Hans Adams Untertanen stimmen über Homoehe ab

15. Juni 2011, 12:30

Regierung und Parlament hinter neuem Partnerschaftsgesetz - Erzbistum dezidiert gegen: "Ein Skandal"

Vaduz - Im Fürstentum Liechtenstein stehen zwei gesellschaftspolitisch wichtige Volksabstimmungen an. In einem ersten Schritt geht es am Wochenende um die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare, danach um die Frage des Schwangerschaftsabbruchs.

Die Regierung und das Parlament, der Landtag, stehen geschlossen hinter dem neuen Partnerschaftsgesetz. Es sieht vor, dass homosexuelle Partnerschaften auf dem Zivilstandesamt beurkundet werden. Nicht zulässig sind die Adoption von Kindern und die Anwendung von fortpflanzungsmedizinischen Verfahren wie Samenspende oder Leihmutterschaft.

Im Erbrecht, im Sozialversicherungsrecht, in der beruflichen Vorsorge, im Ausländer- und Einbürgerungsrecht, im Steuerrecht sowie im übrigen öffentlichen Recht werden die eingetragenen gleichgeschlechtlichen Paare den Ehepaaren gleichgestellt.

Harter Schlagabtausch

Das neue Gesetz hat im kleinen Fürstentum viel Staub aufgewirbelt. Befürworter und Gegner lieferten sich in den Leserbriefspalten der Zeitungen einen harten Schlagabtausch. Abgestimmt über den Erlass wird am Wochenende, weil eine Interessengemeinschaft namens "Vox populi" erfolgreich das Referendum ergriffen hat.

Hinter "Vox populi" steht Johannes Schraner aus Mauren, ein Cousin von Erzbischof Wolfgang Haas. Schraner und seine wenigen Mitstreiter stören sich an der einstimmigen Verabschiedung des Partnerschaftsgesetzes durch das Parlament. Dieser Entscheid sei vor allem wegen seiner Eindeutigkeit unglaubwürdig. Er spiegle nicht das Stimmungsbild im Lande wider.

Es sind stets die gleichen drei Argumente, die "Vox populi" ins Feld führt: Das neue Gesetz schwäche die Familie, und es sei gleichsam der Türöffner für ein späteres Adoptionsrecht. Zudem brauche es kein Partnerschaftsgesetz, damit gleichgeschlechtliche Paare ihre Rechtsangelegenheiten verbindliche regeln könnten.

Das Fürstenhaus hat sich nicht in die Abstimmung eingemischt. Anders das Erzbistum Vaduz: Erzbischof Wolfgang Haas äußerte sich in der aktuellen Diskussion zwar nicht, hat aber schon früher seinen Standpunkt bekanntgegeben.

"Ein Skandal"

"Praktizierte Homosexualität ist objektiv eine schwere Sünde, deren rechtliche Anerkennung geradezu einen Skandal darstellen würde, sagte der katholische Oberhirte in einem Zeitungsinterview. Generalvikar Markus Walser bezeichnete homosexuelle Handlungen Bezug nehmend auf die Bibel als "schlimme Abirrung".

Nach dem Partnerschaftsgesetz wird im Fürstentum über die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs abgestimmt. Das Datum des Urnengangs über die entsprechende Volksinitiative für eine Fristenlösung steht noch nicht fest. Zuerst ist das Parlament am Zug.

Zu diesem heiklen gesellschaftspolitischen Thema hat sich das Fürstenhaus bereits geäußert. Erbprinz Alois sprach sich gegen die Ziele der Volksinitiative aus. Mit der Einführung einer Fristenregelung werde das Recht auf Selbstbestimmung höher gewertet als das Recht des ungeborenen Kindes auf Leben. Das sei "nicht verantwortbar", schrieb der Thronfolger. (APA/sda)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 77
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peter schmidt
 
00
21.9.2011, 12:09
Wie vergesslich die Leute doch sind:)

Noch vor einigen Wochen waren die Liechtensteiner doch die Helden des Tages weil sie mit ca. 70% der Stimmen für die Möglichkeit der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft samt Eintragung am Standesamt votiert haben.

Jetzt sinds wieder die dumpfen erzreaktionären Spießer. Der Respekt vor der Meinung anderer Menschen lässt offenbar in jedem Spektrum der politischen Landschaft zu wünschen übrig.

Timagoras
 
04
16.6.2011, 11:05
"Das neue Gesetz schwäche die Familie"

.
dieses "argument" hat mir noch niemand schlüssig erklären können.

inwieweit wird "die familie" durch (eh nur partielle) gleichberechtigung geschwächt?

ich glaube, nicht mal die hüter der hehren altvorderen-moral könnten das irgendwie begründen ;o)

Mormoloc
00
17.6.2011, 09:30
Das ist halt eine euphemistische Umschreibung der verklemmten Moralisten und Moralinnen.

's Zupferl soll halt ins Muscherl... ähnliches Gesülz habe ich schin in bezug auf Oralverkehr gelesen.

crazy larry
00
16.6.2011, 09:48
...

Rückendeckung bekommt die Pro-gleichgeschlechtliche Partnerschaftsinitiative zumindest von einem katholischen Pfarrer aus Vorarlberg, Stefan Biondi aus Tisis, der sich in der Kampagne mit

"Ich bin für ein Partnerschaftsgesetz, weil es Anliegen eines Staates und auch der kirche sein muss, gelingende Beziehungen von Menschen, die füreinander dauerhaft Verantwortung übernehmen, mit allen Kräften zu unterstützen und zu fördern. Zudem lehrt der katholische Weltkatechismus, dass gleichgeschlechtlich liebende Menschen nicht diskriminiert werden dürfen"

zitieren lässt. Da aus allen auch einflussreichen Teilen der liechtensteinischen Gesellschaft landesweit Stimmung für eine Absegnung des Gesetzes gemacht wird, könnte ich mir durchaus ein kl

Ph Gudenus
60
16.6.2011, 09:00
Wahlen, Abstimmungen sind geheim,

also kann der Pöbel entscheiden. Der Entscheid wird zu respectieren sein.

Indirekt stimmen die Lsteiner für das angrenzende Bundesland, wie auch für unmittelbar angrenzende Kantone ab.

Also keine nationale sondern überregionale Entscheidung, freilich nur im sehr kleinem Lassstab.
Weder FL, CH, noch A stehen für Europa. Schon Griechenland war ein Euro-Fehler

lagrangian
27
16.6.2011, 08:18

lol: homoseyualität ist OBJEKTIV(!!!) eine schwere sünde. herrlich! wie kann man solch einen schwachsinn verzapfen...

zum anderen: mir ist noch immer nicht klar, wie es der familie schadet, wenn homosexuelle heiraten können und (hoffentlich bald) auch kinder adoptieren. wie kann das bitte der familie schaden? es tangiert sie doch nicht einmal, bzw. vergrößert den anwendungsspielraum des wortes. von schaden kann da auf jeden fall keine rede sein.

Der Kluge
00
17.9.2011, 01:44

Der "katholische Oberhirte" bezieht sich hier natürlich aufs Christentum. Und in den abrahamitischen Religionen sind homosexuelle Handlungen objektiv und eindeutig Tatsünde. Natürlich basteln sich jetzt viele Christen ihre eigene Religion, da sie die Werthaltungen in Bibel und Co. nicht teilen, aber diese Schriften sind hier äußerst klar und eindeutig.

Bei strenger Auslegung des AT könnte man durchaus über Todesstrafe usw. usf. debattieren. Wird in vielen islamischen Ländern ja auch noch so praktiziert. Man muss nicht an diese Fabelgeschichten glauen, aber innerhalb dieser Logik liegt eindeutig, objektiv eine Sünde vor.

Nick Tameer
02
16.6.2011, 20:43

"homosexualität ist OBJEKTIV(!!!) eine schwere sünde", aber subjektiv können es doch nur solche Bubengeschichten sein.

h 90
13
16.6.2011, 10:51

Nachdem das ganze ein Maerchen ist, es weder Gott noch Suenden gibt. Kann es natuerlich innerhalb dieser Maerchenstory objektiv eine Suende sein.

Die Frage ist nur warum vernuenftige Menschen ueber Maerchenbuecher ueberhaupt diskutieren und warum, die die glauben von einem unsichtbaren Freund Befehle zu bekommen nicht entmuendigt werden.

Adolf Ogi
10
16.6.2011, 09:36
Geld

wenn die Mitversicherung eines homosexuellen Partners aus dem selben Topf finanziert wird, wie Sozialleistungen für Heteropaare mit Kindern, hat das aber schon Auswirkungen.

Bundesministerium für Jenseitige Angelegenheiten
06
16.6.2011, 10:00

bei heteropaaren hängt die mitversicherung ja auch nicht vom vorhandensein von kindern ab

Adolf Ogi
01
16.6.2011, 10:25
das stimmt

rechtshistorisch liegt das daran, dass früher unfruchtbare Frauen gesellschaftlich ziemlich stigmatisiert wurden und der Gesetzgeber die nicht noch mehr strafen wolllte. Heute ist das aber kein Argument mehr. Wenn man keine Kinder hat, gibt es keinen Grund, warum eine erwachsene Person kein eigenes Einkommen erwirtschaftet und die Allgemeinheit die Sozialversicherung finanzieren soll. Hier könnte man tatsächlich was ändern und Geld einsparen.

FS4 - the science channel
11
16.6.2011, 18:22

Viel sinnvoller wäre es den gesamten Wohlfahrtsstaat auf ein System umzustellen, welches invariant gegenüber dem Bevölkerungswachstum ist. Es kann wohl nicht sinnvoll sein, das Funktionieren des Sozialsystems ausschließlich auf wachsende Bevökerungs auszurichten. Kurz gesagt, es muß wurscht sein, wer wieviele Kinder hat. Daß dauerhaftes Wachstum in beschränkten Umgebungen im Endeffekt nicht funktionieren kann, sagen einem minimale Kenntnisse von dynamischen Systemen.

Der Kluge
00
17.9.2011, 01:35

Haha? Sie glauben, dass es in Österreich ein Geburtenwachstum gibt?
Wir haben eine Geburtenrate von 1,38 Kindern/Paar.
Die Netto-Reproduktionsrate liegt bei min. 2,15. (nicht 2, wegen Kindersterblichkeit, Unfruchtbarkeit, Todesfällen vor Familiengründung)

Die Bevölkerung halbiert sich alle 2 Generationen und die Bevölkerungsexplosion in Afrika und Co. wird unsere Pensionen nicht bezahlen.

In Wahrheit implodiert hier eine kranke Gesellschaft.

FS4 - the science channel
00
17.9.2011, 11:41

Anscheinend haben Sie mein Posting nicht ganz verstanden, in dem ich nämlich kritisiert habe, daß das Funktionieren des Sozialsystems auf wachsender Bevölkerungszahl basiert und nicht, daß die Bevölkerung wächst (wobei Sie das inkl. Zuwanderung aber meines Wissens tatsächlich noch tut).

Der Kluge
01
17.9.2011, 14:22

Das Sozialsystem benötigt jedoch keinen Zuwachs. Stagnation würde schon reichen, der Einbruch ist zu schnell.
Das vermeintliche Bevölkerungswachstum liegt nicht nur in Zuwanderung, sondern vor allem in der hohen Lebenserwartung.

Dennoch: Es gibt doppelt so viele Menschen 41-45 wie 0-4. Das kann nicht funktionieren. In wenigen Jahrzehnten wird es da einen große Zusammenbruch geben müssen.

Hoher Arbeitslosigkeit wird als Problem erkannt, aber bei Kinderlosigkeit ist die Politik blind. Die Folgekosten werden hier noch höher sein.

Rigglerobber
01
16.6.2011, 09:39

zahlenmäßig vernachlässigbar...

Stahl_____666
71
16.6.2011, 09:30
.

Ist es denn keine Sünde, aus homosexueller Egomanie ein Kind in unnatürlicher Umgebung fern von Vater und Mutter aufwachsen zu lassen?

Zu wem soll dieses Kind gehen, wenn es eine Mutter braucht - eine richtige Mutter und keinen, der nur eine Rolle spielt?

h 90
50
16.6.2011, 10:52

Die Frage ist eher zu wem soll es gehen wenn es einen Vater braucht, aber nur zwei Tunten zur Verfuegung stehen.

lagrangian
03
16.6.2011, 10:51

nein, es ist keine sünde, wenn ein kind, das kein zu hause hat, eines bekommt und zwei liebevolle elternteile, die sich um dieses kind kümmern und diesem kind einen guten, gelungenen start ins leben ermöglichen.

Stahl_____666
73
16.6.2011, 11:04
.

Zwei Elternteile sind aber Vater und Mutter, schließlich sind auch beide Geschlechter an der Zeugung eines Kindes beteiligt.

Alles andere ist Schauspiel, Komödie und verwirrt und traumatisiert das Kind.

FS4 - the science channel
25
16.6.2011, 18:23

Traumatisiert wird die Welt ausschließlich von reaktionären, dummen Bauern.

lagrangian
03
16.6.2011, 12:16

zwei elternteile müssen aber nicht zwangsläufig immer aus vater und mutter bestehen.

also eine gute familie traumatisiert mehr, als ein waisenhaus... dieser meinung bin ich halt nicht.

bloody-nine
 
00
16.6.2011, 13:13
wie jemand mit dieser einstellung

(die ich zu diesem thema sehr positiv und beeindruckend finde) die övp als wählbar in erwägung ziehen kann wird mir wohl ein rätsel bleiben.

lagrangian
00
16.6.2011, 13:50

Bei der Wahl einer Partei geht es um mehr als die homoehe... Wie sage ich immer, die ÖVP ist die einäugige unter den blinden.

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