"Mütter am Land wollen Kinder selbst betreuen"

16. Juni 2011, 13:00
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Die Salzburger Landesrätin Tina Widmann lehnt den Fokus des Bundes auf die Betreuung von unter Dreijährigen ab

Bei der Regierungsklausur am Semmering Ende Mai versprach die Regierung den Ländern 55 Millionen Euro für die Kinderbetreuung in den Jahren 2012 bis 2014. Der Fokus soll dabei auf den unter Dreijährigen liegen. Salzburgs zuständige ÖVP-Landesrätin, Tina Widmann, sieht bei dieser Altersgruppe aber geringeren Bedarf. Sie will selbst entscheiden, in welche Altergruppe, sie das Geld vom Bund investiert.

In Österreich liegt die Betreuungsquote der Null- bis Dreijährigen bei 16,5 Prozent. Die Europäische Union hat sich im Rahmen ihres Barcelona-Zieles auf eine Betreuungsquote von 33 Prozent geeinigt. Darüber, ob diese Quote nun auch erfüllt werden soll, scheiden sich in Salzburg derzeit die Geister.

"In bäuerlichen Gegenden wollen Mütter selbst betreuen"

"Es zeigt sich vor allem am Land, in bäuerliche Gegenden, dass Mütter ihre Kinder zumindest die ersten drei Jahre selbst betreuen", sagt Widmann im Gespräch mit derStandard.at. Es zeige sich auch beim Kinderbetreuungsgeld, bei der die längste Variante am häufigsten genutzt wird, dass viele Mütter länger zu Hause bei den Kindern bleiben würden.

In den letzten Jahren hatte Salzburg bei den unter Dreijährigen ein Plus von eine Million Euro, so Widmann. "Bei den Drei- bis Sechsjährigen haben wir alles aufgebraucht und hätten wesentlich mehr Geld brauchen können. Der Bund will aber, dass die 33 Prozent Betreungsquote unbedingt umgesetzt werden", sagt die Landesrätin. Sie fordert, dass die Länder selbst entscheiden können, bei welcher Altersgruppe das Geld des Bundes eingesetzt wird.

Heinisch-Hosek: "Betreuungsquote gering"

Im Büro der zuständigen Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek heißt es dazu, dass der Fokus auf Null- bis Dreijährige deshalb Sinn mache, "weil hier die Betreuungsquote sehr gering ist". "Da müssen wir aufs Gas steigen", sagt die Sprecherin von Heinisch-Hosek, Julia Valksy. Studien und Umfragen würden zeigen, dass gerade bei den Kleinsten die Schaffung von Betreuungseinrichtungen "ganz wichtig für die Vereinbarkeit mit dem Beruf" sei. "Insbesondere bei den Null- bis Dreijährigen fehlen die meisten Plätze", so Valsky.

SPÖ-Salzburg gegen Vorschlag

Auch die SPÖ in Salzburg ist für eine Erhöhung der Betreuungsquote der unter Dreijährigen. "Landesrätin Tina Widmann soll den Ausbau vorantreiben und die finanzielle Unterstützung des Bundes nutzen", so SPÖ-Landesgeschäftsführer Uwe Höfferer. "Es gibt viele AlleinerzieherInnen, die angewiesen sind auf Betreuungsplätze für unter Dreijährige, da sie nach Auslaufen der Karenzzeit wieder in den Beruf zurückkehren müssen. Das ist die Realität und dieser müssen wir uns mit unserem Handeln auch anpassen", sagt der Geschäfstführer in einer Stellungnahme. Die Wahlmöglichkeit bei der Betreuung sei nur dann gegeben, wenn es genügend Ausbildungsplätze gebe. (Lisa Aigner, derStandard.at, 15.6.2011)

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    Widmann versteht nicht, warum der Bund will, dass 33 Prozent aller unter Dreijährigen betreut werden. Sie will das Geld in die Kinderbetreuung flexibler investieren.

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