Die neue grüne Spießigkeit

14. Juni 2011, 18:23

Regulierungswut, Verbote und das totale Bravsein: Die Partei der Spaßverderber

Mag sein, dass Eva Glawischnig Politik auch aus einer persönlichen Betroffenheit macht. Die Bundessprecherin der Grünen ist Mutter zweier kleiner Kinder. Dem Schutzbedürfnis einer Mutter geschuldet mag der Kampf gegen Raucher sein. Das ist nachvollziehbar.

Das Rauchverbot in Lokalen ist weitgehend umgesetzt. Für Glawischnig nicht genug: Sie hat auch ein Rauchverbot in Gastgärten angeregt und zuletzt ein Verbot von Zigarettenautomaten gefordert.

Man kann es auch übertreiben.

Der Feldzug der grünen Parteichefin nimmt missionarische Züge an. Gibt's keine anderen Themen? Stimmt da die Prioritätenreihung noch?

Anderes Beispiel. Ein Radfahrer fährt gegen die Einbahn. Huch! Maria Vassilakou, Chefin der Wiener Grünen, Vizebürgermeisterin und als Stadträtin für den Verkehr verantwortlich, hat ein neues Feindbild entdeckt. Erstaunlich: Es sind Radfahrer. Die Rowdys nämlich. "Ich finde es unglaublich, wie manche Fahrradlenker rücksichts- und bedenkenlos Fußgeher, aber auch langsamere Radler in Gefahr bringen" , wettert Vassilakou in der Kronen Zeitung. "Das muss einfach abgestellt werden." Vassilakou plant einen "Knigge" für Radfahrer. Mit Verhaltensregeln sollen ungestüme Radfahrer zur Räson gebracht werden. Wieder neue Regeln, neue Paragrafen, neue Strafen. Auch Nummerntafeln für Radfahrer würden überlegt.

Geht's noch? Wurden Radfahrer früher nicht einst als grüne Stammwählerschicht betrachtet? Wen versucht die Wiener Vizebürgermeisterin mit ihrem Kampf gegen Fahrrad-Rowdys zu erreichen? Gibt es wirklich so viele Rowdys unter den Radfahrern, oder wird hier nicht künstlich ein neues Feindbild geschaffen?

Probleme zwischen Radfahrern und Fußgängern gibt es tatsächlich genug. Es sind aber nicht die rücksichtslosen Radfahrer schuld, sondern eine missratene Verkehrsplanung, die Radfahrer und Fußgänger auf der gleichen Verkehrsfläche zusammenführt. Bestes Beispiel ist die Wiener Ringstraße, wo Autofahrer ungehindert freie Fahrt haben, die Radfahrer aber fahrlässig auf Kollisionskurs mit Horden japanischer Touristen geleitet werden.

Aber vielleicht lässt sich die Geschichte mit den Fahrrad-Rowdys besser an die Kronen Zeitung verkaufen.

Dass Regeln und Gebote die neue Antwort der Grünen sind, irritiert nicht nur ihre Sympathisanten, sondern auch ihre Funktionäre. Die Grünen haben ihre Wurzeln in der Bürgerrechtsbewegung, die ihren Antrieb aus dem Widerstand gegen die Obrigkeit ableitete. Die Grünen haben ihre Wurzeln auch in der Anarchoszene, die aus dem gesellschaftlichen Reglement ausbrechen wollte. Umso überraschender ist es, dass die neue Generation der Grünen sich ausgerechnet als Vorreiterin einer Regulierungswut aufspielt, in der alles in Verbote und Gebote gegossen werden soll. In totaler Umkehr einstiger Legalize-it-Bestrebungen wird der Bürger gemaßregelt, wird Mündigkeit hinterfragt und Eigenverantwortung geringgeschätzt.

Die Tendenz ist erschreckend. Wer das weiterdenkt, landet in einem autoritären System. Wer sich das nicht vorzustellen vermag, wird immerhin die Lustfeindlichkeit der Grünen beklagen und ihre neue Kleinbürgerlichkeit bestaunen. Der öffentliche Raum soll offenbar reguliert werden: Wer gegen die Regeln verstößt, wird ausgeschlossen oder abgestraft. Die Grünen haben sich von der Ordnung vereinnahmen lassen. Sie sind spießig geworden. (Michael Völker, DER STANDARD; Printausgabe, 15.6.2011)

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Kann mal jemand bitte den Begriff Fahrrad-Rowdy näher beschreiben?

Ich habe den Verdacht dass unter diesen Begriff alles subsummiert wird was jemandem an Radfahrern bzw. dem radfahren nicht passt.

Das fördert aber keine Diskussion sondern dient nur zur Einladung jedes Vorurteil, welches von bequemen Säcken hinter dem Volant verwendet wird, zu verstecken.

Gerne

Ich halte jemanden für einen Farrahdrowdie, der oder die Regeln der STVO oder der Rücksichtnahme im Strassenverkehr einseitig zu seinen Gunsten auslegt oder missachtet und dabei (wichtig!) andere behindert oder gefährdet.

Zufrieden?

Wen versucht die Wiener Vizebürgermeisterin mit ihrem Kampf gegen Fahrrad-Rowdys zu erreichen?

Na wen schon?
Die Autofahrende Mehrheit natürlich, weil damit kann man auch jeden ködern.
Und die Radfahrer die waren mal interessant....gaaaanz viiiiiel früher mal. Da gabs auch noch grüne Bäume und echte Grüne, wie den Kaspanaze Simma.....aber das ist laaaaaange her.

Zitat:"Das Rauchverbot in Lokalen ist weitgehend umgesetzt"
das glaubt Hr. Völker selber nicht. Lachhaft.
Zitat2: "Ein Radfahrer fährt auf dem Gehsteig".Falsch, es sind etliche und bei Rot über die Kreuzung ebenso. Frage ist, wie man darauf reagiert.
Und Frau Vassilakou wäre gut beraten, sich für entsprechende Infrastruktur ins Zeug zu legen, was sie meiner Meinung nicht tut, denn das sind die Mühen der Ebene und jemand für die Mühen der Ebene erkenne ich bei den Grünen nur rudimentär, da fehle die Reserven. Stattdessen gibt es von allen plakative Sprüche pro und kontra.
(Gab mal ein Lied von der EAV: Abarakadabara, drei bebrillte Habara.... Erinnert mich stark an die jetzige situation)

Gibt es wirklich so viele Rowdys unter den Radfahrern,

Es gibt jedenfalls zu viele, weil aich eine Minderheit kann das Image der ganzen Gruppe zerstören.

Es ist mit den Rowdys und der Verkehrsplanung kein Entweder/Oder, wie Hr. Völker da schreibt.

Ich kann ja mit einer Verkehrsanlage unzufrieden sein, ja, ich kann gegen gewisse systematische Fehler in der Verkehrsplanung vehement opponieren; das ist aber alles keine Ausrede dafür, FußgängerInnen konkret zu *gefährden*.

Auf die Frage, ob RadfahrerInnen nicht eine Stammwählerschaft der Grünen seien,

kann man mit einer anderen Frage antworten: sind es nicht auch die FußgängerInnen? Nun schauet mal nach, welcher dieser beiden Verkehrsmodi am Modalsplit unserer Städte langsam aber sicher abnimmt und welcher zunimmt?

Tatsächlich: das Zu-Fuß-Gehen ist im Schwinden begriffen.

Und als RadlerInnen allein haben wir keine politische Stärke, um irgendwelche Verbesserungen zu erreichen. Wenn aus der zugegebenermassen miesen Ist-Lage heraus etwas zu bewegen sein wird, dann, weil die Wichtigkeit des nichtmotorisierten Verkehrs insgesamt (Fuß genauso wie Rad) wahrgenommen wird.

Und da dürfen wir nicht die FußgängerInnen terrorisieren, nur weil sie genauso wie wir Opfer verfehlter verkehrsplanerischer Leitlinien sind.

Ein wenig Disziplin unter RadlerInnen wäre auch dann nötig,

wenn morgen (was leider nicht in Aussicht steht) alle bescheuerten Grundlagen der Radverkehrsplanung samt der (eh unverbindlichen) Mindestbreiten im Spielzeugmaßstab, Benutzungspflicht für jeden Minimundus-Geh- und Radweg und absoluter Heiligkeit von Parkplätzen Radweg beseitigt würden.

Weil an manchen Stellen wird's noch immer zu eng und unübersichtlich dafür sein, dass man mir nichts, dir nichts mit 35 km/h drüberbolzt. Und leider kann man bei einem beliebigen Stadtpaziergang mehrere RadlerInnen erleben, denen das nicht einleuchtet. Sicher kein Verkehrsmittelspezifischer Mangel: aber wo er bei Radlern auftritt darf er grundsätzlich kritisiert werden.

Schließlich ist es folgendes Problem, vor dem Vassilakou steht.

Sie ist ja als Verkehrsstadträtin eben nicht mit kaiserlichem Pouvoir ausgestattet, in jedem Straßenzug eine Parkspur weg- und ausreichend breite Radspuren hinzudekretieren. DAS wäre diktatorisch.

Die Hindernissen reichen von der Lokalpolitik über technische Richtlinien bis hin zu den bundesgesetzlichen Rechtsgrundlagen von Planung und StVO. Für die nötigen Änderungen braucht man überall Mehrheiten (=Demokratie).

Und weil die RadlerInnen an sich eine Minderheit sind, heisst das, dass man um Zustimmung anderer Interessensgruppen werben MUSS. Und wenn der erste und leider nicht von der Hand zu weisende Einwand der ist, dass die RadlerInnen eh keine Straße ordnungsgemäss bedienen können, ist es nicht leichter, zu diesen Mehrheiten zu kommen.

Nein, nicht die Grünen.

Glawi ist so spiessig und dabei so neuronal unteversorgt, wie Fay und Spindel. Jede(r) auf seine/ihre Weise.
In TV Diskussionen zitiert sie Wirtschaftskapitäne gerne mit der-Kollege-Raidl ... und möchte sooo gerne dazu gehören. Gegenüber Celebrities der Kunst, wäre sie sooo gerne Politpopstar.
Differenzierter Intelligenz gegenüber schlüpft sie allerdings in die Gestalt der kratzbürstigen Anfuehrerin einer erblichen Rockerbande.
Intelligenz können auch Fay und Spindel nicht verputzen. Sie werden dann ganz beamterer Strassenbahnschaffner und Dorfpfarrer.

Nein, die Grünen sind nicht spiessig. Ihr Spiess ist spiessig.

weiblichen ..

na bumbagatsch. da ist der kommentator aber übers ziel hinausgeschossen.

einen knigge gleich mit der einführung von kennzeichen und neuen strafen gleichzusetzen?!

ja, es gibt die rowdies und ich rede nicht vom ringradweg, sondern davon, wenn radfahrer bei jeder gelegenheit auf den gehsteig ausweichen, um bei einer fahrzeugkolonne schneller voran zu kommen. das finde ich widerlich.

danke!

Sie sprechen mir aus der Seele. Ich bin Nichtraucher und ehemaliger Grün-Stamm-Wähler. Aber seit Glawischnig ihre faschistoide Anti-Raucher-Kampagne fährt, sind die Grünen für mich nicht mehr wählbar.

zigarettenautomaten gehören selbstverständlich weg.
und was ist dabei wenn wir radler uns auch einigermassen an die verkehrseregeln halten? je mehr radler, deto mehr probleme gibts ja auch unter uns - wer täglich radelt erlebts ja eh wies zugeht. und wenn ich mich als radler nicht frau wenn autos bei rot fahren - wieso sollte umgekehrt freude aufkommen?

Du hast nicht verstanden. Die Probleme mit den Radfahrern tauchen deswegen auf, weil die Infrastruktur unzureichend ist. Die wichtigsten so genannten Radwege sind Etikettenschwindel, weil als Freizeitflächen ausgewiesen (Gürtel, Donauinsel, Donaukanal, Ring, Wiental....) und die Lernfähigkeit, brauchbare Radwege zu bauen, indem man sich in den fließenden Verkehr integriert, hält sich in Grenzen. Vom Versprechen, für bevorzugte Radrouten zu sorgen scheint weniger übrig geblieben, als die planerische Konfusion. Daher rührt auch der international vergleichsweise niedrige Radverkersanteil in Wien. Auch sonst täte es gut mit etwas weniger bornierter Regelungswut konfrontiert zu werden.

deswegen muss man rote ampeln überfahren - an unübersichtlichen kreuzungen am gürtelradweg, strassenbahnen zur norbremsung nötigen? am radlweg an der kreuzung ein verhalten wie vettl beim GP zeigen?
es gibt durchaus viele die die ein´bindung nicht mögen (etwa die radstreifen zwischen den autospuren 1090 wien z.b.). zum schnellen vorankommen ist die donauinsel und tlw. der donaukanal ideal!
zum anteil - viele höhenmeter und ein sehr gutes öffinetz sind eventuell auch ein grund für weniger radlerInnen.
es geht aj eh nur um einen knigge, also die bitte sich halbwegs zu benehmen - find ich ok.

Jawohl, man sollte sich endlich daran machen, die Infrastruktur für Radler und Fußgänger auszubauen, statt nur zu polemisieren. Allerdings ist Vassilakou ja auch auf Budget und Beamte(Magistrate) angewiesen und wo ka Geld, da ka Musi. Die Personalreserven der Grünen für konkrete Taten dürfte auch sehr begrenzt sein, drum bleibt nur die Polemik über.

:-)

herr völker,

lassens mich raten - kettenrauchender
fahradrowdy?

MNR HUMOR

Sie können oder wollen wohl nicht verstehen das es auch normale Menschen gibt "gesundheitsusw."

@normal

was auch immer sie unter "normal" verstehen :-)

Lauter Quatsch, Herr Völker

1. Wenn die Vermeidung von Lungenkrebs oder der Schutz vor Verkehrsrowdies spießig ist, dann bin ich gern ein Spießer.
2. Gerade weil die Menschen immer weniger Mündigkeit und Eigenverantwortung besitzen, sind Vorschriften wichtig.
3. Früher mag die Obrigkeit eine Gefahr für den Einzelnen gewesen sein - heute sind es egoistische und rücksichtslose Mitmenschen. Diese sind daher heutzutage in die Schranken zu weisen.
4. Nein, Gebote und Verbote sind nicht per se etwas Böses, wie Sie suggerieren möchten. Sie dienen dem Schutz Anderer (oder bei Minderjährigen deren eigenem Schutz). Gibt es sie nicht, bleibt der Schwächere immer auf der Strecke.
5. Wer ohnedies von selbst weiß, wie er sich zu verhalten hat, den werden auch Regeln nicht stören.

Lauter Quatsch

Wo bleibt da bloß die Hellsicht, wenn man den anderen das Gefühl für adäquates Verhalten aberkennt. Ich für meinen Teil erkenne keine Hellsichtigkeit in prohibitionistischen Verboten die - wie die Geschichte zeigt - allesamt vor allem dem organisierten Verbrechen Vorschub geleistet haben. Und ebenso wenig hellsichtig erscheint es, sportliche- oder Permanentradfahrer, die sich anders bewegen, als Muttis mit kleinen Kindern als Rowdis hinzustellen, weil sie unglücklich zusammengeprärcht werden. Wenn ich das vorhandene als gegeben und unerrückbar hinnehme, dann ist das Vertrauen in eine Reformpartei, die sich sichtlich schwertut, den thematischen Rückenwind zu nutzen, enden wollend.

absurde rechtfertigungsversuche ...

....fuer massnahmen die man nur als "beginnend totalitaer" bezeichnen kann

leben ist untrennbar mit dem lebensrisiko verbunden
und das ist auch jedem klar

kein mensch verlangt dass alle ungeregelten bahnuebergaenge unbedingt mit schranken versehen werden muessen, obwohl dort jaehrlich ca 40 menschen sterben

aber die gruenen wollen dass halb oesterreich nur mehr schrittempo auf der autobahn faehrt und 3,- fuer den liter sprit zahlt um irgendwelche absurden schadstofflimits zu unterschreiten

dabei gehts es ja doch nur datum die inividuelle mobilitaet so lange einzuschraenken bis keiner sie sich mehr leisten kann

dann sind sie am ziel .... jeder hat das gleiche ..... so wie ihr guru lenin es einst gefordert hat ...

"Beginnend totalitär" ist meist das, das einem persönlich nicht passt und dann unter einem ideologischen Schlagobersgupf versteckt wird.

Keineswegs.
Tabak-Werbung ist verboten, die Kisten stehen mit den Logos der entsprechenden Hersteller trotzdem überall rum; und interessant sind die nur für Leute, die entweder noch keinen Bezug zum Tabak haben=Kids oder eben für Leute, die davon abhängig sind. Also ist es nur naheliegend, dass sich die zwangsläufigen Nutzer der Automaten ihren Stoff im Geschäft/Lokal/Tanke holen, damit der Anreiz aus den Augen der Kids verschwindet.
Bahnübergänge wären alle 3-fach beschrankt, wenn die Installtion 2,50€ kosten würde und wenn die Grünen ggf. auch über das Ziel hinausschiessen:
es wird dadurch erst selbiges definiert.

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