Lizenzen

Streit zwischen YouTube und deutscher Gema eskaliert

15. Juni 2011, 16:57

Auf absehbare Zeit "keine Einigung"

Der Streit um die Vergütung für Musikvideos auf der Internet-Plattform YouTube weitet sich aus: Der YouTube-Betreiber Google sieht nach einer Klage der deutschen Verwertungsgesellschaft Gema die Grundlage für weitere Gespräche entzogen. Eine Lösung könne es "nur am Verhandlungstisch und ohne juristische Verfahren" geben, erklärte Sprecher Kay Oberbeck am Mittwoch in Hamburg. Auf absehbare Zeit werde es daher keine Einigung geben. Das Unternehmen erhöht außerdem den öffentlichen Druck, indem es seit einigen Tagen bei bestimmten blockierten Videos ausdrücklich darauf hinweist, dass dies auf Veranlassung der Gema geschehe.

Die Gema hatte bereits im September 2010 angekündigt, Klage vor dem Landgericht Hamburg einreichen zu wollen. Erst kürzlich erreichte die Klageschrift YouTube am Firmensitz in Kalifornien. Darin geht es nach Angaben der Plattform darum, 12 Musiktitel nicht mehr zugänglich zu machen. Zuvor hatte die Gema bereits per einstweiliger Verfügung YouTube verbieten lassen wollen, 75 Musikstücke anzubieten. Das Landgericht Hamburg lehnte den Erlass aber ab. Gleichzeitig gab das Gericht aber zu erkennen, dass ein Unterlassungsanspruch infrage komme.

Lizenzzahlungen

Im Mittelpunkt des Streits stehen die Lizenzzahlungen für das Abspielen von Musikvideos. Die Gema wahrt die Urheberrechte von mehr als 60.000 "Musikurhebern", also Komponisten, Textautoren und Musikverlegern. Sie fordert pro Videoabruf eine Gebühr - auf einer Gema-Preisliste ist von zwölf Cent die Rede, in den seit 2009 währenden Verhandlungen forderte die Gesellschaft aber geringere Beträge. Der Internetriese hält diese Summe für überhöht, weil sie das Abspielen von Musikstücken zu einem Minusgeschäft mache.

Seit einigen Tagen versucht YouTube, den Ärger der Nutzer auf die Gema zu lenken. Wenn das Portal Videos blockiert, verweist es in der Begründung ausdrücklich auf die deutsche Verwertungsgesellschaft. So heißt es beispielsweise in bestimmten Fällen: "Leider ist dieses Video in Deutschland nicht verfügbar, da es Musik enthalten könnte, für die die GEMA die erforderlichen Musikrechte nicht eingeräumt hat." Google spricht von "präziseren Hinweisen", die man aufgrund von Nachfragen der Nutzer gebe.

Lösung möglich

YouTube hatte schon seit dem Start die Musik- und TV-Branche auf die Barrikaden gebracht, weil die Nutzer urheberrechtlich geschützte Musik, Videos sowie Ausschnitte aus Filmen und Fernsehsendungen ins Netz stellten, ohne die Rechteinhaber um Erlaubnis zu fragen. Die Musik- und Medienkonzerne ließen die Inhalte reihenweise entfernen und verklagten YouTube. Mittlerweile bietet das Unternehmen ein Programm an, über das Rechteinhaber Inhalte sperren lassen können oder eine Beteiligung an den Werbeerlösen erhalten. Daher ist inzwischen das Gros der Musikvideos in Ländern wie den USA bei YouTube zu sehen. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 58
1 2
Dein schönster Traum
00
19.6.2011, 17:00
Die Musikindustrie ist schon unser aller Feind...

...aber noch schlimmer ist diese GEMA.

alt-heli .
00
19.6.2011, 15:47
Gema....

typisch deutsches Handeln....

Die sind echt in ihren juristischen System so brutal gefangen...

Obelix würde vielleicht sagen:

"die spinnen die Piefkes" -- oder so ähnlich....

Nihil ein anderer Baxter
00
19.6.2011, 09:20

witzig waere es wenn google einfach ein eigenes label gruendet - international, unter verwendung der eigenen werbekanaele...

vom kartellrechtlichen mal abgesehen, koennten die ueber ein paar jahre locker die halbe musikbranche unter ihren hut bringen, und schlagartig waere die verhandlungsposition mit gema und konsorten eine andere....

Nihil ein anderer Baxter
00
19.6.2011, 09:21

ok, 'schlagartig' ist vielleicht etwas uebertrieben ;-)

Mister Magister
 
00
20.6.2011, 08:07

würd ich gar nicht sagen, das könnte ziemlich fix gehen, den leuten steht das verhalten der contentindustrie schon bis hierher. *hand an hals halt*

allerdings wird wies aussieht Apple der wegbereiter für billigere onlinemusikdistribution werden, die sind der konkutprrenz da diverse jährchen vorraus.

Taran
05
17.6.2011, 12:26
Google sollte alle suchergebnisse in denen diese Titel vorkommenden. einfach ausblenden....

dann wird die gema schauen, wer die Musik dann noch kennt...

Argumentationslinie: Autovergleich
04
17.6.2011, 12:17

Update: Die Chefs von Sony und Universal schimpfen über die GEMA, weil sie bremst :)

http://www.heise.de/newsticke... 62356.html

Hoopy
01
17.6.2011, 11:04

Die gute alte Content-Mafia...
Wenns auch nur irgendwo ansatzweise nach Geld riecht, dann sofort ein Rudel Anwälte hinterherschicken, die die Beute dann halbtot beißen und brav dem Herrli bringen.

So hätte ich kein schlechtes Gewissen, wenn ich irgendeinem Rechtverwerter mal kein Geld zahlen und mir die Medien über andere Kanäle besorgen würde.

Neue Modelle müssen her. Jetzt.

Luise Rache
20
17.6.2011, 11:56

da youtube durch musikvideos enorme besucherzahlen hat und auch umsatz generiert müssen sie natürlich dafür zahlen. sie können ja auch nicht in de baumarkt gehen gratis werkzeug holen und es später jeden kostenlos zugänig machen oder?

auchnemeinug
00
17.6.2011, 09:20
wer heute was werden will

der postet auf youtube/ facebookk whatever und zwar kostenlos als werbung ( freiwillig ! ) . es geht nichts über social media und ein produkkt zu vermarkten. der umsatz kommt dann aus dem verkauf der tonträger im anschluss.Dafür zahlen viele bands auch und werbepartner prügeln sich darum da dabei zu sein. ansonsten ist die gema ein sinnvoler verein für kunstschaffende. kann ja nicht sein, dass orf/ard etc. sich mit fremden federn schmücken und den umsatz einfach so einsacken.und essen müssen auch musiker ;-) leider schießt die gema wie jeder beamtenverein immer wieder übers ziel......

TheHellsLord
02
16.6.2011, 15:56
Das Problem ist nicht das ob sonder das wieviel...

Wie ja im Artikel schon drinnen steht haben sich die Verwertungsgesellschaften weltweit mit Google dahingehend geeinigt einen bestimmten Prozentsatz an den Werbeeinnahmen zu erhalten.

Der GEMA reicht das nicht und sie will deutlich höhere Gebühren was das aktuelle Dilemma geschaffen hat.

Warum die GEMA sich da nicht dem Beispiel der anderen Rechteverwerter folgt ist halt unverständlich, solange man das Geschäftsmodell nicht gänzlich verhindern will.

Das Problem betrifft aber nicht nur YouTube sondern z.B. auch Dienste wie den Zune Pass, die so in Deutschland wohl nicht kommen werden bei den Preisvorstellungen der GEMA.

Zitronenbaum
11
16.6.2011, 15:55
Das Wesentliche aus den Augen verlieren...

Ich persönlich höre kein Radio.
Das nur mal zur Einleitung, denn ich will auf eines hinaus:
Ich kann mir ja auf Youtube auch Musik anhören. Oftmals auch von Gruppen oder Musikern, die ich vorher überhaupt nicht gekannt habe und von denen sowieso nichts im Radio gespielt wird.
Nur, diese ganzen Linzeneintreiberidioten verhindern das oftmals, denn oft sind jedes zweite Video gesperrt und whatnot. Mundpropaganda wird totgemacht. Aber gut, Chartstürmer wie Justin Bieber will ich eh nicht hören.

Besondere Kennzeichen: keine
15
16.6.2011, 15:33
Die Content Industrie schafft es einfach nicht, in Würde zu sterben.

Selbst im Todeskampf wollen sie sich noch ordentlich lächerlich machen...

AntonPostBote
100
16.6.2011, 15:49
Stimmt,

wenn die Content-Industrie endlich tot wär, wären auch endlich die Kinos, MediaMärkte, Amazons, Radio- und Fernsehsender und Onlineportale des Planeten tot. Dann würden wir endlich wieder alle gemeinsam am Lagerfeuer sitzen und daheim musizieren - genau wie in der Steinzeit bzw. im 17ten Jahrhundert.

Ich bin der Meinung...
00
17.6.2011, 07:44
Das Kino stirbt nicht wegen Youtube & Co

Keine Sorge. Selbst bei einer erstklassigen "Home Theater" Anlage ist es relativ fad einen Kinofilm zu sehen im Vergleich zu tollen Kinos.

Außerdem: Wer reinigt schon gern sein Wohnzimmer vor tausenden Popcorn-Resten? ;-)

Ston3at
06
16.6.2011, 16:07

Als ob die Prostitution aufhören würde wenn die Zuhälter aussterben würden..

AntonPostBote
30
16.6.2011, 16:25
Nein.

Sie haben schon recht - alle werden dann in Zukunft gratis Content machen. Musiker, Filmemacher, Schriftsteller - alle würden Sie gerne noch mehr und besser arbeiten, wenn Sie nicht entlohnt werden würden. Immerhin kostet Equipent und Produktion ja nix - oder Fahrt einer Band von Wien nach Hamburg, die CD-Produktion, das Mastering, die Werbung, ...
Würden Sie gratis arbeiten?

Ston3at
01
17.6.2011, 13:01

All das was sie beschreiben kann halt unabhängig von der GEMA trotzdem für alle zufriedenstellend durchgeführt werden.

badoli from Hell
04
17.6.2011, 12:57
Unnötige Melodramatik.

Menschen sind nachwievor bereit, für echte Leistung zu zahlen. Das Problem sind weder die Konsumenten noch die Musiker, Filmemacher und Schriftsteller. Das Problem ist der Moloch von nicht-produzierenden Rechteinhabern, die dank Informationszeitalter in der jetzigen, anachronistischen Form in ihrer Existenz bedroht sind und daher über den Rechtsweg versuchen, diesen Evolutionsprozess künstlich zu bremsen, anstatt sich anzupassen. Die Gesetze, auf die sie sich berufen, sind aus einem Industriezeitalter und nicht den Anforderungen eines Informationszeitalters gewachsen.

czech
00
16.6.2011, 16:42

bei den aktuellen ticketpreisen für Livekonzerte muss man sich diese frage nicht stellen!

AntonPostBote
00
16.6.2011, 16:48
Beim Preis

von Milch oder Sprit stellt sich die auch niemand. Oder denken Sie wirklich, dass der Ticketpreis 1:1 dem Musiker/Label zukommt und nicht auch noch ÖTicket, dem Veranstalter, der Location, ... und ganz ehrlich: Wenn die Leute es zahlen, warum nicht? Niemand macht Porsche für seine Preispolitik einen Vorwurf...

Herman Toothrot
00
17.6.2011, 19:00

über milch- und spritpreis regt sich niemand auf? na dann schlafen sie wohl immer gerade wenn diese wieder mal um 10 cent raufgehen.

czech
00
16.6.2011, 18:42

warum sollte ich das denken?

der prozentuale anteil ist um ein vielfaches höher als an den cd-verkäufen, von denen die künstler idR gar nichts sehen

Ston3at
11
16.6.2011, 15:23

So macht man sich Freunde bei der größten potentiellen Kundengruppe.

Typisch zurückgebliebene Contentindustrie eben..

silversurfer779
00
16.6.2011, 15:06

...sind das nicht auch die Typen die Kindergärten in DE abgemahnt haben wegen Nachdrucke von Liedtexten..

http://www.ksta.de/html/arti... 7861.shtml

/sarkasmus on...na Bravo...des klingt ja mal kreativ/sarkasmus off

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 58
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.