Wann und wo die Asiatische Tigermücke eine Plage werden könnte

19. Juni 2011, 19:58
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Erwärmung fördert die Ausbreitung von Krankheitsüberträgern - Deutsche Forscher haben diesbezügliche Projektionen vorgestellt

Bayreuth  - Die mit dem Klimawandel verbundene Erwärmung erleichtert Tierarten die Einwanderung, die als Überträger gefährlicher Krankheiten auch den Menschen bedrohen können. Besonders die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), die für die Ansteckung mit Dengue- und Chikungunyafieber bekannt ist, dringt immer weiter nach Europa vor. Welche Regionen davon in Zukunft betroffen sein werden, hat nun eine Forschungsgruppe an der Universität Bayreuth in einer aktuellen Studie dargelegt.

Bereits auf fast allen Kontinenten heimisch

Ausgehend von ihrer Ursprungsregion Südostasien, hat sich die Asiatische Tigermücke mit dem weltweiten Handel von Waren in nahezu alle Kontinente ausgebreitet. Mittlerweile hat sie auch Europa erreicht. 2007 kam es in der Folge zu einem Chikungunya-Ausbruch in Norditalien, 2010 zu mehreren Fällen von Dengue-Fieber in Frankreich und Kroatien. Sollten sich die klimatischen Verhältnisse in Europa auch künftig zu Gunsten der Tigermücke und anderer krankheitsübertragender Insekten entwickeln, steigt das Risiko einer Ausbreitung tropischer Krankheiten in Europa.

Die Wissenschafter der Universität Bayreuth wollen mit fundierten und belastbaren Prognosen zu zielführenden Maßnahmen beitragen. Dabei arbeiten sie mit Modellen, welche die Klimaansprüche krankheitsübertragender Insekten und die geographischen Gegebenheiten Europas berücksichtigen. Mithilfe dieser wissenschaftlichen Modelle lassen sich diejenigen Regionen identifizieren, in denen künftig ein besonders hohes Risiko für eine weitere Ausbreitung der Tigermücke entsteht.

Zwei Szenarien

Für Projektionen des Klimawandels im 21. Jahrhundert wurden - im Hinblick auf den künftigen Anstieg der Emissionen klimawirksamer Treibhausgase - zwei unterschiedliche Szenarien zugrunde gelegt: Im einen Fall steht ein ökonomischer und technologischer Wandel bevor, der in relativ kurzer Zeit in eine ausgewogene Nutzung von fossilen und nicht-fossilen Energiequellen mündet. Im anderen Fall bildet sich schon bald eine auf Informationsdienstleistungen gegründete Volkswirtschaft heraus, der es gelingt, anhaltendes Wirtschaftswachstum mit ressourceneffizienten Technologien zu verbinden.

In Abhängigkeit von den jeweils verwendeten Methoden und Zukunftsszenarien weichen die Prognosen im Detail voneinander ab. Allerdings kristallisiert sich in den Arbeiten der Bayreuther Biogeografen ein zunehmend verlässliches Bild heraus. Die Übereinstimmungen der Grundaussagen sind so groß, dass sich klar zu erwartende Trends ableiten lassen: Zumindest in den nächsten Jahrzehnten werden um das Mittelmeer herum attraktive Klimabedingungen für die Asiatische Tigermücke bestehen bleiben.

Günstige Bedingungen bis zur Ukraine

Zugleich werden sich die klimatischen Verhältnisse in Europa so ändern, dass vor allem der Nordwesten der Iberischen Halbinsel, der Südwesten Frankreichs und Norditalien der Tigermücke größere Lebensräume bieten werden. Bis Mitte des Jahrhunderts entwickeln sich dann auch größere Regionen Zentraleuropas zu potenziellen Lebensräumen dieser Insektenart. Für das Ende des 21. Jahrhunderts wird erwartet, dass die Tigermücke in weiten Teilen West- und Mitteleuropas, bis zur Ukraine, günstige klimatische Lebensbedingungen vorfinden wird.

Aus diesen Ergebnissen lässt sich allerdings nicht zwingend ableiten, dass die Asiatische Tigermücke künftig in allen klimatisch attraktiven Lebensräumen auch tatsächlich heimisch wird. Und selbst wenn sie in Europa weiter nach Norden und Osten hin vordringt, muss dies nicht bedeuten, dass sie überall als Krankheitsüberträger wirksam wird. Entscheidend ist dann, ob die in den Mücken transportierten Viren mit den künftigen Klimabedingungen und insbesondere mit zunehmenden Klimaschwankungen zurecht kommen. (red)

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    Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) dringt mit der Klimaerwärmung in Europa weiter vor. Wo sie wann eintreffen könnte, haben nun Bayreuther Forscher errechnet.

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