Fall Mayländer: Jabloner will sich nicht fügen

15. Juni 2011, 17:15
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Die Intervention von Schröder bei Schmied sei kein Grund, den Fall neu aufzurollen

Wien - Zwischen Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) und dem Kunstrückgabebeirat gibt es gröbere Missstimmigkeiten. In dem von Clemens Jabloner geleiteten Gremium denkt man an Rücktritt.

Am Freitag empfahl der Beirat, fünf Blätter von Schiele, die sich in der Albertina befinden, an die Erben nach Karl Mayländer zu restituieren. Entgegen der jahrelangen Gepflogenheit gab das Ministerium das Ergebnis aber nicht gleich bekannt. Denn Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder hatte, wie sich herausstellte, im Kulturministerium interveniert. Der Standard brachte die Empfehlung dennoch in Erfahrung und veröffentlichte sie exklusiv in der Dienstagsausgabe.

Normalerweise kommt die Ministerin der Beiratsempfehlung nach. In diesem Fall nicht: Dienstagnachmittag gab Schmied bekannt, dass Schröder sie "auf angeblich neue Quellenhinweise aufmerksam gemacht" habe. Sie hätte daher den Beirat vor einer endgültigen Entscheidung beauftragt, die Quellen zu prüfen.

Clemens Jabloner reagierte erbost: Die Mitteilung entspreche nicht der akkordierten Vorgangsweise. Zudem würde eine neuerliche Befassung des Beirats "darauf hinauslaufen, auf Intervention Dritter Verfahren des Kunstrückgabebeirates neu aufzurollen". Er sehe - wie auch in der Vergangenheit - keinen Anlass dazu.

Diese angeblich neuen Quellen will Diethard Leopold, Sohn des verstorbenen Sammlers, ausfindig gemacht haben. Bekanntlich hat auch das Leopold Museum fünf restitutionswürdige Blätter aus der Sammlung Mayländer.

All diese Werke verkaufte Etelka Hofmann nach dem Krieg. Sie war eine enge Vertraute von Karl Mayländer, aber nicht erbberechtigt: Mayländer hinterließ, als er 1941 nach Lodz deportiert wurde, kein Testament. (trenk/ DER STANDARD, Printausgabe, 16.6.2011)

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