Nachholbedarf zwischen Mittelmeer und Bosporus

15. Juni 2011, 17:27
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Die Türkei braucht dringend mehr Shoppingcenter, Hotels und Büroimmobilien, so der Tenor auf der Jahreskonferenz des türkischen Immobilienverbandes

Kürzlich standen in Istanbul auf der elften Jahreskonferenz des türkischen Immobilienverbandes Gyoder sowie der zeitgleich stattfindenden Fachmesse "Istanbul Real Estate" die neuesten Trends und Tendenzen zur Diskussion. Seitens der internationalen Teilnehmer zeichnet sich wieder ein größer werdendes Interesse an der Türkei ab. Dabei steht die solide wirtschaftliche Entwicklung klar im Vordergrund. Immer wieder betont wurde nicht nur die junge Bevölkerung mit einem Altersdurchschnitt von 28 Jahren, sondern auch die geografische Lage des Landes - und hier insbesondere der Metropole Istanbul. Sie sei, so war oft zu hören, eine Verbindung zwischen Europa und Asien und ein Tor in die arabische Welt.

Nach wie vor richtet sich die Aufmerksamkeit der Investoren vornehmlich auf Einzelhandelsimmobilien. So konnte der international agierende Entwickler, Investor und Shoppingcenter-Betreiber ECE, der vor allem in Innenstadtlagen agiert, das mittlerweile neunte Einkaufszentrum in der Türkei vermelden: Das Shopping- und Entertainment-Center "TerraCity" in Antalya wurde am 1. Juni eröffnet.

Gegensätze

Entwickelt wurde das 150-Millionen-Euro-Projekt von Pramerica Real Estate Investors, der Immobilientochter des Finanz- und Versicherungskonzerns Prudential Financial Inc. aus den USA, in einem Joint Venture mit dem türkischen Immobilienunternehmen EriaPartners. Auf einer Mietfläche von rund 48.000 Quadratmetern bietet das zur Eröffnung bereits vollständig vermietete Einkaufszentrum Platz für 180 Shops - darunter internationale und nationale Fachgeschäfte, Cafés, Restaurant sowie einige Dienstleistungsbetriebe.

Burhanettin Yurtseven, verantwortlich für das Türkei-Geschäft von Pramerica, gibt sich dennoch nicht allzu optimistisch: "Der türkische Immobilienmarkt zeichnet sich derzeit durch einen großen Gegensatz zwischen dem hohen Interesse internationaler Investoren und dem positiven wirtschaftlichen und demografischen Umfeld aus", sagt der General Manager. "Doch dafür gibt es nur wenige beziehungsweise gänzlich fehlende Transaktionen am Markt. Mit der Eröffnung von 'TerraCity' legt Pramerica ein Bekenntnis ab - und sei es nur für das hohe Interesse internationaler Investoren".

Basare der Zukunft

Zudem zeigt das neue Shoppingcenter, welch große Bedeutung dem Segment Handel auf dem türkischen Immobilienmarkt zukommt. Neben der ECE sind auch andere internationale Entwickler in der Türkei vertreten, zum Beispiel die Metro Group Asset Management, die Multi Development sowie die Redevco. Zu den größten Investoren zählen etwa die Fondsinitiatoren Union Investment Real Estate aus Hamburg (Investitionen in Mersin) und die DWS aus Frankfurt am Main (Shoppingcenter "Marmara Forum" in Istanbul).

Dennoch ist die Türkei nicht nur ein Handelsparadies. Auch Wohnimmobilien nahmen auf der diesjährigen Gyoder-Jahreskonferenz breiten Raum ein. Und hier zeigen sich schnell unterschiedliche Wahrnehmungen: Während sich internationale Entwickler und Investoren - wenn überhaupt - auf das gehobene Segment fixieren, liegt türkischen Marktteilnehmern und Verbänden sehr viel an erschwinglichem und gleichzeitig attraktivem Wohnraum. Vor allem der wachsende Mittelstand wird bedient.

In der aktuellen Gyoder-Studie "The Turkish Real Estate Market after the Global Crises and Prognoses 2015" vergleicht man sich nicht nur mit den Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China, sondern auch mit Indonesien und Qatar - zu Recht, denn in Bezug auf Größe und wirtschaftliche Bedeutung gehört das Land zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer durchaus in diese Liga. Aktuellen Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge befindet sich die Türkei auf dem 17. Platz der weltweit führenden Volkswirtschaften und gilt als sechstgrößte Wirtschaftskraft in Europa.

Und diese Wirtschaft sorgt für einen entsprechend wachsenden, gewerblichen Immobilienmarkt. Bei internationalen Marktteilnehmern rangiert vor dem Bereich Logistik noch das Segment Hotels - und zwar sowohl landesweit für Tourismus als auch für Business-Gäste in Istanbul, Ankara und anderen größeren Städten. Auch der Klassiker Büroimmobilien, um den internationale Investoren bislang häufig einen Bogen schlugen, könnte laut Experten wieder zulegen.

Weiterer Ausbau geplant

"Zu den interessantesten Investments in der Türkei zählen aufgrund der sehr jungen Bevölkerung und des Konsumnachholbedarfs ganz klar die Shoppingcenter", sagte Peter Hegemann, Head of Investment, Asset Management Europe bei Union Investment Real Estate auf der Fachmesse Istanbul Real Estate.

Aber auch hochwertige Büroimmobilien gehörten dazu, denn A-Grade-Gebäude seien in der Türkei derzeit nur in geringer Zahl verfügbar. "Langfristig planen wir daher den weiteren Ausbau unseres Engagements", fügte Hegemann hinzu. "Zusätzliche Immobilieninvestments, insbesondere auch im Bürosegment, sind die logische Konsequenz." (Andreas Schiller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12./13.6.2011)

  • Das Shoppingcenter "TerraCity" in Antalya war zum Zeitpunkt der Eröffnung am 1. Juni bereits vollständig vermietet.
    foto: ece projektmanagement

    Das Shoppingcenter "TerraCity" in Antalya war zum Zeitpunkt der Eröffnung am 1. Juni bereits vollständig vermietet.

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