Konsum- und andere Welten

14. Juni 2011, 18:20
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"Shopping Welt" in der Stadtgalerie Schwaz präsentiert bis 23. Juni zwölf Positionen

Das Stadtbild der einstigen Silberbergwerksstadt Schwaz ist im Wandel. Die denkmalgeschützten Austria Tabakwerke wurden geschliffen, jetzt klafft vor mittelalterlicher Kulisse eine Baulücke. Mitten im Stadtzentrum wird ein riesiges Einkaufzentrum hochgezogen, wobei das Siegerprojekt (Henke und Schreieck) des Architekturwettbewerbs übergangen wurde. Der Investor realisiert andere Pläne. All das ist für die Leiterin der Stadtgalerie Schwaz, Cosima Rainer, Anlass, Künstler aus der Gegend einzuladen, sich mit dem Thema Konsum auseinanderzusetzen. In der Ausstellung Shopping Welt präsentiert sie bis 23. Juni zwölf Positionen.

Susanne Kircher-Liner bannt in ihrem großformatigen Gemälde Shoppingwelt das nach einer chirurgischen Lidkorrektur gemarterte Gesicht auf Leinwand. Die Künstlerin Ursula Groser lässt produzieren, und zwar in China. Sie beauftragt die Chinesin June Lin, den "Hausverstand" - Werbesujet einer Lebensmittelkette - samt Huhn zu malen. An das Bild ist das Etikett "Made in China" geheftet. Und Ruth Murphy nennt ihre neun Zeichnungen der Ötztaler Alpen, auf die sie russische Gedichte gekritzelt hat, Alpenrussifizierung und erinnert an die Begehrlichkeiten russischen Kapitals, was die heimische Bergwelt betrifft. Die Ausstellung zeigt auch eine Dokumentation über den gebürtigen Wiener Victor Gruen. Er war einer der einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts und gilt als Vater der Shopping-Mall. Diese Vaterschaft will er jedoch nicht anerkennen, da in seinem Konzept auch nichtkommerzielle Räume wie Postämter, Kindergärten und Bibliotheken vorgesehen waren. (dns/DER STANDARD, Printausgabe, 15. 6. 2011)

  • Die Sache mit dem Hausverstand: Schwazer Kunst, produziert in China.
    foto: stadtgalerie schwaz

    Die Sache mit dem Hausverstand: Schwazer Kunst, produziert in China.

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