"Mansur Madavi": Im Alleingang

14. Juni 2011, 18:39
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Das Filmarchiv Austria würdigt das in Österreich entstandene Werk des gebürtigen Aserbaidschaners Mansur Madavi mit einer Retrospektive und einer Publikation

Wien - Ein Schriftsteller stellt Nachforschungen über einen Todesfall an: Eine junge Frau, Arbeiterin, Heiminsassin, hat sich aus dem fahrenden Zug in den Tod gestürzt. Der Autor spricht mit Personen aus dem Umfeld der Toten, seine Spurensuche führt ihn an halböffentliche Orte. Neben dem Bild der Frau bleibt auch jenes der Stadt in Die blinde Eule (1979) brüchig.

Wien hat in den Filmen von Mansur Madavi eine ganz spezifische Härte. Die Filmhelden, die sich dort aufhalten, sind Unergründliche, Unbeirrbare - sie erklären sich nicht, sie handeln. Ob es dabei um einen Angestellten geht, der sich radikal gegen Konsum und Besitz entscheidet. Um einen Bankbeamten, der mit einem Coup zur Befreiung aus allen Abhängigkeiten ansetzt. Oder um einen alten Mann, der sich heftig gegen die Delogierung wehrt.

Madavi, geboren 1942 in Aserbaidschan, an der Wiener Filmakademie zum Regisseur und Kameramann ausgebildet, drehte seine ersten Kurzfilme Ende der 60er-Jahre. 1974 folgte mit Die glücklichen Minuten des Georg Hauser sein Spielfilmdebüt. In den nächsten zehn Jahren entsteht eine Reihe von Arbeiten, bei denen Madavi meist für Buch, Kamera und Regie verantwortlich zeichnet.

Dass und weshalb die Filmarbeit Madavis erstmals 1984 und endgültig nach With Closed Eyes (1996/1997) keineswegs freiwillig abreißt, kann man in der Monografie von Christian Dewald, Olaf Möller und Dieter Schrage nachlesen, die soeben erschienen ist (im Kapitel "Der Fall Mansur Madavi oder Filmförderung in Österreich").

Eine Zusammenstellung von zeitgenössischen Kritiken erinnert daran, wie dieses später marginalisierte Werk einmal - auch im internationalen Festivalkontext - aufmerksam begleitet und wertgeschätzt wurde. Und eine beiliegende DVD enthält unter anderem die restaurierte Fassung von Die glücklichen Minuten des Georg Hauser. Ein neuer Anlauf ist gemacht. (Isabella Reicher/DER STANDARD, Printausgabe, 15. 6. 2011)


Bis 26. 6. im Metro-Kino.

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Filmarchiv Austria

  • Der konsequente Autorenfilmer Mansur Madavi im Jahr 1974 bei der Arbeit an seinem Spielfilmdebüt "Die glücklichen Minuten des Georg Hauser".
    foto: faa

    Der konsequente Autorenfilmer Mansur Madavi im Jahr 1974 bei der Arbeit an seinem Spielfilmdebüt "Die glücklichen Minuten des Georg Hauser".

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