Facebook, Twitter & Co.

In den Wind gezwitschert

Martin Putschögl, 14. Juni 2011, 23:36
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    screenshot: derstandard.at

    Screenshot von der Facebook-Page der Spar Österreich AG: Freude über Mistkübeln in Weiz.

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    grafik: meta communication

    Infografik: Präsenz österreichischer Großunternehmen in Social Media.

Firmen und Social Media: Red Bull spielt in einer eigenen Liga, andere suchen noch Konzepte. Wie man auch von privaten Initiativen profitieren kann, erfuhren die ÖBB

"Gefällt mir" bzw. "Like", "Follower" und "Daumen hoch": Die heimischen Unternehmen sind bemüht, immer mehr dieser Gefallensbekundungen zu sammeln. Eine wachsende Anzahl an Auftritten in den diversen "Social Media"-Kanälen Facebook, Twitter, YouTube & Co. zeugt davon.

Red Bull ist top

Wieviele Menschen von den Konzernen dort tatsächlich erreicht werden, versucht man bei Meta Communication zu messen. Laut der aktuellsten, noch unveröffentlichten dritten Auflage der Reichweiten-Studie "Präsenz österreichischer Großunternehmen in Social Media" ist der absolute Platzhirsch weiterhin - und wohl noch für längere Zeit - die Red Bull GmbH, die seit 8. Juni mehr als 20 Millionen "Fans" auf Facebook und damit mehr als zehn Mal so viele wie die anderen 29 Unternehmen der Analyse zusammen (!) zählen kann.

Als einziges weiteres Unternehmen überspringt noch Swarovski die Millionen-Grenze, danach folgt die Rewe Group mit 340.000. Alles andere bewegt sich unter 100.000, meist auch unter 10.000 "Fans" auf Facebook.

Nur geringfügig anders sieht die Sache aus, wenn man die gesamte Präsenz der heimischen Unternehmen in Social Media betrachtet. Die Studienautoren haben dafür sämtliche Interaktionen der Unternehmen auf Social-Media-Websites zusammengerechnet: Facebook-Fans, Twitter-Follower, Youtube-Abos und Video-Aufrufe. Red Bull kommt da auf die beeindruckende Zahl von 272,5 Millionen, was in erster Linie an der hohen Zahl an Video-Betrachtungen auf Youtube (252 Mio.) zurückzuführen ist. Mit knapp 1,7 Millionen erreichten Usern liegt auch hier Swarovski auf Platz zwei, gefolgt allerdings von der A1 Telekom Austria mit 817.337.

"Social Media haben sich mittlerweile in der Kommunikation der österr. Großunternehmen etabliert", schreiben die Studienautoren. Aber bringen die Aktivitäten für die Unternehmen auch etwas?

Strabag twitterte ein Goodbye

Bei der Strabag hat man diese Frage - zumindest was die Präsenz auf Twitter betrifft - schon im Februar bis auf Weiteres mit einem klaren "Nein" beantwortet. Seit August 2009 war die Bauholding auf Twitter aktiv, alle paar Tage wurden - ausschließlich in englischer Sprache - Firmennews getwittert. Im letzten Tweet am 25. Februar dann der Hinweis: Aktuelle Neuigkeiten seien künftig nur noch auf www.strabag.com erhältlich.

Paula Rys von der Kommunikationsabteilung der Strabag erklärt im Gespräch mit derStandard.at, dass es der Strabag "auch sehr gut ohne Social Media" gehe - "weil es für unsere Kunden keinen Unterschied macht, ob wir dort aktiv sind oder nicht". Die Kunden der Strabag seien eben, ganz anders als etwa bei Red Bull, nicht Social-Media-affin.

Der Twitter-Account ruht einstweilen, Rys schließt nicht aus, dass er dereinst wieder aktiviert werden könnte. "Wir beobachten das natürlich weiterhin, und vielleicht ist in ein paar Jahren alles wieder anders."

Vor dem Abschied aus Twitter - die Strabag hatte und hat dort immer noch rund 600 "Follower" - habe man festgestellt, dass "die Interaktion nicht gepasst hat", wie Rys erzählt. Man hätte wohl Berater einstellen sollen, die sich der Sache annehmen, doch dafür habe das Budget gefehlt und auch die internen Kapazitäten. Also entschied man: "Wir lassen das beiseite."

Facebook verdrängt den Rest

Ohnehin spielt Facebook, so die Studienautoren von Meta Communication, die weitaus wichtigere Rolle. "Waren bei unserer ersten Erhebung im März 2010 die Facebook-Seiten der Unternehmen noch häufig fremdinitiiert, so hat nun jedes Großunternehmen seinen unternehmens-initiierten, professionellen Facebook-Auftritt." Facebook verdränge andere Social Media-Plattformen in der Bedeutung auch zusehends. "Zum Beispiel stellen viele Unternehmen nun auch Videos auf Facebook ein und nicht mehr auf Youtube", so die Studienautoren. Viele Unternehmen würden auf Facebook mittlerweile auch Marketingkonzepte austesten, außerdem Umfragen und Gewinnspiele veranstalten.

So macht es auch die Spar Österreich AG seit September 2009. Auf der Facebook-Seite wird über Angebote informiert, vereinzelt auch Jobanfragen beantwortet. Und nicht ganz Alltägliches kommt einem dort fallweise auch unter: So bedankte sich ein User vor wenigen Tagen dafür, dass im Umfeld einer steirischen Interspar-Filiale ein Mistkübel montiert wurde (siehe Screenshot links).

Twitter-Gewitter

Vom mangelnden Endkunden-Bezug des Facebook-Auftritts lässt sich bei einer Supermarktkette also natürlich nicht sprechen. Mit insgesamt rund 37.000 Usern wird dem Konzern von den Studienautoren Platz 12 in Österreich zugebilligt. Nicole Berkmann, Leiterin der Konzernkommunikation, hat in der Abteilung für Kundenreaktionen genau einen Mitarbeiter, der sich vorrangig um die Social-Media-Aktivitäten kümmert. Falls eine Reaktion gefordert sei, "dann schließen wir uns kurz" - das sei im Einzelfall kein großer Aufwand. Grundsätzlich betrachtet würden die Social-Media-Aktivitäten aber doch einen "erheblichen Arbeitsaufwand" darstellen, vor allem eben in Sachen personeller Ressourcen. Mittelfristig will man bei der Spar AG die Social-Media-Präsenz auch auf neue Beine stellen, konkrete Überlegungen dazu gibt es aber noch nicht.

Online-Beschwerden sammelte die Spar AG zuletzt eher über Twitter als über Facebook ein. Eine Userin mokierte sich Ende Mai über ein "Umbauchaos" in einer Interspar-Filiale, ein anderer User beschwerte sich darüber, dass in einer Kärntner Filiale schon um 17.55 Uhr die Lichter ausgingen, obwohl sich noch Kundschaft im Geschäft aufhielt, und eine Verkäuferin außerdem unfreundlich gewesen sei.

Die Frage, ob sie es für möglich hält, dass diese Beschwerden manchmal auch direkt aus den Zentralen der Konkurrenz getwittert werden, ringt Berkmann zunächst ein Schmunzeln ab, dann sagt sie: "Das ist ja schön, wenn die Ressourcen zur Verfügung stellen müssen, um uns zu beschäftigen."

Informationen "live"

Eher nicht von der Konkurrenz - weil bis dato kaum vorhanden - kommen die Beschwerden, mit denen man sich bei den ÖBB herumschlagen muss. Michael Schacherhofer, bei der Staatsbahn für die Social-Media-Auftritte verantwortlich, räumt ein, dass dem Dialog mit den Kunden auch Grenzen gesetzt sind. Bei Beschwerden oder gar Beschimpfungen wegen Verspätungen könne man sich eben meist bloß entschuldigen. Ansonsten sieht er in Facebook einen "ziemlich guten Kanal, um zu sehen: Warum haben Informationen nicht funktioniert? Man bekommt hier live mit, wo eine bestimmte Person Kontakt zum Unternehmen hatte, und warum sie beispielsweise eine Information nicht bekommen hat." Schacherhofer geht dem nach, leitet die Angelegenheit weiter an die zuständigen Stellen im Unternehmen.

Und wenn sich jemand darüber beschwert, dass der Zugbegleiter einer S-Bahn-Garnitur mit einem Fahrgast nicht besonders höflich umgegangen ist - wie es ein User via Facebook vor kurzem tat? "Dem bin ich nachgegangen", erklärt Schacherhofer. "Wir fragen in so einem Fall nach, welcher Zug es war und wann der Vorfall war, und dann wissen wir auch, welcher Zugbegleiter das war. Aus den Protokollen des Zugbegleiters - denn sobald es einen außerordentlichen Vorfall gab, muss es auch ein Protokoll dazu geben - können wir dann die interne Sichtweise sehen."

Der nachfolgende Prozess werde dann oft nicht öffentlich auf Facebook dargelegt, "weil fallweise auch private Daten wie Adressen benötigt werden, wenn's etwa um Entschädigungszahlungen geht. Das macht man nicht öffentlich auf einer Wall, das passiert dann mit Messages im Hintergrund, oder generell direkt von der zuständigen Stelle im Personenverkehr." Direkte Kontaktstelle in solchen Angelegenheiten sei nämlich natürlich die Personenverkehrs-AG, Schacherhofer ist aber mit seinem zweiköpfigen Team in der ÖBB-Holding angesiedelt und dort direkt dem Vorstand unterstellt.

Gute und weniger gute Privat-Initiativen

Die ÖBB haben auf Facebook laut Zählung von Meta Communication knapp 46.000 "Fans", insgesamt erhoben die Studienautoren fast 270.000 User an Social-Media-Reichweite, was im landesweiten Ranking den 6. Platz bedeutet.

Wie fast alle größeren Unternehmen sieht sich auch die Bahn mit dem Problem konfrontiert, dass neben der "offiziellen" Seite mehrere von Privaten erstellte Facebook-Pages existieren, die manchmal auch gezielt gegen das jeweilige Unternehmen gerichtet sind und wo man sich schon einmal als "Drecksladen" beschimpfen lassen muss. So werden etwa auf "Anti-ÖBB" - früherer Name: "Scheiß-ÖBB" - allerlei Anekdoten gesammelt, die das Management wohl eher nicht so breitgetreten sehen würde.

Manche dieser Privatinitiativen sind aber auch für das Unternehmen sinnvoll: Der Twitter-Account oebb_info sei beispielsweise nicht von den ÖBB (der heißt "unsereOEBB"), sondern von einem Externen geschaffen worden, berichtet Schacherhofer. "Wir wollten schon einmal herausfinden, wer das war, haben das aber wieder aufgegeben, nachdem sich herausstellte: Die Informationen stammen von unserer Website, der Account ruft einfach unseren frei zugänglichen RSS-Kanal ab. Würden wir nun den gleichen Service starten, dann gäb's zwei völlig idente Kanäle, was den Kundennutzen wohl eher schmälern würde." 

Hintergründe und Schulden erklären

Laut Schacherhofer sollen auf der Facebook-Seite der ÖBB künftig auch Marketing-Aktivitäten stattfinden, außerdem will man den Kanal nutzen, um über Vorgänge im Unternehmen aufzuklären. "Wir wollen die Hintergründe des Unternehmens, die Zusammenhänge, wie man sie auch auf fakten.oebb.at sieht, den Kunden näherbringen: Wie laufen diverse Zahlungsflüsse, wie entsteht ein Fahrplan, was ist notwendig, um einen Zug zusammenzustellen?"

Auch bezüglich der immer wieder in der politischen Diskussion vorkommenden Milliarden-Schulden der Staatsbahn will man die Facebook-User laut Schacherhofer besser informieren. "Sind das tatsächlich soundsoviele Milliarden Euro an Schulden, oder sind das nicht vielmehr Infrastruktur-Investitionen, die der Staat tätigt?" Man wird sehen, wievielen Usern das "gefällt". (Martin Putschögl, derStandard.at, 15.6.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 63
1 2
Ruth Stein
00
21.6.2011, 09:12
Wie kommt Meta zu diesen Zahlen?

Zumindest von einem Unternehmen kann ich sagen, dass die angegebenen Zahlen sehr eigenartig sind. Hat nämlich weder eine FB-Seite, noch einen Twitter -Account, noch einen YouTube -Channel...

Niko Alm
 
01
19.6.2011, 09:59
René Herndl
01
15.6.2011, 18:19
Social Media?

Ich liebe diese Anglizismen, die etwas suggerieren, was es nicht ist. Hier wird auf moderne, aber keineswegs wirklich soziale Weise Marketing betrieben, was jeder Firma gutes Recht ist. Dies aber als positiv hinzustellen, die manipulativen Mechanismen dieser Netzwerke, die auch äußere Eingriffe in persönliche Daten ermöglichen etc.,als Errungenschaft hinzustellen, das halte ich für schlichtweg dumm. Dass dabei auch geistige und materielle Ressourcen verloren gehen, unsinnig über die Technik auf oft primitive Weise kommunziert wird, der menschlich Faktor missachtet wird und zudem eine überaus mangelhafte Sprachkultur Einzug hält, das kommt noch hinzu.

anitfaschist
10
15.6.2011, 16:56

tschuldigung aber mir gefällt das ausrufezeichen in
klammern im zweiten absatz überhaupt nicht....

das ist so heute mäßig...

uncle sam3
00
15.6.2011, 16:55
den

erfolg bei sozial media durch die zahl der angesehene videos auf youtube zu messen, ist genau so schlau wie HITS bei einer homepage.

aber red bull und swarovski machen die arbeit wenigstens einigermaßen kompetent. die öbb, spar oder raika haben überhaupt keine strategie oder konzept.

Hacklergschichten und Arbeitssachen
 
01
15.6.2011, 16:37
Nicht nur Firmen!

Auch gute Initiativen freuen sich über jeden Fan:
http://www.facebook.com/Hacklergschichten

Klaus Franz
00
15.6.2011, 16:03

Einen wesentlich sinnvolleren Überblick über die Social Media Aktivitäten österreichischer Unternehmen bietet das Social Media Ranking (www.socialmediaranking.at). Dort wird nämlich nicht nur die Reichweite zur Messung herangezogen sondern auch Engagement der Fans und Aktivität der Marke.

Außerdem versteh ich sowieso nicht wie die Studienautoren auf manche der Werte kommen...

naturgemäßigt
00
15.6.2011, 16:41

Wenn ich's richtig verstanden habe, dann ging es bei der Studie auch um eine qualitative Bewertung. Das Social-Media-Ranking gibt ja nicht viel mehr als einen Score von 1-100 wieder- und wie dieser Wert berechnet wird, ist leider auch nicht wirklich nachvollziehbar.

quick & dirty
00
15.6.2011, 15:13
facebook ist tot.

spätestens mit dem börsengang geht es bergab.
.
das kennen wir doch aus der geschichte, oder?
.
das "gefällt mir"
.

Rudi Reisinger
00
17.6.2011, 13:28

na klar:)

Klaus Franz
00
15.6.2011, 17:02

Bei der Studie geht's überhaupt nicht um eine qualitative Bewertung, die ist rein quantitativ. Da werden ja einfach nur die Zahlen zusammengezählt.

Hugo Stiglitz
00
15.6.2011, 15:12
ÖBB

die ÖBB sollte sich mal ein Beispiel am neuen Twitter-Kanal der Deutschen Bahn nehmen.

Ron J. 2000
20
15.6.2011, 13:57

beste twitter ist /lulzsec

schorsch dererste
01
15.6.2011, 13:32

wozu vergleicht man lifestyleprodukte mit supermarktketten und stahlerzeugern?

oida naaaaa
00
15.6.2011, 14:34

ebenso international agierende unternehmen wie eben red bull oder swarovski mit eher national agierenden... klar dass die international agierenden mehr fanpotential haben Oo

Livingstone
01
15.6.2011, 12:21
Nur ein paar likes mehr...

... und mein kleiner Shop schafft es auch noch ins Ranking ;)
http://www.facebook.com/fuchsbau.shop

klausenpown
00
15.6.2011, 11:50

Puh - die sind also alle nicht so top im Facebook.

Damals, als Österreich noch top war im Web 2.0

http://oe1.orf.at/artikel/210805

Rot/Grün Farbsehschwächling
01
15.6.2011, 10:45
spätestens nach dem Börsegang von FB platzt die Blase. Zuckerberg wird sich sein Baby nochmal versüßen lassen und dann grinsend "good bye" sagen!

Befreier von Butter und Eier
08
15.6.2011, 10:43

Keine Ahnung was geschehen müßte, damit ich mir im Facebook Seiten von Unternehmen ansehen würde.
Möglicherweise mit den Nudelholz auf den Kopf schlagen, aber ansonst keine Chance.

Der junge Jim Kirk
00
15.6.2011, 16:59

Ist einfach eine andere Art von Newsletter der nicht so leicht im schlecht gewarteten spam filter hängenbleibt.

Salz Burger
00
15.6.2011, 15:19

für Leute, die es sich nicht ansehen wollen, sind die Seiten eh nicht gemacht. Sondern für alle anderen, die das offensichtlich häufig und gerne tun.

0815-Kommentar
00
15.6.2011, 10:24

facebook: 100 mrd wert, 300 mio gewinn.

ich bin neugierig wie sich das nach dem cash-out via ipo entwickeln wird.

servasgschaeft
10
15.6.2011, 09:47
solang...

..die Öbb nicht mal eine vernünftige Registrierungslösung beim Online-Ticket-Kauf schaffen (jedes Mal wieder sämtliche Daten eingeben), solang kann man den Verein und seine Aktivitäten im Netz nicht mal ansatzweise ernst nehmen

LEFTHAND
510
15.6.2011, 09:29
Wen interessiert Fb denn noch?

Man wird ja von privater Seite mit so viel Sinnlosen Infos zugedröhnt, dann auch noch Firmen? FB läuft sich tot.

Zocker aus Leidenschaft
00
15.6.2011, 17:34

Ich benutze es und zwar ausschließlich um mit Freunden in Kontakt zu bleiben, die man vlt. nicht so oft sieht bzw. wo anders wohnen.

Wenn man nicht zugedröhnt werden will, soll man einfach kein "Fan" werden oder nicht alles "liken".

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