Fahrgastrechte

287.000 Euro Entschädigung für ÖBB-Verspätungen

15. Juni 2011, 13:07
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    grafik: apa

Pünktlichkeitsgrad steigt - Gesetzesnovelle soll Bahnkunden mehr Rechte bringen

Wien - Wegen Verspätungen im Bahnverkehr im Jahr 2010 sind in Österreich an 10.400 Personen rund 287.000 Euro an Entschädigung geflossen. 10.000 Reisende bekamen 277.000 Euro, weil ihre Züge im Fernreiseverkehr mehr als eine Stunde verspätet unterwegs waren, 400 Pendler mit Jahreskarte erhielten in Summe 10.000 Euro ausbezahlt, weil die ÖBB auf der jeweiligen Strecke den festgelegten Pünktlichkeitsgrad nicht erreicht hatten. Diese Bilanz über das erste Jahr, in dem diese Fahrgastrechte galten, präsentierte Verkehrsministerin Doris Bures am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien.

Laut EU-Verordnung steht Passagieren im Fernverkehr ab 60 Minuten Verspätung eine Entschädigung von 25 Prozent des Fahrkartenpreises zu, ab zwei Stunden sind es 50 Prozent. Die ÖBB haben unter diesem Titel im vergangenen Jahr 276.822 Euro Entschädigung geleistet, 33.281 Euro davon in Form von Gutscheinen. Die Regelung für Pendler ist eine österreichische: Demnach bekommen Inhaber von Jahreskarten mindestens zehn Prozent Entschädigung, wenn das Bahnunternehmen den festgelegten Pünktlichkeitsgrad von derzeit 90 Prozent nicht erreicht. Die Auszahlungen erfolgen automatisch nach Ablauf der Gültigkeit der Jahreskarte, und zwar für jene Monate, in denen die Verspätungen über dem Limit lagen.

Legendäre Pünktlichkeit der Schweiz als Maßstab

Die Pünktlichkeit im Personenverkehr - pro Jahr 71 Millionen Zugkilometer - ist in den vergangenen Jahren gestiegen: Von 90,5 Prozent 2009 auf 94,2 Prozent im vergangenen Jahr auf 97,1 Prozent im den ersten vier Monaten 2011. Im Fernverkehr betrug sie von Jänner bis April 88,7 Prozent, im Nahverkehr 97,5 Prozent. Bures ist damit noch nicht zufrieden: Ziel sei, "an die legendäre Pünktlichkeit der Schweizer Bahn heranzukommen", meinte sie und kündigte für Herbst eine Novelle zum Fahrgastrechte-Gesetz an, in der 95 statt 90 Prozent Pünktlichkeit als Ziel im täglichen Nahverkehr festgeschrieben werden. Darüber hinaus sollen Pendler die Möglichkeit haben, im Internet den Pünktlichkeitsgrad zu überprüfen. Die Schienen-Control als Regulator - sie fungiert auch als Schlichtungsstelle - soll verstärkte Kontroll- und Überwachungsrechte bekommen.

Die Schienen-Control als nationale Durchsetzungsstelle für Fahrgastrechte hat unter anderem durchgesetzt, dass Passagiere im Fall von Verspätungen von mehr als einer Stunde kostenlos angemessene Verpflegung und Erfrischungen angeboten bekommen und Entschädigungen binnen eines Monats ab Antrag ausgezahlt werden. Die im vergangenen Jahr aufgetretenen Probleme bei der Auszahlung der Entschädigungen - nämlich Verspätungen - gebe es jetzt nicht mehr, sagte Ursula Zechner, Geschäftsführerin der Schienen-Control.

Arbeiterkammer will noch mehr

Der Arbeiterkammer gehen geltende und künftige Regelungen nicht weit genug: Auch Monatskartenbesitzer sollten die Möglichkeit haben, sich bei Unpünktlichkeit Geld zurückzuholen, fordert die AK. Darüber hinaus verlangt die Interessensvertretung eine genauere Pünktlichkeitsstatistik der Bahn. Nicht nur verspätete, sondern auch ausgefallene Züge müssten in die Berechnungen aufgenommen werden, hieß es in einer AK-Aussendung.

Wenn auch die ÖBB in Sachen Pünktlichkeit der schweizerischen Bahn auf den Fersen sind, wie die Verkehrsministerin meinte - ein gemeinsames Ticket für alle Verkehrsbetriebe und -verbünde statt unzähliger Tarifbestimmungen, quasi eine "Jahreskarte für den öffentlichen Verkehr", wie sie in der Schweiz existiert, wird es in der Alpenrepublik zumindest in naher Zukunft nicht geben. Die Einführung eines solchen Österreich-Tickets scheitert an finanziellen Fragen - denn ein solches müsste nämlich laut Bures mit bis zu 1.400 Euro gefördert werden. (APA)

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14 Postings
Whitesnake83
00
16.6.2011, 07:16
Frau Bures soll sich mal diese Seite zu Gemüte führen

http://www.oebb.at/puenktlichkeit

Was sie fordert ist schon längst Realität.

ranchorelaxo
00
15.6.2011, 17:28
277.000 Euro

kein problem, der (s)teuerzahler wirds schon richten ...

Mork vom Ork
00
25.6.2011, 08:30

das ist schadenersatz ... da gibts nix zum rumdeuteln.

cannery row
00
15.6.2011, 17:11
du, jetzt ist`s schon 17:11..

und rechts ist immer noch der bahnsteig..

Reversi
 
01
15.6.2011, 15:53
Als verspätet gilt ein Zug für die ÖBB erst, wenn er mehr als 5 min nach Plan ankommt.

Das schönt natürlich auch die Statistik.

aquila_at
14
15.6.2011, 15:50
pünktlichkeit durch langsamkeit

traurig ist halt, dass die gestiegene pünktlichkeit hauptsächlich dadurch erreicht wird, dass die fahrzeiten angehoben bzw. trotz verbesserter infrastruktrur nicht reduziert wurden.
motto der öbb: schnell und püntklich schaffen wir nicht, unpünktlich kostet (sympathien und neuerdings auch geld), also mach ma's langsam und halbwegs pünktlich.

tock tock tock
00
15.6.2011, 18:40
Ganz ehrlich:

Mir ist es aber echt lieber ich sitz 5-10 Minuten länger im Zug und der ist dann immer pünklich, als der Zug kann die angegebene Fahrzeit eh kaum jemals einhalten und ich verpass dann zB einen Anschlusszug!

Ist auch lästig, wenn man jemanden bitten muss, der einem am Bahnhof abholen soll - und der kommt dann pünktlich hin, aber der Zug hat mal wieder 15-20 Minuten Verspätung ....

Thyriel
00
15.6.2011, 17:14
genauso isses

hinzu kommt noch das seit letztem Fahrplanwechsel kaum noch Anschlüsse abgewartet werden, da fahren dann wenigstens die (fast leeren) Züge pünktlich während die Fahrgäste den nächsten Zug nehmen müssen...

cannery row
00
15.6.2011, 17:13
kann man recht gut nachverfolgen..

in alten kursbüchern. st. pölten–wien regional heute langsamer als 1961.

Moser Hans
 
00
18.6.2011, 19:52

In die Strecke Wien-St. Pölten wurde auch kaum etwas investiert.

LSDBlue
00
15.6.2011, 14:30

Die Statistik versteh ich nicht - der Mittelwert 2011 ergibt bei mir 93,1% und nicht 97,1% - oder gibts neben Nah- & Fernverkehr noch einen anderen Personenverkehr?

Eckhausbesitzer
00
15.6.2011, 16:39

Wird wohl gewichtet sein, da der Nahverkehr anteilsmäßig viel mehr Kilometer sind (also kein arithmetisches Mittel, sonder gewichtet).

Brunzo
00
15.6.2011, 14:54

Es ist zu bedenken, dass die Anzahl der Züge im Fernverkehr nicht dieselbe wie die der Züge im Nahverkehr ist! Somit haben die Zahlen aus dem Fernverkehr und jene aus dem Nahverkehr eine unterschiedliche Auswirkung auf den gesamten Pünktlichkeitswert.

Karl-Heinz Strasser
00
15.6.2011, 14:45

es gibt einfach mehr nahverkehr als fernverkehr.
laut ihrer berechung müsste ja jeder 2.zug ein fernverkehrszug sein.

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