Allergisch auf Sonne?

  • Sonnenallergien werden mit kühlenden Cremes, bei ausgeprägtem Krankheitsbild mit Kortison behandelt. Gefährlich sind sie aber nicht.
    foto: apa/epa/manuel lorenzo

    Sonnenallergien werden mit kühlenden Cremes, bei ausgeprägtem Krankheitsbild mit Kortison behandelt. Gefährlich sind sie aber nicht.

Bei den meisten Sonnenallergien handelt es sich um polymorphe Lichtdermatosen

Allergisch gegen die Sonne - Gibt es das überhaupt? Jein. Was der Volksmund unter einer Sonnenallergie versteht, ist keine Allergie im eigentlichen Sinn. Die Haut reagiert zwar krankhaft das auf UV-Licht, eine immunologische Abwehrreaktion findet aber nicht statt.

Generell gilt: Bei allen Formen der Sonnenallergie reagiert die Haut überempfindlich auf Licht, es kommt zu Hautveränderungen. Die häufigste Variante ist die so genannte polymorphe Lichtdermatose. Sie tritt meist dann auf, wenn die Haut noch nicht an die Sonne gewöhnt ist, zum Beispiel beim ersten Gang ins Freibad zum Saisonstart oder im Urlaub. "Sie äußert sich an lichtexponierten Stellen wie im Gesicht, am Dekolletee und am Handrücken", erklärt Hubert Pehamberger, Leiter der Universitätsklinik für Dermatologie in Wien. Es kommt zu Rötungen und zur Bildung von Bläschen die in der Folge platzen können.

Chemische Substanz und UV-Licht

Wenn sich die Haut durch eine Wechselwirkung zwischen einer chemischen Substanz, UV-Licht und körpereigenem Gewebe verändert, spricht man von phototoxischen Reaktionen. So genannte photosensibilisierende Substanzen, wie sie in Medikamenten, Waschmitteln oder Pflanzen vorkommen, machen die Haut empfindlicher für Sonneneinstrahlung. Wer sich etwa am Badesee sonnt und im Vorfeld photosensibilisierende Medikamente einnimmt oder parfümhaltige Kosmetika trägt, zählt zur Risikogruppe. Mögliche Symptome sind auch hier eine rote, brennende, geschwollene Haut und die Bildung von Bläschen.

"Echte" Sonnenallergie ist selten

Eine "echte" Sonnenallergie ist vergleichsweise selten und wird als photoallergische Reaktion bezeichnet. Anders als bei den anderen Formen, wird sie durch immunologische Vorgänge vermittelt. Der Organismus reagiert auf einen Fremdstoff mit einer überschießenden Reaktion, allerdings nur in der Kombination mit Licht einer bestimmten Wellenlänge. Als typischer Auslöser gelten chemische Lichtfilter in Sonnenschutzmitteln und Duftstoffe in Waschmitteln.

Klinisch ist das Hautbild der "echten" Allergie nur schwer von der phototoxischen Reaktion zu unterscheiden. Die Läsionen gleichen denen einer ekzematösen Kontaktdermatitis: Rötung, Knötchen, Bläschen und in der Rückbildungsphase Schuppung. Was die photoallergische von der phototoxischen Reaktion unterscheidet: Die Hautveränderungen bleiben nicht auf den Bereich der Sonneneinstrahlung begrenzt. Mediziner sprechen vom Streuphänomen.

Allergie- und Lichttestungen

Der Gang zum Hautarzt empfiehlt sich vor allem bei ausgeprägten Formen. Durch Allergie- und Phototestungen lässt sich eruieren, ob das UV-Licht alleine oder aber die Kombination mit einer photosensibilisierenden Substanz für die Erkrankung verantwortlich ist.

Bei schweren Formen ist Kortison die Therapie der Wahl, lokal in Form von Salben oder systemisch, als Tabletten verabreicht. Antihistaminika helfen den Betroffenen begleitend gegen den Juckreiz. "Die Angst vor Kortison ist unbegründet", beruhigt Pehamberger, "da es nur relativ kurzfristig verabreicht wird."

Vorbräunen unter Aufsicht

Lautet die Diagnose: Polymorphe Lichtdermatose, dann besteht die Möglichkeit sich vor dem anstehenden Karibikurlaub vorbräunen zu lassen. "Das heißt aber nicht, dass man ins Solarium gehen soll, sondern es handelt sich um eine gezielte medizinische Vorbräunung durch ultraviolette Bestrahlung und unter ärztlicher Aufsicht", warnt Pehamberger. Wenn die Sonnenallergie durch eine photoallergische Reaktion hervorgerufen wurde, sollte eine der beiden Komponenten - also Licht oder die allergisierende Substanz - künftig vermieden werden. "Dann kann es nicht mehr zum Krankheitsbild kommen", so der Mediziner.

Sonnenallergien sind oft langwierig zu behandeln und für den Betroffenen äußert unangenehm. "Gefährlich sind sie aber nicht", sagt Pehamberger. Langzeitfolgen oder Spätwirkungen sind ebenfalls nicht zu befürchten. (Maria Kapeller, derStandard.at, 15.06.2011)

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