Wirtschaftskrise, weiter quergedacht

Leser-Kommentar | 15. Juni 2011, 14:06

Eine Ergänzung zu Jürgen Wallners Leser-Kommentar "Wirtschaftskrise quergedacht"

Jürgen Wallner hat den Zusammenhang zwischen Zins, Kapitalrendite und realer Produktivitätssteigerung behandelt. Ich möchte das zum Postulat eines quantitativen Zusammenhangs verschärfen: Die Summe der realen Vermögen in einem geschlossenen ökonomischen System wächst so schnell wie der Nutzwert der Produktionsmittel, in denen Kapital gebunden ist.

Vermögenszuwachs, quantifiziert

Was mit Nutzwert gemeint ist: Durch die Modernisierung einer Fabrik wächst das Vermögen, welches dem Besitz daran entspricht, weil größerer Mehrwert pro Zeiteinheit produziert wird. Wenn ich und mein Nachbar einander aber unsere Häuser heute für je € 500.000 verkaufen und morgen kaufen wir sie voneinander für je 1 Million zurück, ist das reale Vermögen nicht gewachsen. Darin unterscheidet sich 'reales Kapital' im Sinne des Besitzes von realen, physischen Produktionsmitteln vom Geldvermögen im Sinn eines Konzepts, welches Geldwert als uninterpretierten Grundbegriff voraussetzt. Übrigens gilt das auch, wenn wir Goldbarren statt Papiergeld verwenden; der Glaube, das habe irgendwas mit Golddeckung zu tun, ist ein Aberglaube.

Bezogen auf das reale Vermögen ist die Summe der Vermögenszuwächse aus Erwerbstätigkeit, unternehmerischer Tätigkeit und der Rendite des Kapitals, welches gegen Zinsen verliehen wird, daher vorgegeben: sie ist eben das Wachstum des realen Gesamtvermögens. Unmittelbare Konsequenz: Wenn sich Erwerbsarbeit und unternehmerische Initiative lohnen sollen, dann muss der Erwartungswert für das Wachstum von Vermögen, welches der Wirtschaft gegen Zins zur Verfügung gestellt wird, unter dem realen Wirtschaftswachstum liegen. Wäre nämlich der Erwartungswert der Nettorendite aus Geldverleih so groß wie das Produktivitätswachstum, dann entspräche die Akkumulation von Vermögen aus Zinseinkünften bereits dem gesamten Wachstum des Realvermögens, so dass es nichts mehr an arbeitende oder unternehmerisch engagierte Akteure zu verteilen gäbe.

Der große Bluff

Scheinbar und vorübergehend lässt sich der Verteilungskonflikt auflösen, indem die Limitierung des Vermögenswachstums mit einem Taschenspielertrick überspielt wird. Nämlich, durch ein stetiges Wachstum des Volumens an Verbindlichkeiten aus Konsumkrediten. In bestimmten Kennzahlen schlägt sich das nämlich so nieder wie reales Wachstum: Jedem Kredit entspricht eine Forderung, die irgendwo als Guthaben verbucht werden kann. Das Problem dabei: Verbindlichkeiten aus kreditfinanziertem Konsum steht kein Eigentum an Produktionsmitteln gegenüber, aus dem die Kredite bedient werden könnten.

Im Unterschied zu Investitionskrediten, bei denen die Zinslast geringer sein sollte als die Rendite aus den damit finanzierten Investitionen, sind Zinsen bei Konsumkrediten daher tatsächlich ein systematisches Problem. Wenn das aus dem Ruder läuft, türmen sich auf der einen Seite uneinbringliche Verbindlichkeiten und auf der anderen virtuelle Vermögen - zum Beispiel Bankguthaben, denen in der Realität uneinbringliche Forderungen der Bank gegenüberstehen.

Diese Anhäufung von uneinbringlichen Forderungen und den korrespondierenden virtuellen Vermögen hat in den letzten Jahren ein unglaubliches Ausmaß erreicht - Billionen Dollar. Durch diesen Trick war es möglich, gleichzeitig konservativ angelegtes Kapital mit hohen Zinsen zu bedienen, Gewinn aus unternehmerischer Tätigkeit und Wirtschaftswachstum zu ermöglichen, den Massenkonsum und die Auslastung der Kapazitäten hochzuhalten - alles wunderbar. Nur, dass das Geldsystem jetzt ziemlich vergiftet ist.

Was man lernen könnte. Vielleicht.

Wenn man fragt, was aus der Krise zu lernen sei, ist immer sehr schnell von Regulierung und Eindämmung von Spekulation die Rede. Das mag ja richtig sein. Nur: wenn man damit verhindert, dass sich auf der einen Seite uneinbringliche Verbindlichkeiten auftürmen, dann verhindert man auf der anderen Seite auch das Auftürmen von fiktiven Vermögen, denen solche Verbindlichkeiten gegenüberstehen.

Das kann man nicht voneinander trennen, weil die virtuellen Vermögen ja genau die Gegenbuchungen zu den faulen Krediten sind: Einer, der das nie tun kann, verspricht, irgendwelches Geld zurückzuzahlen. Der Gläubiger tut so, als würde er ihm glauben, weil der Schuldner ein Staat ist, oder ein Haus zu einem spekulativ überhöhten Preis gekauft hat, oder sein Schuldschein in einem Derivate-Paket eingepackt ist. Daher verbucht er die Forderung als 'Haben'. Womit bei Gläubiger ein virtuelles Vermögen entsteht und beim Schuldner eine uneinbringliche Verbindlichkeit. Verhindert man den einen Teil des Spuks, dann verhindert man auch den anderen - wenn man niemandem erlaubt, nicht-bedienbare Kredite aufzunehmen, dann kann auch niemand die Forderungen an solche Kredite als Guthaben verbuchen.

Wenn sich andererseits der Zinssatz für sichere Anlagen nach den Gesetzen des Marktes in der Höhe des Produktivitätswachstums einpendelt, dann hätten wir ohne den Trick mit den virtuellen Vermögen genau das eingangs beschriebene Verteilungsproblem: es bliebe kein Anteil des realen Vermögenswachstums mehr übrig, der als Lohn für Erwerbsarbeit oder unternehmerisches Engagement verteilt werden könnte. In einer solchen Gesellschaft könnte man also nicht durch Arbeit wohlhabend oder gar reich werden. Damit entfiele der Anreiz für all jene Tätigkeiten, die Wachstum und Fortschritt generieren.

Das führt zur Frage, wie man in einem modernen Kapitalismus nachhaltig stabilisieren kann, ohne ein scheinbares Wachstum zu benötigen, welches in Wirklichkeit auf dem Wachstum von Schulden ohne korrespondierendes Wachstum der Fähigkeit zur Bedienung der Kredite beruht.

Wenn man solche Fragen seriös beantworten möchte, braucht man Modelle, die Konsequenzen möglicher z.B. steuertechnischer Maßnahmen zu prognostizieren erlauben. Was würde passieren, wenn man Erbschaften in die Bemessungsgrundlage zur Versteuerung einbezöge, dafür aber einkommenssteuertechnisch eine Flat-Tax erhöbe? Was, wenn man dies mit einem bedingungslosen Grundeinkommen kombinierte? Was, wenn man Vermögen nach dem durchschnittlich erzielbaren Ertrag statt dem realen besteuerte?

Eine rationale Wirtschafts- und Steuerpolitik müsste von den Antworten auf solche Fragen ausgehen, die sich in wissenschaftlichen Modellen begründen lassen; nicht von unreflektierten Überzeugungen, die irgendwann Eingang in Partieprogramme gefunden haben. Das ist noch viel zu wenig der Fall. Insofern ist die Wirtschaftskrise einem Mangel an grundlegenden Theorien geschuldet. Und ein Programm zur Reduktion der Krisenanfälligkeit des modernen Kapitalismus muss vor allem eines sein: ein Programm zur Erforschung komplexer dynamischer Systeme, in denen Geld- und Warenströme stattfinden und miteinander verkoppelt sind. (Leser-Kommentar, Peter Krall, derStandard.at, 15.6.2011)

Autor

Peter Krall, geboren 1960, studierte Logik, Informatik und Biologie und promovierte an der Universität Wien mit einer Dissertation zu einem Thema aus der formalen Logik. Seit 1994 arbeitet er als Softwareentwickler.

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Posting 1 bis 25 von 37
1 2
anthropos
00
18.6.2011, 11:15
Sehr interessante und stringente Gedanken!

Danke.

MOAN
24
16.6.2011, 14:29

Germanisten, EDV Entwickler, Biologen...

wer hat noch nicht, wer will nochmal. Ökonomie-Stammtisch beim Standard, heute extra "wissenschaftlich" und "logisch".

P. Krall
02
18.6.2011, 20:14
Dazu gibt es zweierlei zu sagen

Erstens lebt die Demokratie davon, dass sich die Bevölkerung über Dinge verständigt, die sie betreffen. Das bedeutet eben, dass auch Informatiker, Bioloegn und Logiker am Diskurs über Wirtschaft teilnehmen - oder: Ökonomen, Informatiker und Logiker an über Gentechnik, etc. Das findet hier im Standard statt. Und zwar auf höherem Niveau als in den Wortspenden der Berufspolitiker, deren analytische Kompetenz mehr als zweifelhaft ist.

Zuum zweiten ist der Austausch mit anderen Wissenshcfaten ein Motor des Fortschrtitts: die Physik ist nicht zuletzt deshalb erfolgreich, weil sie auch Mathematik geworden ist, die Biologie weil sie auch Chemie geworden ist. Für die Ökonomie wird es wichtig sein,auch mathematische Systemtheorie zu werden.

};{
03
17.6.2011, 08:51
Sie lesen Kommentare...

die im ersten Satz kenntlich machen, dass sie Meinungen von fachfremden Personen beinhalten, finden es aber nicht für wert, diese Beiträge inhaltlich zu kritisieren, sondern mokieren sich darüber, dass auch Nicht-Experten eine Meinung haben und sie einer breiteren Öffentlichkeit zur Diskussion stellen?

Ihnen muss ziemlich fad sein...

Dass ein Physiker und ein Informatiker wirtschaftliche Zusammenhänge für Laien ausformulieren, die man so von den ausgewiesenen Experten nicht zu hören kriegt, könnte natürlich auch daran liegen, dass das Geschriebene totaler Quatsch ist - doch dann wäre es ein Leichtes das zu widerlegen.

Falls es doch kein Unsinn war - was genau spricht dann dagegen, es hier lesen zu können?

};{
00
17.6.2011, 08:43
Sie lesen Kommentare, bei denen

sotho talker
 
01
16.6.2011, 16:47
genau das ist interessant

ich finde es sehr gut wenn hier eine plattform für beiträge unterschiedlichster herkunft aus der "cloud" geboten wird.

die große schwäche der experten ist die unmöglichkeit von interdisziplinarität vereint in einer person in der heutigen zeit. man ist auf andere menschen angewiesen die perspektiven aus anderen gebieten einbringen.

klarerweise ersetzt das keinen experten, allerdings besteht für den experten die pflicht sich damit auseinanderzusetzen.

alles außerhalb der eigenen expertenwelt als "stammtischgerede" abzutun halte ich für ziemlich überheblich.

übrigens, ökonomen geben ja auch zu allem und jedem ihren senf dazu. unsere gesellschaft ist da völlig einseitig fokussiert. das halte ich für viel gefährlicher.

duplo66
00
16.6.2011, 17:06

So genannte "Experten" (ob nun selbsternannt oder nicht) leiden nicht selten unter einem irreführenden Syndrom: Dem "Tunnelblick".

Der Mensch hat oft genug bewiesen, dass seine Eingriffe in die Natur weit daneben gehen können, die Auswirkungen solcher Fehlgriffe sind meist fatal.

Wenn all die Theoretiker, die unsere netten "Denkmodelle" aufstellen, Recht hätten, liessen sich auf ziemlich einfache Art und Weise Fehlentwicklungen im frühen Stadium erkennen, so dass man die geeigneten Massnahmen ergreifen könnte. Aber leider ist das Wunschdenken.

Wer über seinen eigenen Tellerrand hinaus blickt, bekommt einen besseren Blick auf das "grosse Ganze". Dazu gibt es auch hier in Österreich höchst interessante Ansätze.

avision
01
16.6.2011, 11:36
Und Schopenhauer über Geld und das Finanzsystem ...

ein Weiser sieht gelassen den Vogel Phönix verbrennen;
denn er weiß, dass er verjüngt wieder auferstehen wird.

Jedoch ist es natürlich, wohl gar unvermeidlich, das zu lieben, was als ein unermüdlicher Proteus [verwandlungsfähiger griechischer Meergott] der uns Menschen jeden Augenblick bereit ist, sich in den jedesmaligen Gegenstand unserer wandelbaren Wünsche und mannigfaltigen Bedürfnisse zu verwandeln.

Jedes andere Gut nämlich kann nur einem Wunsch, einem Bedürfnis genügen: Speisen sind bloß gut für den Hungrigen, Wein für den Gesunden, usw. Sie sind folglich nur relativ gut. Geld allein ist das absolut Gute: weil es nicht bloß einem Bedürfnis in concreto begegnet, sondern dem Bedürfnis überhaupt, in abstracto.<<

duplo66
02
16.6.2011, 10:20
Es ist an der Zeit

das veraltete Denkmodell "Wachstum" zu revidieren. Es gibt kein unbegrenztes Wachsen, die Natur zeigt das tagtäglich. Der Mensch versucht immer wieder, die simple Logik des Lebens umzudeuten.

Die "Krise" ist letztlich von der entfesselt gierig handelnden Finanz- und Politwelt herbeigeführt. Viel zu viele Menschen verwechseln Ursache und Wirkung.

her wig
02
16.6.2011, 10:30
Wenn man bei Wachstum nicht an "mehr von demselben"

denkt sondern z.B. auch die Wachstumseffekte einer Energiewende berücksichtigt (was die Wirtschaft ankurbelt, obwohl dann weniger Ressourcen verbraucht werden), dann kommt man damit schon ein Stück weiter.

Vllt. sollte man "Wachstum" durch "Weiterentwicklung" ersetzen? Das wäre kennzeichnender für solche Effekte.

Reich sein muss sich lohnen!
00
16.6.2011, 10:27
Unser Geldsystem verlangt Wachstum

Solange wir es beibehalten werden wir zu ewigem Wachstum verdammt bleiben.

avision
01
16.6.2011, 11:11
Der Taschenspieltrick mit dem Nullsummenspiel ...

Grundlegende Frage von dem Praktiker Aristoteles: <<Wie sollen wir leben?>> Eudaimonia: Es legt zum Beispiel den Gedanken an eine Analogie zwischen dem Blühen von Pflanzen und der Blüte eines menschlichen Lebens nahe.
Der Hauptparameter ist die Theorie des Aristoteles, der gesagt hat, dass das Geld drei Dimensionen hat: 1) als Maßstab für den Tausch, 2) als Kapital und 3) als Eigentum. Zwischen diesen drei Dimensionen gibt es jeweils einen Widerspruch. Aristoteles hat das Zinsverbot durchgesetzt, weil er sagt, wenn Geld nur vom Gelde kommt, dann geht das ins Unendliche. Er sagt: A) Kapital sei die Leistungsgerechtigkeit und B) Geld als Eigentum die Bedürfnisgerechtigkeit.Die beiden, Bedürfnis und Leistung, stehen in Konflikt. Wir brauchen e

avision
01
16.6.2011, 11:34
...

Wir brauchen eine dritte, übergeordnete, die sogenannte Gesetzesgerechtigkeit.
Aristoteles sagte, immer dann, wenn nicht die Politik die Ökonomie dominiert, sondern umgekehrt, dann kommt es zum Crash.
Denn dann dominiert die Leistungsgerechtigkeit über die Bedürfnisgerechtigkeit.

P. Krall
00
18.6.2011, 20:48
Interessanter Ansatz. Ich würde aber einen Schritt weiter gehen:

Nämlich, indem ich von der Menge wirtschaftlich relevanter Entitäten ausginge: Natürliche und juristische Personen, Maschinen, Geldbeträge, Wohnungen,... und den Beziehungen zwischen denen: Besitz, Nutzung, Herstellung, Konsumption,...

Diese Entitäten und Beziehungen haben eine Menge Eigenschaften. Ökonomie ist ein Prozess, der in diesem Zustandsraum stattfindet.

Wenn man von allen Eigenschaften außer dem skalaren Tauschwert abstrahiert, projiziert man das System in einen Raum mit viel weniger Dimensionen. Das ist aber keine Kongruenz, i.e.: die Projektionen von Zuständen können verschieden sein, obwohl die Projektionen ihrer Vorzustände es nicht waren. Daher ist die Abstraktion auf den Geldwert methodologisch zu hinterfragen.

her wig
00
16.6.2011, 08:32
Es tut so gut zu lesen

dass da jemand auch die REALwirtschaft beachten, statt nur auf Kontostände zu schauen.

sotho talker
 
00
16.6.2011, 00:30
produktivitätswachstum hängt von bedürfnissen ab

jegliches produktivitätswachstum muss ja ersteinmal eine bedürfnissteigerung vorausgehen.
die summe aller verfügbaren rohstoffe und energie sowie die summe aller verfügbaren menschen versuchen mit dem vorhandenen know how die bedürfnisse zu erfüllen.

alles andere ist eine frage des verteilungssystems: wer hat das recht auf welche bedürfnisserfüllung.

je mehr einem menschen geglaubt wird er würde zu dieser bedürfniserfüllung beitragen desto mehr werden seine eigenen bedürfnisse erfüllt bzw. erwirbt er das recht bedürfnisse anderer zu verwalten.

beim glauben bleibt es aber schon. unsere werkzeuge zur langfristigen beurteilung gehorchen dem "hausverstand" und der ist bei komplexen problemen immer ein hindernis.

Reich sein muss sich lohnen!
00
15.6.2011, 23:27
Kredite und Zinsen

Wenn wir hier von Krediten sprechen, dann muss man auch mal erwähnen, was ein Kredit überhaupt ist:
Ein Kredit ist neues Geld, dabei wird nicht das Geld eines anderen verliehen.

Die Zinsen können also eigentlich nur eine Rechtfertigung haben: nämlich die Kreditausfälle abzudecken.

Wenn also von 1000 Krediten (in gleicher Höhe) 15 ausfallen, dann hätten wir eine Zinsrate von 1,5%.

der burli
00
15.6.2011, 23:41
ja. plus andere "rechtfertigungen":

- plus 1% für den kreditgeber (strom, gebäude, angestellte, verwaltung, zahlungskontrolle.....)
- plus den sparzins, den der sparer bekommt. der entgeht ja dem kreditgeber ODER er muss ihn dem sparer bezahlen! sagen wir 1.2%.

Reich sein muss sich lohnen!
00
15.6.2011, 23:52

Ja, Betriebskosten der Bank müssten noch mit rein.

Sparzinsen sind allerdings minimal.
Atm liegt die Eigenkapitalquote wohl irgendwo unter 10%.
Das wären dann also etwa 0,2% für die Kredite bei Sparzinsen von 2%.
Wenn man die Inflation ausgleichen will, dann wären es halt 0,4%.

Milchleber
00
16.6.2011, 06:12

Die Frage ist: Ist Eigenkapital = Spareinlagen?

der burli
01
15.6.2011, 16:15

bis auf die letzten absätze ist alles sehr korrekt.

"das führt zur frage ...."?? - nix. sie haben die frage mit ihrer analyse schon beantwortet. kredit gibts GRUNDSÄTZLICH für "ECHT rentierende investitionen". und NICHT für finanzpseudozeugs wie zb wertpapiergeschäfte, margins, derivate etc.

die konsumentenkredite sind weniger das problem, solang zb beim häuslbauer ein deutlicher anteil eigemkapital verlangt wird, was zb in den US zt überhaupt nicht mehr der fall war.

die nichts produzierende finanzwirtschaft,die nur anderen geld abjagen will und kann, die hat die auswüchse erzeugt und muss sie auch erzeugen um gewinn zu machen. wenn DIE eingeschränkt wird ist schon viel getan. keine wertpap.kredite, hohe margins, finanztransakt.steuer!

P. Krall
00
15.6.2011, 22:38
Unterschätzen Sie da nicht die Problematik?

Das jetzige Kreditsystem stellt Liquidität über einen Mechanismus zur Verfügung, der zur Vergiftung des Geldsystems führen muss. Dass das auf Dauer nicht gut gehen kann, ist klar.

Nur: wenn man einfach diesen Mechanismus abdreht, fehlt die Liquidität, nit der jetzt die Nachfrage nach Produkten der Industrie finanziert wird. Da, wo sie dann liegen bleibt, kann damit beliebiger Unsinn getrieben werden. Im blödesten Fall verkaufen einander die Besitzenden dasselbe Gold um immer mehr Dollar, oder so. Das kann auch dazu führen, dass die reale Produktion sinkt und die Wirtschaft in eine echte Rezession gerät. Was ja auch nicht das Ziel sein kann.

der burli
00
15.6.2011, 23:08
"DAS kreditsystem" muss keineswegs zu einer "vergiftung" führen.

im kommentar wurde deutlich ausgeführt, dass
1. kredite für reale rendite erzeugende investitionen etwas entscheidend anderes sind als
2. kredit für konsumzwecke oder
3. für derivate, futures uä.

dieser punkt 3. führte zu enormer aufblähung und den kaum beherrschbaren exzessen. wird der abgedreht, eingeschränkt hat das viele positive effekte, zb dass unproduktive, ja sogar fürs gesamtsystem schädliche arbeitsplätze in der "FINANZ"industrie wegfallen. dieser sektor schaufelt noch dazu kapital von den "kleinen" zu den "grossen". absolut unerwünscht ist das, das ist keine "leistung", sondern öfter mal sogar der blanke betrug! und EIN grund für das wutbürgertum in GR, E, .....

P. Krall
00
15.6.2011, 23:20
Natürlich muss das Kreditsystem nicht zu einer Vergiftung führen

Aber: auch die Mechanismen, die zu einer Vergiftung führen, kann man nicht einfach ersatzlos abdrehen.

Vielleicht kann ich es so verdeutlichen: gehen wir von der Hypothese einer Wirtschaft im Gleichgewicht aus. Dann verschieben wir zum Beispiel Steuerlasten von den Vermögen zu den Einkommen. Und jetzt spielen wir den Trick: das gleichen wir aus, indem aus den - nun schneller wachsenden - Vermögen Fonds dotiert werden, aus denen die - nun ja weniger liquiden - Einkommensbezieher Konsumkredite aufnehmen können. Dann bleibt erst mal einfach alles beim alten, was Nachfrage und reale Warenströme betrifft. Nur, dass es dann eine Schuldenkrise geben wird. Wenn Sie aber einfach den Mechanismus abdrehen, kollabiert die Nachfrage.

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