Wien wird schlaue Mitfahrzentrale

14. Juni 2011, 16:43
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Auf der ITS Vienna 2012 sollen Bürger einsteigen bei intelligenten Verkehrssystemen

Vier rote Knöpfe - kein Lenkrad: Drückte der Passagier den zweiten, rollte das blau-weiße City-Mobil vom Parkplatz des Lyoneser Kongresszentrums bis zu dessen Eingang; im Schritttempo zwar, aber immerhin ohne den unvorsichtigen japanischen Key-Speaker niederzumähen. Weil es nicht nur selbst fahren, sondern bei Gefahr eben auch anhalten kann.

Das funktioniert auch in größerem Maßstab: In der westfranzösischen Stadt La Rochelle bringt der artverwandte Cybus seit dem 12. Mai maximal vier Passagiere vom Hafen in die Innenstadt. Ausgestattet mit GPS, Lasern und Radar soll das autonome Fahrzeug während der kommenden Monate beweisen, dass E-Mobile ohne Fahrer keine Science-Fiction mehr sind. Vielmehr hat die Entwicklung des französischen Konsortiums "Die automatisierte Straße" noch mit den banalen Niederungen der Technik zu kämpfen: Nach 40 Kilometern bleibt das Wunderding immer automatisch stehen - dann ist der Akku leer.

Auf dem 19. ITS-Weltkongress, der von 22. bis 26. Oktober 2012 erstmals in Wien ausgerichtet wird, möchte das Verkehrsministerium als Gastgeber noch wesentlich mehr solcher Demoprojekte präsentieren. In der Krieau soll sich der geneigte Verkehrsteilnehmer, dem die Telematikforschung bisher zu abstrakt war, selbst ein Bild von Systemen für Sicherheit oder intelligentes Verkehrsmanagement machen können.

Reinhard Pfliegl, Vorsitzender der ITS Vienna 2012 und früherer Geschäftsführer von AustriaTech, glaubt, dass die Akzeptanz dieser Dienste bei ihren künftigen Benutzern oberste Priorität haben muss. Schließlich stellt die AustriaTech als Agentur des Bundes für technologiepolitische Maßnahmen den gesamtgesellschaftlichen Nutzen der Telematik in den Vordergrund ihrer Tätigkeit.

Karl Ernst Ambrosch, Präsidiumsmitglied des Austrian Institute of Technology, geht überdies davon aus, dass die Pilotphase für intelligente Verkehrssysteme aus technischer Sicht bereits abgeschlossen ist: "Nun müssen wir uns vor allem Fragen widmen, die sich mit der Qualität der Daten beschäftigen" , präzisiert er. Besonders wichtig sei es für Kunden, die zu einem vernünftigen Mix bei der Wahl der Verkehrsmittel bewegt werden sollen, möglichst genaue Ankunftszeiten zu kennen.

So werden für eine bereits recht präzise Reisezeitmessung in Wien auch die Ortsdaten von rund 2500 Taxis herangezogen. Verknüpfungen mit weiteren Datenlieferanten werden aber insbesondere auch für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen nötig sein, die bereits vor Reiseantritt über die Funktionalität von Infrastruktur Bescheid wissen sollten. Noch komplexer wird ein multimodales System für Verkehrsinformationen freilich dann, wenn nun auch noch spezifische Daten für E-Mobilität integriert werden und intelligentes Routing grenzübergreifend funktionieren soll. (saum/DER STANDARD, Printausgabe, 15.06.2011)

  • Die autonomen Minibusse, die in La Rochelle verkehren, sind nur ein Beispiel für aktuelle Telematiklösungen. Auf dem Weltkongress in Wien 2012 wird es mehr zum Thema Elektromobilität und intelligente Navigation zu sehen geben.
    foto: inria

    Die autonomen Minibusse, die in La Rochelle verkehren, sind nur ein Beispiel für aktuelle Telematiklösungen. Auf dem Weltkongress in Wien 2012 wird es mehr zum Thema Elektromobilität und intelligente Navigation zu sehen geben.

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