Pressefoto des Jahres

"Schallende Ohrfeige": "Objektiv"- Preisträger kritisiert News-Gruppe

16. Juni 2011, 12:57
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    apa-foto: heinz stephan tesarek

    Gesamtsieger "Objektiv 2011" und Sieger der Kategorie Fotoserien: 'Der Ruf des Diktators' von Heinz Stephan Tesarek. Die Serie zeigt den Tag der weißrussischen Präsidentenwahl und die nächtliche Niederschlagung der weißrussischen Demokratiebewegung.

    >>> Die Gewinner sehen Sie hier in einer Ansichtssache: "Objektiv": Die besten Pressefotos des Jahres

Heinz Stephan Tesarek wurde für die Serie "Der Ruf des Diktators" ausgezeichnet, die zum Auftragsstopp führte - Mit Ansichtssache der Gewinner und Video

Gute Fotos zu schießen ist eine Sache, als Pressefotograf in einem immer enger und härter werdenden Markt zu bestehen, ist etwas ganz anderes. Deutlich wurde dies am Mittwochabend bei der von Canon Österreich und der APA - Austria Presse Agentur vergebenen Auszeichnung der Pressefotos des Jahres. Heinz Stephan Tesarek, der als freier Fotograf gleich zwei Kategorien und den Gesamtpreis "Objektiv 2011" für sich verbuchen konnte, nutzte seinen Auftritt für kritische Worte in Richtung Medienbranche.

"Einiges im Argen"

Tesareks Bild-Serie über die Präsidentenwahl in Weißrussland wurde von einer hochkarätigen Jury zu Österreichs Pressefoto des Jahres gewählt. Während des Fotoeinsatzes in Minsk wurde der Fotograf von prügelnden weißrussischen Sonderpolizisten schwer an der Hand verletzt und konnte deswegen monatelang seiner beruflichen Tätigkeit nicht nachgehen. Dass Tesarek als freier Fotograf in dieser Zeit von seinem Auftraggeber nicht unbedingt entgegenkommend behandelt worden sein soll, hat für Diskussionen in der Branche gesorgt: "Was unseren Berufsstand betrifft, liegt einiges im Argen", so Tesarek, der auf Details des Disputs nicht näher einging, den Preis aber als "schallende Ohrfeige" für seinen langjährigen Auftraggeber "News" bezeichnete.

Die prämierte Foto-Serie zeigt den weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko in Begleitung seines Sohnes bei der Stimmabgabe, abendliche Proteste von Oppositionellen gegen den Wahlbetrug sowie die nächtliche Niederschlagung der weißrussischen Demokratiebewegung. Neben dem Hauptpreis gewann Tesarek damit auch die Kategorie Foto-Serien. Daneben schoss Tesarek auch noch das beste Pressefoto in der Kategorie Chronik. Die auf news.at veröffentlichte Aufnahme "eyes wide shot" zeigt ukrainische Jugendliche, die einander Drogen verabreichen. Das Preisgeld dafür spendete Tesarek einer karitativen Organisation, die sich um diese Jugendlichen kümmert.

"Perfekte Darstellung des Zustandes der Großen Koalition"

Als "perfekte Darstellung des Zustandes der Großen Koalition" bezeichnete Jurymitglied, STANDARD-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid, das Siegerbild in der Kategorie Innen- und Außenpolitik von APA-Fotograf Roland Schlager. Die Fotografie zeigt Sozialminister Rudolf Hundstorfer von der SPÖ und ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf während einer Verhandlungspause zum Thema Transparenzdatenbank. Die Kategorie Wirtschaft ging an Stephan Boroviczeny für das im "Kurier" veröffentlichte Bild "Cleaning Ballerina". In der Kategorie Kunst und Kultur erreichte Erich Reismann mit einer im Theatermagazin "Drama" publizierten Aufnahme der Schauspielerin Gertraud Jesserer den ersten Platz. Die Kategorie Sport konnte Andreas Reichart für sich entscheiden. Sein in der Bildagentur Gepa pictures veröffentlichtes Siegerbild zeigt ein Motiv von der Nordischen Ski-WM in Oslo.

Lebensgefährliche Arbeitsbedingungen

APA-Chefredakteur Michael Lang verwies auf die international teils lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen für Pressefotografen. "Die Zahl der Krisenherde nimmt tendenziell zu", und für Machthaber vor der Ablöse sei die Berichterstattung in Wort und vor allem Bild "die größte Gefahr". Zahlreiche Fotografen seien in den vergangenen Monaten unter solchen Umständen verletzt oder getötet worden, so Lang, der aber auch die mitunter fragwürdigen Arbeitsbedingungen für Pressefotografen in Österreich kritisierte.

Canon Österreich-Geschäftsführer Peter Baldauf freute sich über die Rekordzahl an Einreichungen für den "Objektiv 2011". "Mittlerweile ist es ein Prestigepreis", so Baldauf. Die Sieger-Fotos des "Objektiv" werden heuer übrigens erstmals in die Österreich-Ausstellung der "World Press Photo Awards" eingebettet. Der mit insgesamt 24.000 Euro dotierte "Objektiv" wurde bereits zum sechsten Mal von Canon Österreich und der APA - Austria Presse Agentur vergeben. STANDARD- Fotograf Matthias Cremer kam in den Kategorien Politik und Fotoserien in die Top 5 (unter anderen mit einer Zwentendorf-Fotoreportage).

Die Siegerfotos wurden in einem anonymisierten Verfahren von einer Fachjury ausgewählt. Bewertet wurden Thema, Originalität und Motiv - welche Geschichte erzählt das Foto - sowie die technische und gestalterische Qualität der Aufnahmen. Die Sieger der einzelnen Kategorien erhielten Warengutscheine von Canon im Wert von je 3.000 Euro, an den Hauptpreisträger gingen darüber hinaus weitere 6.000 Euro. (APA/red)

Ansichtssache
"Objektiv": Die besten Pressefotos des Jahres

Link
objektiv-fotopreis.at

Die Jury

Die Siegerfotos wurden in einem anonymisierten Verfahren von einer Fachjury ausgewählt. Dafür konnten heuer Peter Baldauf (Canon), Peter M. Bauer (Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt), Ruth Eichhorn ("Geo", Gruner+Jahr), Alexandra Föderl-Schmid (DER STANDARD), Wolfgang R. Fürst (Neues Magazin für Fotografie www.aargh.at), Gerhard Hinterleitner (Cyberlab), Jann Jenatsch (Keystone), Christoph Kotanko ("Kurier"), Michael Lang (APA), Erich Lessing (Lessing Culture & Fine Arts Archive), Maria Mann (epa - european pressphoto agency), Rainer Nowak ("Die Presse"), Monika Obermeier (anika handelt Galerie und Consulting, "International Portfolio Review") sowie Elisabeth Zankel (Kleine Zeitung Digital) gewonnen werden. Bewertet werden beim "Objektiv" Thema, Originalität und Motiv - welche Geschichte erzählt das Foto - sowie die technische und gestalterische Qualität der Aufnahmen.

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10 Postings
systemfehler1
04
17.6.2011, 12:18
Ich weiß ja nicht, wie´s beim Standard ist,

aber generell sind Agenturen, Redaktionen und andere Dienstgeber von Pressefotografen samt und sonders Ausbeuter.
Nur ein Beispiel: Fotograf zieht los, schießt tausende von Bildern, bekommt ein minimales Einmalhonorar, und ist automatisch sämtlicher seiner Rechte beraubt, ausser dem Urheberrecht - das ist unübertragbar.

D.h. im Klartext: egal wie oft und über welchen Zeitraum die Agentur an den Bildern verdient, der eigentliche Ueheber sieht keinen Cent mehr davon.

Das ist an der Grenze zur Ausbeutung. Nein, das ist Ausbeutung.

Mit Schukd mMn: Das Gefühl tausender Menschen, mit Digigalkameras jetzt automatisch auch zu den Berufsfotografen zu gehören. Man hat je "ein gutes Auge". D.h., dass die Konkurrenz ins Unermessliche gestiegen ist, und ein

Heinz Anderle
 
10
"schießt tausende von Bildern" - ...

... ein Film hat(te) 36.

Das ist der Unterschied.

Dr. Heinz Anderle, analoges Relikt und Freigeist

Marder
01
17.6.2011, 11:31

Sehr guter Videobeitrag! Nur das gezwungene "seCHshundert und seCHs" werde ich nie verstehen.

thomas 2
23
17.6.2011, 08:04
letzter Diktator?

er hat den Herrn Ratzinger im Vatikan wohl vergessen...

Bertel Mann
03
17.6.2011, 07:46
Und hier eine freiheitlich-demokratische Körperverletzung

http://www.spiegel.de/politik/d... 39,00.html

Obwohl - dieser Mann durfte bei den Landtagswahlen ja sein Kreuzchen machen und so den Weiterbau verhindern. Ganz demokratisch eben...

sitting bull
02
17.6.2011, 07:18
zwei kommentare für Pressefotografie und die Arbeitsbedingungen von FotoReportern

...das zeugt leider nicht gerade von intensivem Interesse der Leserschaft für einen der wichtigsten demokratiepolitischen Jobs. Herzlichsten Dank an alle Fotografen und Fotografinnen, die sich dafür engagieren.

snöke
02
17.6.2011, 00:52
heinz, riesige gratulation

und ganz viel respekt.

a b1
06
16.6.2011, 08:57
Vielleicht eine gute Gelegenheit

den Artikeln mal ein paar aktuelle Fotos beizulegen, und nicht nur immer Archivfotos, die gerade zum Thema passen.

alwi
02
17.6.2011, 14:21
die pressefotografie

hat in österreich leider überhaupt keinen stellenwert.
im grunde gehts den zeitungsmachern um die kohle (ihre eigene, wohlgemerkt) und das ist natürlich auch mit der grund, warum bei uns fast keine guten pressefotos entstehen. es lohnt sich ja in keiner weise gute arbeiten abzuliefern, wenn es nicht geachtet wird und völlig unterbezahlt ist...

Ravenspower
00
25.8.2011, 05:05
Kommt drauf an..

... was der fotograf anzubieten hat!
wer heisse ware liefert wird bestimmt auch "heiss" bezahlt werden.

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