Brausepulver als reversibler, CO2-freier Wasserstoffspeicher

14. Juni 2011, 17:07
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Rostocker Forscher entwickeln umweltfreundliches System auf Basis von Bicarbonaten und Formiaten

Wasserstoff steht ganz oben auf der Liste aussichtsreicher Energieträger für eine zukünftige nachhaltige Energieversorgung. Einem Durchbruch stehen dabei allerdings noch einige Hürden im Weg. Vor allem hadert die Wissenschaft noch mit einer praktikablen Methode für eine einfache und sichere Wasserstoffspeicherung. Trotz verschiedener Fortschritte konnte bisher keine allgemein anwendbare Lösung gefunden werden, die alle Vorgaben der Industrie erfüllt. Wissenschafter vom Leibniz-Institut für Katalyse in Rostock schlagen nun in der Fachzeitschrift Angewandte Chemie einen neuen Ansatz vor, der auf einfachen Salzen der Ameisensäure und der Kohlensäure basiert.

Praktikable Wasserstoffspeicher sollten den Wasserstoff bei Normaldruck und Raumtemperatur aufnehmen, eine hohe Menge sicher auf möglichst kleinem Raum unterbringen und ihn bei Bedarf unter den genannten Bedingungen rasch wieder abgeben können. Bekannte Metallhydrid-Tanks bringen den Wasserstoff sicher in einem relativ überschaubaren Volumen unter, sind jedoch sehr schwer, teuer und arbeiten nur bei höheren Temperaturen oder viel zu langsam.

Reversibel und Kohlendioxid-frei

Neben organischen Wasserstoffspeichern wie Methan und Methanol interessiert sich die Forschung seit einiger Zeit für Ameisensäure (HCO2H) und ihre Salze, die so genannten Formiate, zur Wasserstofferzeugung. Ein grundlegendes Problem bei der Verwendung dieser Speichermaterialien ist die Abtrennung des bei der Wasserstoff-Freisetzung entstehenden Kohlendioxids. Dem Rostocker Team rund um Matthias Beller ist es nun gelungen, mit einem speziellen Ruthenium-Katalysator, der sowohl die Wasserstoff-Freisetzung als auch die Rückreaktion der Wasserstoffaufnahme katalysiert, einen reversiblen CO2-freien Wasserstoffspeicherzyklus zu etablieren.

Konkret wird dabei Wasserstoff aus ungiftigen Formiaten freigesetzt und das entstehende CO2 in Form von Bicarbonaten abgefangen. Bicarbonate sind Bestandteil von vielen natürlichen Gesteinen und finden im Alltag auch Verwendung als Backpulver oder Brausepulver (Natriumhydrogencarbonat, NaHCO3).

Zahlreiche Vorteile

"Unser neues Konzept hat eine Reihe von Vorteilen", sagt Beller, "verglichen mit CO2 ist festes Bicarbonat einfach zu handhaben und sehr gut in wässrigen Medien löslich. Die resultierende Bicarbonatlösung kann katalytisch unter sehr viel milderen Bedingungen in eine Formiatlösung überführt werden als man etwa für die Reaktionen zu Methan oder Methanol benötigt."

Zudem könne der ungefährliche Feststoff einfach gelagert und transportiert werden. Die Wasserstoffentladung gelingt bereits bei Raumtemperatur oder auch darunter. Beller: "Vor allem aber wird erstmals ein geschlossener Kohlenstoffkreislauf möglich, da das resultierende Bicarbonat mit Wasserstoff einfach wieder aufgeladen werden kann." (red)

  • Das bei der von Rostocker Wissenschaftern entwickelten Methode entstehende Kohlendioxid wird in Form von Biocarbonaten abgefangen.
    foto: wiley-vch

    Das bei der von Rostocker Wissenschaftern entwickelten Methode entstehende Kohlendioxid wird in Form von Biocarbonaten abgefangen.

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