So weit die Füße tragen

15. Juni 2011, 12:23
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Nachrufende Notizen zu Patrick Leigh Fermor (1915-2011) - Von Bert Rebhandl

Nachrufende Notizen zu Patrick Leigh Fermor (1915-2011) - Von Bert Rebhandl

Am vergangenen Freitag ist in Worcestershire der englische Schriftsteller Patrick Leigh Fermor gestorben. Er wurde 95 Jahre alt. Sein Ruhm gründet vor allem auf einem Buch: In Die Zeit der Gaben (2005, Originalausgabe A Time of Gifts 1977) und in der Fortsetzung Zwischen Wäldern und Wasser (Between the Woods and the Water) beschrieb er eine Reise, die er zwischen 1933 und 1937 von England nach Konstantinopel unternommen hatte - zu Fuß und mit einer Ausgabe von Horaz im Gepäck.

Diese Distinktion eines klassisch Gebildeten, dabei aber dem englischen Erziehungssystem Entfliehenden prägt den ganzen Bericht, in dessen Verlauf Leigh Fermor einerseits in Eferding (er braucht eine ganze Weile auf seinem Weg durch Österreich) genau den Eindruck verbucht, den die lokale Heimwehr auf das politische Geschehen macht, während er es andererseits auf seinem Weg nach Osten immer wieder schafft, in Schlössern zu übernachten, und ausführliche Überlegungen zu den Malern der "Donauschule" anzustellen.

Als originäre Mischung aus Zeitgenossenschaft und elitärem Kosmopolitismus in einer Zeit, in der Europa ins Verderben ging, ist Die Zeit der Gaben bis heute ein einzigartiges Zeugnis. Es trug Leigh Fermor nicht zuletzt den Respekt und die Bewunderung späterer Reisender ein. Bruce Chatwin besuchte ihn in seinem Quartier in Griechenland, wo er den größten Teil seines Lebens zubrachte (auf der Halbinsel Mani auf der Peloponnes). Und auch der deutsche Autor Wolfgang Büscher, der zuletzt im Amerika unterwegs war (Hartland), hat in hohen Tönen von Leigh Fermor gesprochen:

Eines der besten Zeugnisse für den sehr englischen Geist, aus dem heraus Patrick Leigh Fermor schrieb, ist dieses Interview mit der Duchess of Devonshire, die er in den 1950er Jahren kennenlernte, und mit der er einen langen Briefwechsel unterhielt.

Interessanterweise gibt es nur eine einzige Begegnung mit der Filmgeschichte, und diese betrifft nicht die Adaption eines seiner Bücher. 1958 schrieb Patrick Leigh Fermor eine Drehbuchbearbeitung des Romans Les racines de ciel von Romain Gary für John Huston, der den ein wenig seltsamen Titel des Buchs schließlich für seine Verfilmung The Roots of Heaven beibehielt. Trevor Howard spielt darin einen frühen Tierschützer, der sich gegen die Elefantenjagd engagiert, und es dabei unter anderem mit dem alternden Erroll Flynn zu tun bekommt. Leider gibt es von diesem Äquatorialabenteuer in Europa nur einen Ausschnitt, man kann daraus zumindest in Andeutung ersehen, warum dieser filmhistorische Kreuzungspunkt ("You'll pay for this, you schwein!") insgesamt folgenlos blieb.

Es wäre aber auf jeden Fall ein interessantes Projekt, wenn jemand sich an einer Verfilmung von Die Zeit der Gaben versuchen würde. Vielleicht Lars von Trier?

CARGO Film Medien Kultur ist ein Magazin und eine Website. derStandard.at bringt in unregelmäßiger Folge Beiträge aus der Cargo-Redaktion.

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