Klimaanlage, Ventilator oder offenes Fenster?

Luftspender verschaffen kühlende Abhilfe bei brütender Hitze - Nasenschleimhaut und Nackenmuskulatur reagieren mitunter empfindlich - Mit Umfrage

Klimaanlagen sind Krankmacher. Da ist was Wahres dran. Wer völlig verschwitzt einen klimatisierten Raum betritt, darf sich vorerst jedoch über Abkühlung freuen und das gleich in zweierlei Hinsicht: Verdunstender Schweiß und das Kühlaggregat der Klimaanlage bringen gemeinsam die Hauttemperatur zum Sinken. Durch die plötzliche Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen, einerseits um diesen Temperaturunterschied auszugleichen und andererseits, um noch vorhandene Wärme im Körperinneren zu speichern. 

In der Nase funktioniert diese Wärmeregulation ganz ausgezeichnet. Allerdings bezahlt das Riechorgan diese Fähigkeit mit einem relativ hohen Preis, denn mit der Abkühlung im Naseninneren verringert sich die Aktivität der Abwehrzellen auf der Schleimhautoberfläche. Eine Chance die Viren und Bakterien zu nützen wissen. Ungehindert dringen sie in den menschlichen Organismus ein. Und diese Infektanfälligkeit verstärkt sich noch, denn Klimaanlagen entziehen der Raumluft und in weiterer Folge auch der Nasenschleimhaut schützende Feuchtigkeit. 

Nicht auf Klimaanlagen, aber auf Kühlschranktemperaturen heißt es darum verzichten. Der Unterschied zwischen Außen- und Innentemperatur sollte nicht mehr als sechs Grad Celsius betragen. Zugluft ist im besten Fall keine zu spüren. Die Austrocknung der Schleimhäute lässt sich mit viel trinken hinauszögern und das Durchlüften vor Inbetriebnahme der Klimaanlage sorgt für ein besseres Raumklima. 

Apropos Zugluft 

Die von vielen Menschen als störend empfundenen Luftströmungen sind typisch für schlecht eingestellte Klimaanlagen oder ungünstig platzierte Luftaustrittsöffnungen. Zugluft oder Luftzug ist eine schwache Bewegung der Luft, die infolge einer Luftdruckdifferenz entsteht. Beispielsweise wird bei einer Raumtemperatur von 24 Grad Celsius Zugluft ab einer Luftgeschwindigkeit von 0,2 Metern pro Sekunde spürbar. Bei 21 Grad Celsius wird es schon bei einem geringeren Lüftchen unangenehm zugig. Als behaglich werden bei dieser Temperatur Luftgeschwindigkeiten von maximal 0,15 m/s empfunden. 

Auf der Haut sorgt die Zugluft lokal für Abkühlung, beispielsweise im Bereich des Nackens. Die Hauttemperatur sinkt und Nervenenden, die für das Kälteempfinden zuständig sind, beginnen elektrische Impulse an die Muskulatur zu senden. Das Resultat daraus ist ihre Kontraktion, die in Form von Verspannungen spürbar wird. Die Gefäße der Nasenschleimhaut reagieren auf Abkühlung wie beschrieben. Bekommen die Füße Zugluft ab, dann werden Harnblase und Nieren weniger durchblutet, was wiederum Harnwegsinfektionen begünstigt. 

Bei Hitze auf Durchzug setzen?

Aufgrund der Zugproblematik ist Lüften keine probate Lösung und auch keine um für Abkühlung zu sorgen. Ist es draußen heiß, dann wird sich die Raumtemperatur auch durch das Öffnen von Fenstern nicht verändern. Dasselbe gilt bei Verwendung von Ventilatoren - die im Gegenteil sogar noch selbst etwas Wärme produzieren. Es macht also wenig Sinn diese Geräte in menschenleeren Räumen aufzudrehen. Nur wer sich in unmittelbarer Umgebung aufhält wird eine Abkühlung verspüren. Vorausgesetzt zwischen Körper und Umgebungstemperatur existiert ein Wärme- oder Feuchtigkeitsunterschied. 

Im Detail passiert dabei folgendes: In windstiller Umgebung bildet sich um jeden heißen Gegenstand eine dünne Luftschicht, die wärmer ist als die Umgebungsluft. Diese Schicht wirkt isolierend. Sie verlangsamt die Abkühlung des Gegenstands auf Zimmertemperatur. Der Luftstrom des Ventilators bläst eben diese Grenzschicht weg. Die Wärme wird besser abgeleitet, der Gegenstand kühlt schneller ab. 

Beim Menschen verhält sich das nicht anders, jedoch kommt hier noch ein weiterer abkühlender Effekt dazu. Die Brise des Ventilators sorgt dafür, dass Schweiß rascher verdunstet. Nebenbei verbessert sich allein durch die Luftumwälzung das Raumklima. 

Eine Frage der richtigen Positionierung

Im Übrigen gibt es eine Möglichkeit mit einem Ventilator die Raumtemperatur zu senken. Wird das Gerät in einem aufgeheizten Raum so positioniert, dass die Flügel die Luft durch ein Fenster oder eine Tür nach draußen bewegen, dann wird bei gleichzeitig geöffneter Verbindungstür, Luft aus einem kühleren Nachbarraum angesaugt. Die Raumtemperatur sinkt, vorausgesetzt im kühleren Nebenraum ist ebenfalls ein Fenster oder eine Tür geöffnet. 

Wem das allerdings zu kompliziert ist beziehungsweise zu anstrengend für Nase und Nacken, der kann in den frühen Morgenstunden die Fenster öffnen und die Räume anschließend mit Jalousien vor Sonneneinstrahlung schützen. (derStandard.at, 22.06.2011)

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