Weltweiter Energie­ver­brauch auf Höchststand

15. Juni 2011, 20:57
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Über alle Energiearten hinweg lag das Plus bei 5,6 Prozent - die höchste Zuwachsrate seit der Ölkrise vor 38 Jahren

Der Rückgang des weltweiten Energieverbrauchs 2009 war nur von kurzer Dauer: 2010 wurde weltweit so viel Energie verbraucht wie noch nie zuvor. Über alle Energiearten hinweg machte das Plus 5,6 Prozent aus – der stärkste Anstieg seit dem Ölschock 1973. Das geht aus der Datensammlung des BP-Konzerns hervor. BP-Ökonom Kevin Goodwin führt dies auf "Nachzieheffekte" nach dem krisenbedingten Knick im Jahr 2009 zurück.

Das Durchstarten der Industrie und erhöhte Investitionstätigkeit hätten den Stromverbrauch überproportional gesteigert, sagte Goodwin in Wien. Gestiegen sind auch die CO2-Emissionen, was auf mehr Kohlefeuerung zurückgeführt wird. Der Anteil der erneuerbaren Energien hat sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht.

Wien – Die Wirtschaft wächst wieder – und mit ihr der Energieverbrauch. Nie zuvor seit der ersten Ölkrise 1973 gab es über alle Energieträger hinweg einen größeren Verbrauchszuwachs als im Vorjahr: plus 5,6 Prozent (siehe Grafik).

Das geht aus der am Mittwoch präsentierten Datensammlung zum Thema Energie des Ölkonzerns BP (Statistical Review of World Energy 2011) hervor.
Der Leiter der Raffinerie-Analyse im Volkswirtschaftsteam von BP, Kevin Goodwin, führte den kräftigen Satz nach vorne auf einen „Nachzieheffekt" zurück. Im Jahr davor, 2009, waren krisenbedingt nicht nur viele Länder in eine Rezession geschlittert; auch der Energieverbrauch ging stark zurück, weil viele Unternehmen nur mehr mit halber Leistung produzierten oder die Produktion eine Zeitlang komplett einstellen mussten. Im Aufschwung legte der Energieverbrauch überproportional zu, getrieben vor allem durch das Durchstarten der Industrie und energieintensiver Investitionen, wie Goodwin bei der Datenpräsentation sagte. Heuer rechnet der BP-Ökonom mit einer Annäherung des globalen Energieverbrauchs an die langfristige Trendkurve.
CO2-Emissionen stark im Plus

Mit dem kräftigen Zuwachs des Energieverbrauchs sind auch die CO2-Emissionen deutlich gestiegen. Da der Kohleverbrauch im Berichtsjahr besonders stark zulegte (plus 7,6 Prozent), erhöhte sich der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid um 5,8 Prozent gegenüber 2009. Das war der stärkste Anstieg seit 1969.

Nach BP-Aufzeichnungen stiegen die Emissionen sowohl in den OECD-Ländern (plus 3,4 Prozent) als auch in den Nicht-OECD-Nationen (plus 7,6 Prozent). Für das meiste CO2 war China verantwortlich: 43 Prozent des globalen Mehrausstoßes entfielen 2010 auf das Reich der Mitte, gefolgt von den USA mit 13 Prozent.
In einigen Ländern sind die Emissionen zwar zurück gegangen, doch dies war nach Angaben von Goodwin entweder auf besondere Umstände wie dem umfangreichen Austausch von Kohle gegen Wasserkraft in Australien geschuldet oder auf eine schwächelnde Konjunktur zurückzuführen.
Goodwin geht davon aus, dass der wachsende Anteil CO2-intensiver Länder wie China am weltweiten Energieverbrauch zu einem Anstieg der globalen Emissionsintensität beiträgt, selbst wenn es den meisten dieser Nationen gelingen sollte, die eigene Emissionsintensität zu verringern.
China ist 2010 absolut zum weltgrößten Energieverbraucher aufgestiegen und hat die USA, die diese Position bisher unangefochten innehatten, überrundet.

Erneuerbare legen zu

Erstmals haben die Rechercheure von BP auch die Entwicklung erneuerbarer Energien außerhalb der Wasserkraft untersucht. Gemäß ihrer Untersuchungen decken Windkraft, Solarenergie, Geothermie, Biomasse, Müllverstromung und Biokraftstoff für den Transport insgesamt 1,8 Prozent des gesamten globalen Primärenergiekonsums ab. Das ist eine Verdreifachung des Anteils innerhalb eines Jahrzehnts. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.6.2011)

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