige Stand der Sternenbilder von der Winter- bis zur Sommersonnenwende nachgezeichnet werden. "Endlich hat man etwas ans Licht geholt, was sonst in der Dunkelheit geblieben wäre", sagte der Mainzer Wissenschafter. So konnte er auch die Anlage auf den Sommer 618 vor unserer Zeitrechnung datieren.

Für den Bau der Anlage seien Stangenreihen auf den Hügel eingesetzt worden, um die Mondwenden zu erfassen. "Diese Himmelserscheinungen waren bestimmend für die keltische Zeitrechnung", heißt es in einer Mitteilung des Museums. Die Kelten hätten damit auch Mondfinsternisse voraussagen können. (APA/red)

  • Gesamtplan der Gräberanlage mit eingetragenen Sternbildern.
    grafik: a. mees / rgzm

    Gesamtplan der Gräberanlage mit eingetragenen Sternbildern.

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