Stagnierende Forschungsquote

Wirtschaftskammer fordert 250 Millionen Euro mehr

14. Juni 2011, 15:38

Grüne befürchten Schaden für Österreich und pochen auf verbindlichen Finanzierungsplan

Linz - Weil die Forschungsquote in Österreich in drei Jahren hintereinander bei 2,79 Prozent des BIP stagniere, will die Wirtschaftskammer Oberösterreich in den kommenden Jahren vom Bund jährlich um 250 Mio. Euro mehr für Forschung und Entwicklung. Die Finanzplanung habe das Ziel der Bundesregierung "vergessen", die Quote auf 3,76 Prozent bis 2020 zu steigern, kritisierten der Obmann der Sparte Industrie, Anton Helbich-Poschacher, und der Technologiesprecher Günter Rübig in einer Pressekonferenz am Dienstag in Linz.

Unerreichtes Zwischenziel

Die beiden wiesen darauf hin, dass das vom Bund für 2010 definierte Zwischenziel von 3 Prozent auch 2011 nicht erreicht werde. 2,79 Prozent wurden im Krisenjahr 2009 erzielt, 2010 sei die Quote sogar auf 2,78 Prozent zurückgegangen. Um das Ziel 3,76 Prozent zu schaffen, müssten daher die Anstrengungen wesentlich intensiviert werden. Dazu sei eine Steigerung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung um mindestens rund 740 Mio. Euro jährlich erforderlich. Da etwa zwei Drittel von den gesamten Forschungsausgaben 2011 in der Höhe von 8,29 Mrd. Euro durch die heimische Wirtschaft sowie vom Ausland - überwiegend heimischen Tochterfirmen internationaler Konzerne - aufgebracht würden und ein Drittel von der öffentlichen Hand komme, müsste der Bund jährlich 250 der erforderlichen zusätzlichen 750 Mio. beisteuern, rechnete Helbich-Poschacher vor.

Rübig machte auch gleich Vorschläge, woher das Geld kommen sollte. Er nannte unter anderem Privatisierungserlöse, steigende Steuereinnahmen und Umschichtung von Budgetmitteln in Richtung Forschung. Allein die Einsparung von 5 Prozent bei den Ausgaben für die Bundesbahnen würde 200 Mio. Euro bringen. Die Wirtschaftsvertreter forderten zudem mehr Fördermittel für die betriebliche Forschung und die Erhöhung des Deckels von 100.000 auf 5 Mio. Euro für die steuerliche Förderung für Unternehmen, die Forschungsaufträge an Universitäten, Fachhochschule oder andere Forschungseinrichtungen vergeben.

Grüne befürchten Schaden für Österreich

Die Vorsitzende des Ausschusses für Forschung, Innovation und Technologie im Parlament und Wirtschafts- und Forschungssprecherin der Grünen, Ruperta Lichtenecker hat die Forderung der Wirtschaftskammer nach mehr Förderung in einer Presseaussendung am Dienstag unterstützt. Sie befürchtet ansonsten Schaden für Österreich.

Alleine die Budget-Stagnation in Forschung und Wissenschaft werde die Entwicklung in Österreich stark bremsen, warnte Lichtenecker: "Damit verschläft Österreich die enormen Möglichkeiten in den Zukunftsbranchen wie der Umwelttechnik und die Chance auf Grüne Arbeitsplätze". Sie fordert einen verbindlichen Finanzierungsplan, um die Forschungsstrategie umzusetzen. (red/APA)

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