Bewerbungen: Frauen an der TU Wien benachteiligt

15. Juni 2011, 13:27

Laut TU-Untersuchung haben sie geringere Chancen, zu Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden

Wien - Die Karriereleiter von Frauen an der Technischen Universität Wien "leckt": Bei Bewerbungen für wissenschaftliche Positionen werden Männer bevorzugt, der Frauenanteil in allen Studienrichtungen und Fakultäten wird entlang der Karriereleiter kontinuierlich geringer. Das geht aus der von der TU selbst erstellten "Leaky Pipeline"-Studie hervor, die laut einer Aussendung der Uni vom Mittwoch untersuchte, weshalb ein höherer Frauenanteil unter den Studienanfängern nicht automatisch zu einem höheren Frauenanteil in wissenschaftlichen Karrieren auf allen Hierarchieebenen führt.

Ein Viertel Studentinnen

An der TU Wien, wo mit Sabine Seidler ab Herbst die erste Rektorin an der Spitze einer Technischen Universität in Österreich steht, ist ein Viertel (25,1 Prozent) der Studenten weiblich, ebenso bei den Erstabschlüssen. Der Professorinnenanteil liegt jedoch nur bei 7,6 Prozent. "Wenn auch Frauen, die sich bereits für eine technische oder naturwissenschaftliche Karriere interessieren, 'durch die Maschen' fallen, besteht Handlungsbedarf für die TU Wien", so Vizerektor Gerhard Schimak.

Das Problem beginnt laut Studie bereits sehr früh: So liegt die Abbruchquote unter Studentinnen um 30 Prozent höher als bei männlichen Studienkollegen mit identen Voraussetzungen. Hat eine Frau dann mal ein Studium abgeschlossen und bewirbt sich für eine ausgeschriebene wissenschaftliche Position an der TU, sinken ihre Chancen, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, wenn ihr Geschlecht aus dem Lebenslauf ersichtlich ist. Wie sich laut Aussendung bei einem Experiment zeigte, werden für die Auswahlentscheidgungen "in starkem Maße geschlechterstereotype Begründungen herangezogen".

Abhängigkeit von Förderern

Auch am Arbeitsplatz selbst werden Frauen benachteiligt. Wie sich in Biografieanalysen von ehemaligen TU-Wissenschafterinnen zeigt, sind Frauen auf jeglicher Hierarchieebene in der Minderheit und dabei "von Assimilationsdruck und Konflikten betroffen". Ihre Karrieren selbst sind wiederum "durch starke Abhängigkeit von (männlichen) Förderern gezeichnet". Verglichen zu Mitarbeitern der Dienstleistungseinheiten sind Mitarbeiter in den Fakultäten zudem deutlich häufiger aggressiven Handlungen am Arbeitsplatz ausgesetzt, wie eine Umfrage ergab. (APA)

Kommentar posten
14 Postings
R. Lexer
00
25.6.2011, 12:05
Simpson-Paradoxon?

Viele Frauen bevorzugen halt leider auch nur sehr wenige Studienrichtungen an der TU.

Wie ist das Verhältnis von Bewerbungen/Einladungen generell über die Fakultäten verteilt? Kann mir vorstellen, dass gerade im Bereich der Architektur viel Konkurrenz herrscht.

Schemieschenie
03
16.6.2011, 13:51
1/4 der Studenten sind weiblich,

und davon studiert die Hälfte Architektur, sollte man dies ev. auch noch erwähnen ?? nein lieber eine einseitige Statistik entwerfen !

The Man with the Plan
11
16.6.2011, 10:49

Ich vermisse die einzige aussagekräftige Statistik in diesem Zusammenhang: Wie lautet das Geschlechterverhältnis unter Bewerbern und Professoren.

Dazu auch noch ein Denksanstoß. Wenn in einem Studiengang nur 10% Frauenanteil sind, wie an der TU teilweise der Fall, und dieser Anteil über das ganze Studium gleich bliebe, und sich dann repräsentative Anteile für, sagen wir, 2 zu besetzende Professuren bewerben, wie hoch ist dann die Chance bei einem fairen Auswahlverfahren, dass zumindest eine Frau genommen wird?

Ganze 19%. D.h. im Normalfall wird keine Frau eine der beiden Professuren bekommen. Und warum auch?

Frau Techne
00
18.6.2011, 09:36
Wie kommen Sie auf 19%?

Rundungsfehler auf 20%?
;-)

The Man with the Plan
00
20.6.2011, 09:40

2 unabhängige Ereignisse, die jeweils eine Chance von 90% haben, i.e. die Wahrscheinlichkeit, dass es KEINE Frau wird, ergeben insgesamt 0,9x0,9=0,81. Im Unkehrschluss heißt das, mit 19% wird es zumindest eine Frau.

Mit ihrer Logik könnte man z.B. nie 6 Mal hintereinander die gleiche Zahl würfeln.

Quotengirls? Nein Danke!
22
16.6.2011, 02:27
Es ist wirklich unfassbar, daß akademisch Gebildete diesen einfachen Sachverhalt nicht verstehen: http://derstandard.at/plink/130... 6/21638604

Und an der um "30 Prozent höheren Abbruchquote unter Studentinnen" ist *wer* schuld?

Kleine Scherzfrage - natürlich Männer! ^^

RationalMensch
13
16.6.2011, 00:57
Wieder einmal eine typische Presseaussendung

der 'Tintenburg' der TU, sprich dem Rattenschwanz des (leider seit der Uniautonomie) immer weiter wachsenden Verwaltungsapparates, um von den wahren Problemen abzulenken: Geldmangel infolge immer steigender Verwaltungsausgaben (Sicherheitsdienst, eigene Rechtsabteilung, undurchsichtige Bauauschreibungen- und vergaben), stetig fallend im Ranking (wers nicht glaubt: http://www.arwu.org/) und absolut ungeschickte Professurbesetzungen (wenn aus dem Ausland, dann Deutsche. Sonst hat's eh niemand nötig nach Ö zu kommen, da gibt's bessere Unis. Ehrlich: Wer besser Englisch als Deutsch kann kommt nicht zu uns. Wer kein Deutsch kann, wird von den Uniausschüssen sowieso schon mal nicht an erste Stelle gereiht.)

Toni Blaher
 
00
15.6.2011, 23:59
Wundert mich nicht

In der Architektur hat man einen Frauenanteil von 50% und mehr. Das ist das größte Studium an der TU. Oh wunder dass in der Architektur generell viele Leute nicht wieter machen können. In anderen Studienrichtungen sind die Profs froh wenn Leute am Institut arbeiten.

Kurzum: Es mag schon sein, dass es Probleme gibt. Aber wenn man mit den Zahlen offensichtlich lügt bin ich nicht bereit mich da auf ein Gespräch einzulassen. Wenn schon muss man die Zahlen aufs die Studienrichtung im Einzelnen beziehen.

f l o
 
31
15.6.2011, 22:10

wissenschaft ist ein hartes geschäft. eine wissenschaftliche karriere einschlagen heißt kaum freizeit haben, jahrelang mit befristeten verträgen irgendwo auf der welt tätig sein, nicht planen können, kaum familie gründen können.

diese härten sind männer in unserer gesellschaft eben eher bereit auf sich zu nehmen als frauen. das ist nicht erfreulich, das sollte man ändern - aber das liegt daran, wie wir unsere kinder erziehen, und nicht am vorgehen an der TU wien.

Frau Techne
00
18.6.2011, 09:42
Im Vergleich zur Privatwirtschaft ist die wissenschaftliche Laufbahn wie Arbeiten in einer geschützten Werkstätte.

Und JA, mein Nickname hat damit zu tun, dass ich an genau dieser Universität studiert und gearbeitet habe, und somit beide Seiten kenne.

emily_morin
00
21.6.2011, 18:04
stimm nicht, ...

für wiss. MA gibt es die geschützte werkstatt, für projektmitarbeit definitiv nicht, auch nicht an der TU.

rosa rosa
03
15.6.2011, 21:22
sinnerfassend lesen wär schon gut

hier steht doch, dass Frauen im Vergleich zu Männern, wenn die die gleichen Voraussetzungen mitbringen, schlechtere Chancen haben und dass bei Bewerbungen, die Chancen schlechter werden, wenn das Geschlecht sichtbar ist - das hat nix mit den Frauenquoten oder unterschiedlichen Studienrichtungen zu tun.

AlBundyFan
 
07
15.6.2011, 15:47
das man es einfach nicht kapiert

es ist vollkommen unerheblich für die derzeitige professorinnen-quote wie hoch die anfanger-quote ist....

die anfänger-quote dieses jahres kann als vergleichskriterium im jahr 2030 hergenommen werden oder noch später.
die differenz in jahren muss mindestens. so groß sein, wie der unterschied zum durchschnittlichen studienanfängeralter und dem durchschnittlichen professorenaltern.

d.h. heutiger frauenanteil an professoren bitte mit frauenanfängeranteil 1990 und früher vergleichen.

Wennso Weitergeht...
04
15.6.2011, 18:10
Erstens das, was Sie gesagt haben,

Zweitens, man muss auch schauen, was die meisten Frauen studieren. Durchschnittlich sind vielleicht 25% Frauen, aber die sind in ganz wenigen Fächern!
Siehe: http://www.tuwien.ac.at/ud/stud/i... 2010s.html

Z.B. Architektur fast 50% Frauen (2207)
Informatik nur 18%, aber in Zahlen 855
Zusammen machen die Frauen dieser beiden Studienrichtungen schon 52.2% der Frauen an der TU aus (auf der ganzen TU nur 5863 Frauen zu 18590 Männern).

Man kann eben einen Maschinenbauerposten schlecht mit einer Informatikerin besetzen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.