Verschlechterung der Rechte wird befürchtet - Pessimismus überwiegt bei AK-Umfrage
Wien - Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Österreich rechnen für ihre eigene Lage überwiegend mit Verschlechterungen. 63 Prozent der Beschäftigten sehen in Bezug auf ihre Rechte pessimistisch in die Zukunft, geht aus einer am Mittwoch von der Arbeiterkammer (AK) präsentierten Umfrage der Institute IFES und SORA hervor. Fast zwei Drittel der Befragten fürchten, dass die Rechte der Arbeitnehmer in den nächsten Jahren weiter beschnitten werden. Ein Drittel ist der Ansicht, dass sich die Möglichkeit zur Sicherung des Lebensunterhalts durch das Einkommen in die falsche Richtung entwickle.
60 Prozent der Befragten stimmen der Ansicht zu, dass es für den Einzelnen kaum mehr möglich sei, sich einen Überblick über die einzelnen arbeitsrechtlichen Bestimmungen zu verschaffen. 57 Prozent sind der Meinung, dass es von den Unternehmen ausgenutzt werde, dass diese sich in rechtlichen Belangen besser auskennen als die Beschäftigten.
Arbeitszeitüberschreitung
Sorgen über die Zukunft machen sich die Arbeitnehmer auch in Bezug auf Respekt und Wertschätzung im Betrieb sowie bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und beim Gesundheitsschutz. So kann rund jeder Zweite von Fällen im Betrieb bzw. im Freundes- oder Bekanntenkreis berichten, in denen die die gesetzlich erlaubte Arbeitszeit überschritten wurde. Auch eine zu niedrige Einstufung (45 Prozent) und eine nicht korrekte Abrechnung von Stunden (39 Prozent) wird häufig angegeben.
Ein rundes Drittel der Befragten berichtet davon, dass gesetzliche Zuschläge für Mehr- und Überstunden sowie Löhne und Gehälter nicht korrekt ausbezahlt wurden. Weiters gibt jeder dritte Befragte an, dass Arbeitnehmer im eigenen Betrieb oder im Freundes- und Bekanntenkreis zu einer einvernehmlichen Auflösung ihres Dienstverhältnisses gedrängt wurden.
308 Millionen Euro erstritten
Im Jahr 2010 wurden von der AK österreichweit über 1,4 Millionen Beratungen durchgeführt, in Folge wurden 308 Mio. Euro durch Klagen für die Mitglieder zurückgeholt. Dabei gehe es mehrheitlich um Probleme bei der Beendigung des Dienstverhältnisses und um Geld, das die Unternehmen den Beschäftigten schuldig waren, z.B. Überstundenentgelt und Urlaubs- und Weihnachtsgeld, aber auch den normalen Monatslohn. Der Großteil des eingeklagten Geldes betrifft Ansprüche nach Insolvenzen: Dabei wurden im Jahr 2010 vom Insolvenzschutzverband von ÖGB und AK für über 30.000 Betroffene Ansprüche geltend gemacht und rund 213 Millionen Euro zurückgeholt. Nicht eingerechnet in diese Beträge werden jene Gelder, die nach "Interventionen" der Arbeiterkammer, also Briefen oder Telefonaten, von den Unternehmen schließlich doch ausbezahlt werden. (APA)
Info zur Umfrage
Die Umfrage wurde im Auftrag der Arbeiterkammer Wien bei 500 unselbstständig Beschäftigten (Arbeiter, Angestellte, Vertragsbedienstete und öffentlicher Dienst) in Österreich durchgeführt.