TU Wien: Männer werden bei Bewerbungen bevorzugt

15. Juni 2011, 12:25

Frauen haben es schwer einen Posten an der technischen Uni zu bekommen

Wien - Die Karriereleiter von Frauen an der Technischen Universität Wien "leckt": Bei Bewerbungen für wissenschaftliche Positionen werden Männer bevorzugt, der Frauenanteil in allen Studienrichtungen und Fakultäten wird entlang der Karriereleiter kontinuierlich geringer. Das geht aus der von der TU selbst erstellten "Leaky Pipeline"-Studie hervor, die laut einer Aussendung der Uni vom Mittwoch untersuchte, weshalb ein höherer Frauenanteil unter den Studienanfängern nicht automatisch zu einem höheren Frauenanteil in wissenschaftlichen Karrieren auf allen Hierarchieebenen führt.

Professorinnenanteil: 7,6 Prozent

An der TU Wien, wo mit Sabine Seidler ab Herbst die erste Rektorin an der Spitze einer Technischen Universität in Österreich steht, ist ein Viertel (25,1 Prozent) der Studenten weiblich, ebenso bei den Erstabschlüssen. Der Professorinnenanteil liegt jedoch nur bei 7,6 Prozent. "Wenn auch Frauen, die sich bereits für eine technische oder naturwissenschaftliche Karriere interessieren, 'durch die Maschen' fallen, besteht Handlungsbedarf für die TU Wien", so Vizerektor Gerhard Schimak.

Hohe Abbruchquote bei Studentinnen

Das Problem beginnt laut Studie bereits sehr früh: So liegt die Abbruchquote unter Studentinnen um 30 Prozent höher als bei männlichen Studienkollegen mit identen Voraussetzungen. Hat eine Frau dann mal ein Studium abgeschlossen und bewirbt sich für eine ausgeschriebene wissenschaftliche Position an der TU, sinken ihre Chancen, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, wenn ihr Geschlecht aus dem Lebenslauf ersichtlich ist. Wie sich laut Aussendung bei einem Experiment zeigte, werden für die Auswahlentscheidgungen "in starkem Maße geschlechterstereotype Begründungen herangezogen".

Abhängigkeit von männlichen Förderern

Auch am Arbeitsplatz selbst werden Frauen benachteiligt. Wie sich in Biografieanalysen von ehemaligen TU-Wissenschafterinnen zeigt, sind Frauen auf jeglicher Hierarchieebene in der Minderheit und dabei "von Assimilationsdruck und Konflikten betroffen". Ihre Karrieren selbst sind wiederum "durch starke Abhängigkeit von (männlichen) Förderern gezeichnet". Verglichen zu Mitarbeitern der Dienstleistungseinheiten sind Mitarbeiter in den Fakultäten zudem deutlich häufiger aggressiven Handlungen am Arbeitsplatz ausgesetzt, wie eine Umfrage ergab. (APA)

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16 Postings
Fiedrichs
 
00
Postenschacherei

Das Problem bei der Vergabe von solchen Jobs ist weniger eine Genderthematik. Bevorzugt werden jene, die die besten Kontakte und/oder Parteibuch haben. Das ist der eigentliche Skandal. Leider sind Männer im Technikbereich immer noch besser vernetzt als Frauen.

spacedakini
00
27.6.2011, 20:46

Die Ursache kann auch sein, dass die TU mit Krampf versucht, Quotenfrauen zur Bewerbung zu animieren...die werden dann natürlich nicht genommen. Eh klar. Die wenigen, die von selber auf die Idee kommen, sich zu bewerben, die haben wahrscheinlich auch Chancen.

Walter KURTZ
 
10
30.6.2011, 12:06

Oder man sorgt dafür, daß jede Bewerbung einer Frau automatisch als "Ajo, die Quotentussi" abqualifiziert wird.
Ein anderer Punkt: was ist, wenn die Bewerberin am Ende den Job aus eigenen Stücken nicht annimmt (weil zu unattraktiv) - ist das auch inkludiert?

kleiner Schelm
03
25.6.2011, 23:34

Die Studie ist leider rein ideologisch geprägt und wissenschaftlich/statistisch nicht sauber recherchiert.

Schwächen u.a.:

1) Wie groß ist die Stichprobengröße? Sehr gering. Es sind an Fakultäten oft nur einige Frauen inskribiert.

2) Es ist ein Fehler von einer Korrelation auf die Ursache zu schließen! Im Altersheim sterben auch mehr Leute, als in anderen Wohnungen -- Es stimmt aber trotzdem nicht, dass das Altersheim die Ursache der Todesfälle ist ...

Die Studie krankt daran, dass sie wie in (2) etwas "nachweist" und dann ideologisch geprägte Schlüsse zieht.

fizcaraldo
00
18.6.2011, 14:12

Wenn man sich die Zahlen der TU ansieht bemerkt man auch, dass der Frauenanteil vom Bachelor auf den Master sinkt. Womit das zu tun hat weiß ich zwar nicht, aber sicher nicht mit Diskriminierung, denn um den Master zu inskribieren muss man sich nirgens bewerben sondern nur einen Bachelorabschluss vorweisen können. Wenn der Frauenanteil von Bachelor auf Master sinkt, halte ich es nicht unbedingt für ungewöhnlich wenn auch der Anteil von Master Absolvent auf wissenschaftlicher Mitarbeiter sinkt. Nicht überall wo der Frauenanteil <50% ist hat das mit Diskriminierung zu tun.

Birgit 68
01
20.6.2011, 10:26

Das hat vermutlich mit Niederkümften oder deren Planung zu tun, weil von Frauen das junge Erwachsenenalter eher für die Reproduktion favorisiert wird, als von Männern.

Got Your Noes!
00
21.6.2011, 11:58

nicht unplausibel.

andre skala
31
16.6.2011, 13:23
TH Wien: Frauen, nein danke!

Und überhaupt in der Architektur!
Sollte eine den Sprung in die unterste Hierarchie der Assistenten schaffen, wird sie gnadenlos von den dortigen karrieregeilen Männern hinausgemobbt.

andre skala
01
16.6.2011, 13:23

weiß ich ganz ohne Studie.

Dietmar Bauer_v2
00
15.6.2011, 20:50
tja leider.

Wieder einmal ein Artikel über eine Studie, der nicht über wage Andeutungen hinausgeht. Etwa die Behauptung, dass die Chancen auf ein Interview geschlechterspezifische Unterschiede aufweist, lässt sich sicher statistisch einwandfrei nachweisen. Wie hoch ist das Defizit? Was sind geschlechterstereotype Begründungen? Geht aus dem Artikel nicht hervor. Hier könnte zumindest ein Beispiel Licht ins Dunkel bringen. Nebenbei zeugt es nicht von Qualitätsjournalismus, lediglich die Presseaussendung des Autorinnenteams unhinterfragt abzuschreiben. Leider konnte ich ausser der dürren Presseaussendung auch keine anderen Dokumente finden. P.S.: Dass es starke Abhängigkeiten von Förderern gibt, kann ich unterschreiben. Das ist bei Männern genauso.

Dietmar Bauer_v2
00
16.6.2011, 09:47
Addendum

auf der Suche nach mehr Infos bin ich auf ein Working Paper der Studienautoren gestossen, in dem der denkwürdige Satz "Due to small sample sizes the differences are not yet statistically significant." auftaucht. Wissenschaftlich betrachtet scheint hier der Wunsch Mutter des Gedanken gewesen zu sein. Schade, das Design der Studie schien mir gut gelungen zu sein. Auf der Basis von nicht vorhandenen empirirschen Befunden derart starke Statements zu verlautbaren ist jedenfalls nicht wissenschaftlich vertretbar.

Walter KURTZ
 
00
16.6.2011, 12:46
Für einen Preis hat's immerhin gereicht

http://www.tuwien.ac.at/aktuelles... icle/7053/

Ob sie den bekommen hätte, wenn die Studie ein anderes Ergebnis gehabt hätte...
Übrigens auch höchst unseriös mMn, daß bei dem in allen Aussendungen verwendeten Diagramm das allgemeine Personal aufgeführt wird. Was haben irgendwelche Sekretärinnen damit zu tun? Dann sieht man, daß bis zu Dozenten der Frauenanteil relativ konstant ist. Daß übrigens die Dropoutrate bei Männern niedriger ist, ist ein allgemeines Phänomen. Vielleicht liegt's ja auch daran, daß Frauen früher einfacher an gute Noten kommen...

Ceterum censeo: die TU sollte sich geschlechtsunabhängig um mehr Förderung junger Wissenschafter kümmern.

tock tock tock
00
15.6.2011, 16:19

Die gesamte TU über einen Kamm geschert ist allerdings Schwachsinn! Zb. in der Elektrotechnik gibts ganz, ganz wenig Frauen => Wo sollen dort dann Professorinnen herkommen?

Weiters wär da auch noch relevant wie lange die "Durchlaufzeit" ist -> d.h. es ist für die Anzahl der Professorinnen irrelevant wieviele Mädls heuer angefangen haben - interessant ist dafür einzig und allein wie viele zu studieren begonnen haben, als die jetztigen Profs (im Durchschnitt halt) auch zu studieren begonnen haben!

uncle eggi
01
15.6.2011, 17:41
die relevante Zahl

Ich denke auch dass die Zahl der Professorinnen nicht die entscheidende Kenngröße ist - dass es in vielen Bereichen in der Vergangenheit Diskriminierung gegen Frauen gegeben hat steht leider außer Zweifel. Viel interessanter wäre doch zu wissen wie hoch der Prozentsatz der in den zB vergangenen 5 Jahren berufenen Professorinnen (rel. zu Professoren) im Vergleich zum Anteil der Bewerberinnen liegt (warum sich so wenige Frauen bewerben ist dann eine weitere Frage). Diese Zahl würde mich extrem interessieren (+ entsprechende Daten für Assitentenstellen usw.) - ich weiss ehrlich gesagt nicht was da zu erwarten ist. Artikeln wie dem Aktuellen stehen meine diametral gegenläufigen persönlichen Erfahrungen entgegen - die aber natürlich sehr eingesc

uncle eggi
00
15.6.2011, 17:44
sehr eingeschränkt sind

Vielleicht kennt jemand einen Link zu solchen Daten ... am Besten nach Fachbereichen gegliedert

tock tock tock
00
15.6.2011, 17:43

Ja, das wären in der Tat auch sehr interessante Werte!

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