Die Intervention von Schröder bei Schmied sei kein Grund, den Fall neu aufzurollen
Wien - Zwischen Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) und dem
Kunstrückgabebeirat gibt es gröbere Missstimmigkeiten. In dem von
Clemens Jabloner geleiteten Gremium denkt man an Rücktritt.
Am Freitag empfahl der Beirat, fünf Blätter von Schiele, die sich in der
Albertina befinden, an die Erben nach Karl Mayländer zu restituieren.
Entgegen der jahrelangen Gepflogenheit gab das Ministerium das Ergebnis
aber nicht gleich bekannt. Denn Albertina-Direktor Klaus Albrecht
Schröder hatte, wie sich herausstellte, im Kulturministerium
interveniert. Der Standard brachte die Empfehlung dennoch in Erfahrung
und veröffentlichte sie exklusiv in der Dienstagsausgabe.
Normalerweise kommt die Ministerin der Beiratsempfehlung nach. In diesem
Fall nicht: Dienstagnachmittag gab Schmied bekannt, dass Schröder sie
"auf angeblich neue Quellenhinweise aufmerksam gemacht" habe. Sie hätte
daher den Beirat vor einer endgültigen Entscheidung beauftragt, die
Quellen zu prüfen.
Clemens Jabloner reagierte erbost: Die Mitteilung entspreche nicht der
akkordierten Vorgangsweise. Zudem würde eine neuerliche Befassung des
Beirats "darauf hinauslaufen, auf Intervention Dritter Verfahren des
Kunstrückgabebeirates neu aufzurollen". Er sehe - wie auch in der
Vergangenheit - keinen Anlass dazu.
Diese angeblich neuen Quellen will Diethard Leopold, Sohn des
verstorbenen Sammlers, ausfindig gemacht haben. Bekanntlich hat auch das
Leopold Museum fünf restitutionswürdige Blätter aus der Sammlung
Mayländer.
All diese Werke verkaufte Etelka Hofmann nach dem Krieg. Sie war eine
enge Vertraute von Karl Mayländer, aber nicht erbberechtigt: Mayländer
hinterließ, als er 1941 nach Lodz deportiert wurde, kein Testament.
(trenk/ DER STANDARD, Printausgabe, 16.6.2011)