Pop:sch mit Hirn

15. Juni 2011, 09:54
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Die queere Szeneband hat den Soundtrack ihres Lebens auf ein Album gebannt

Der Soundtrack eines Lebens: So hört sich das Debüt Album der Wiener Band "Pop:sch" an. Seit 2007 treibt sich die Band, die in ihren Anfängen noch den Anhang "con gas" führte, mit ihrem rohen Electro-Pop-Trash in queeren Szenelokalen herum und feierte damit große Erfolge.

Ihre musikalischen Ohrwürmer sind legendär ebenso wie ihre expliziten Texte: vom Fetisch Körperhaar, über Geschlechternormen, die Einsamkeit auf dem Dancefloor bis hin zu Klassenunterschieden - das alles verknüpfen die vier Front-Personen von Pop:sch zu einer Popwelt, die so leicht runter geht wie Sahneschnitten.

Dont believe in your heart -
because hearts are pretty unsmart

Die Herzensbildung blieb in all den Jahren des Barlebens natürlich auch nicht aus. Das Stück "Heartbeats" etwa zeigt das Dilemma der "großen Gefühle" zwischen Vodka, Scheinwerfern und lauter Discomusik. Wenn Neil Tennant diesen Song hören würde, ich glaube, er wäre ziemlich entzückt.

My future was like no future - it was written in the stars

Selbst das heiße Eisen Klassenunterschiede vermögen Pop:sch mit ihrer charmant-direkten Art in einen funkelnden Popsong zu verwandeln. Wenn die sozialen Unterschiede in der Queer-Szene in den Hintergrund treten, dann ist das Texterin Andrea zu wenig: "Mir ist der Song eigentlich immer noch zu unpolitisch. Denn es wird in unserer Szene viel zu schnell vergessen, dass wir aufgrund unseres sozialen Statuses eigentlich unterschiedliche Positionen und auch politische Forderungen haben."

Pop:sch träumen indes weiter, nicht unbedingt vom sozialen Aufstieg, sondern vom Ausstieg. Laut Pressetext gründeten sie ja ihre Band, um nicht mehr als Sozialarbeiterin, Büroangestellte, Student und Friseur ihre Existenz bestreiten müssen.

Es wird sich weisen, ob ihnen ihr erster Longplayer, der auf dem Wiener Label Lasvegasrecords erscheint, auf diesem Weg behilflich sein wird. Am 18. Juni präsentierte das Quartett ihr Album bei der Abschlussfeier der Regenbogenparade im WUK. Beim Donauinselfest am 24. Juni gibt es ebenfalls die Gelegenheit, Pop:sch live zu sehen. Im September ist schließlich eine Deutschland-Tour geplant, die ganz viel Pop:sch in die deutschsprachige Welt bringen wird. Gute Nachrichten. (freu, dieStandard.at, 14.6.2011)

  • Pop:sch "Top of the Pop:sch"Release: 17. Juni 2011Lasvegasrecords 2011
 
    foto: lasvegasrecords

    Pop:sch "Top of the Pop:sch"
    Release: 17. Juni 2011
    Lasvegasrecords 2011

     

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