Im Detail

Module statt Sitzenbleiben

14. Juni 2011, 14:23

Sitzenbleiben soll in der Oberstufe zur Ausnahme werden, stattdessen sollen Schüler einzelne Module nachlernen können

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) hat heute gemeinsam mit ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon und SPÖ-Bildungssprecher Elmar Mayer den Plan der Regierung zur neuen Oberstufe vorgestellt. Die wichtigste Änderung: Der Stoff der einzelnen Lehrfächer soll in Module aufgeteilt werden. Ist man in einem Modul negativ, so kann man nur dieses Modul wiederholen. Das Sitzenbleiben wird somit de facto abgeschafft.

Umsetzen will Schmied die neue Oberstufe ab dem Schuljahr 2012/13. Innerhalb von fünf Jahren sollen dann in einem Schuljahr je 160 Schulen auf das neue System umgestellt werden. Ab 1. September 2016 soll das neue Modell dann für alle Schulen gelten. 

Mindestens zwei Module pro Semester

Im Detail wird es in den Oberstufen der mittleren und höheren Schulen in jedem Fach pro Semester mindestens zwei Module geben. Die Module sollen sich laut Schmied am Lehrplan orientieren, aber am Schulstandort entwickelt werden. Ein Lehrstoffgebiet wird am Ende des ersten Semesters abgeprüft. Schafft ein Schüler ein Modul nicht, so hat er mehrmals die Möglichkeit, die Prüfung drei bzw. viermal (mit Zustimmung es Direktors) zu wiederholen. Die Schüler sollen sich auch selbst aussuchen können, bei welchem Lehrer sie diese Wiederholung der Modulprüfung machen. 

Föderunterricht und Lernbegleitung

Jene, die Prüfungen wiederholen müssen, bekommen entweder gemeinsam Förderunterricht oder können beim Lernen von einem Lehrer, den sie sich ebenfalls selbst aussuchen können, begleitet werden. Schafft es ein Schüler in vier Fächern nicht positiv abzuschließen, muss er die ganze Klasse wiederholen, positive Leistungen aus anderen Fächern gehen jedoch nicht verloren, sondern bleiben erhalten. Zusätzlich soll es für besonders begabte Schüler die Möglichkeit geben, ein Modul vorzuziehen, auch Förderkurse für Begabte sind angedacht.

Der Förderunterricht sowie die Treffen mit dem Lernbegleiter sollen außerhalb des Regelunterrichts stattfinden. Schüler haben auch die Möglichkeit individuell und selbstständig den Stoff einer Modulprüfung nachzulernen. Die Oberstufe ist dann abgeschlossen, wenn der Schüler alle Module positiv abgeschlossen hat. Dann können die Schüler zur Matura antreten. 

Schmied: Vorschlag ist kostenneutral

Schmied rechnet damit, dass ihr Vorschlag kostenneutral ist. Sie geht aufgrund der Erfahrungen mit Schulversuchen davon aus, dass mindestens sechzig Prozent jener rund 9.000 Schüler, die derzeit eine Klasse wiederholen müssen, wegfallen. Durch die Einsparungen der Kosten für die Repetenten könne man die Förderkurse sowie die Begleitlehrer bezahlen.

Bestätigt sieht sich die Unterrichtsministerin in ihrem Vorhaben durch die Ergebnisse der Schulversuche, bei denen bereits ein Kurssystem getestet wurde. In den AHS-Oberstufen sank die Zahl der Sitzenbleiber je nach Standort von 21 Prozent auf bis zu fünf Prozent. (lis, derStandard.at, 14.6.2011)

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Cayenne69
00
28.6.2011, 22:59

weiß ned was alle haben, für mich hört sich das sehr gut an

Harry Y.
 
00
28.6.2011, 22:40
Also ein für allemal: das nächste Modul kann gar nicht begonnen werden,

hat man das Vorherige nicht abgeschlossen.

Mathias
 
00
15.6.2011, 13:44
Ist man in einem Modul negativ, so kann man nur dieses Modul wiederholen. Das Sitzenbleiben wird somit de facto abgeschafft.

Aber was bedeutet das jetzt im Klartext?

zB im KK (Kaufmänn. Kolleg) der HAK (Handelsakademie) war ein Freund in 3 Modul-Fächern negativ.

Er wiederholte das Jahr und musste nur die 3 Module positiv abschließen.

Wird das damit gemeint oder hat Frau Schmied was anderes im Sinn?

Harry Y.
 
00
28.6.2011, 22:38

Nein, man steigt auf, und muß die Module in den NG-Fächern wiederholen, bis man das nächste Modul beginnen kann. Das gilt aber eben nur für die Fächer, die man mit ungenügendem Erfolg abgeschlossen hat.

D C1
01
15.6.2011, 12:25

Als Lehrerin find ich das Modell ganz gut...es ist angelehnt am Amerikanischen...die Deteilfragen werden das Interessante. Pilgern die Schüler dann, wie in den USA von Fach zu Fach ohne eigenen KLassenraum, gibts dann noch so etwas wie Klassen oder Klassenvorstände? etc. etc. Zu bedenken geb ich nur zwei Sachen. 1)Ist das amerikanische System nicht dafür bekannt das beste zu sein (Niveau der Schulen in USA ist durchschnittlich katastrophal. 2)Find ich es seltsam, dass man die Schulen "veruniversitiert" und die Unis "verschult"...kann ja nur zu Problemen führen

xxx...yyy...
01
16.6.2011, 15:35
so wie ich das verstanden habe, bleiben die wie bisher als klasse zusammen

und womit ich ein verständnisproblem habe ist die frage wann ein schüler das verhaute modul nachholen soll, wenn er ja im plan bereist das nächste machen soll.

mamilu
00
15.6.2011, 19:15
Wie funktioniert das Modulsystem??...

...Schüler X hat in der 5. Klasse ein NG im Modul Englisch. Er steigt auf und muß im 6. Jahr z.b. laut Stundenplan am Dienstag in der 4. Stunde statt regulär in Mathematik zu sitzen in die 5. Klasse um dort das Englisch-Modul nachzuholen - natürlich mit der Belastung der Schularbeiten, Wiederholungen und Tests etc. - sprich er/sie versäumt automatisch den Lehrstoff Mathematik vom 6. Jahrgang. Da das Englisch-Modul zweistündig ist im 5. Jahrgang kommt zum Dienstag 4.Stunde noch z.B. Freitag 2. Stunde (Englisch 5.Jg. statt Deutsch 6.Jg.) dazu. Mit einem Fach mag das ja noch funktionieren aber mit 3 Fächern????!!!! - da wird der Schüler komplett aus dem Regelunterricht herausgerissen...

Harry Y.
 
11
28.6.2011, 22:35
Lesen Sie den Artikel nochmals, verdammt!

"Außerhalb des Regelunterrichts" steht oben!

RS69
 
00
21.7.2011, 18:36

Dh - dass dann alle Kurse parallel noch mal nachmittags angeboten werden? Das wären dann enorme Zusatzkosten.

m rams
00
17.6.2011, 01:51
Soweit ich das verstanden habe,

ist das mit dem Modulsystem nur so gedacht, dass sich die Schüler die negativen Noten selbst ausbessern.
Sprich: Förderunterricht, Lerngruppen und selber lernen. Und ich vermute mal Nachhilfe.
Oder anders gesagt, es gibt keine Wiederholungsprüfung am Schulanfang, sondern mehrere Prüfungstermine irgendwann, man kann es öfter probieren und man kann sich anscheinend noch weniger strenge Lehrer aussuchen.
Wird halt dann wie an der Uni. Naja, fast. Die Vorteile eines Kurssystems übernimmt man nicht, aber immerhin das vor-sich-her-schieben von Prüfungen.

D/E
00
15.6.2011, 20:06
Die praktische Ausführung überlasst die größte Unterrichtsministerin einfach den Läufeln:

http://derstandard.at/130455436... zenbleiben

Was kümmert die Steuerfrau der Kleinkram?

jane.doe
00
15.6.2011, 11:56

Klingt nach einem guten Vorschlag, allerdings normalerweise happerts gewaltig in der Umsetzung... Somit schau ma mal was draus wirklich wird! ; )

D/E
00
15.6.2011, 14:54
Warum?

Die Umsetzung hat die Frau BM ohnehin schon vertrauensvoll in die Hände der Lehrer/innen gelegt?

http://derstandard.at/130455436... zenbleiben

Die werden das schon irgendwie machen, eventuell begleitet von der Uni Klagenfurt und dem Bifie. Die verteilen dann die Hacken und kassieren dafür irgendwelche Förderungen.

Bei der Zentralmatura geht's ja auch.

natoll
10
15.6.2011, 11:22

naja, ob das mal durchdacht ist. in der realität wirds doch so sein, das ein paar lehrer bei der aussucherei sehr begehrt sein werden und andere däumchendrehend zuschauen. das wird so nicht funktionieren.

RS69
 
00
18.11.2011, 19:36

Man muss dann nur die Konsequenzen ziehen, hinterfragen warum manche nicht begehrt sind, und Konsequenzen setzen.

srinivasa
10
15.6.2011, 10:58
sicher ein Gewinn!

Wenns organsierbar ist, dann ist dieses System sicher ein Gewinn. Ich kann mir vorstellen, dass es der "Notenwahrheit" sicher dienlich ist. Vor allen Dingen bekommen wichtige Stoffgebiete somit ihr Gewicht.
Das Aussuchen der Lehrer wird sicher nur begrenzt möglich sein (wenns der oder die Lehrerin nicht in dem Jahr unterrichtet, gehts halt nicht).

RS69
 
00
21.7.2011, 18:38

"Wenns organsierbar ist"

Darin liegt ja das Problem: Wenn die Idee auf die Realität trifft. Ausgedacht ist es schnell.

der schwitzbär der schwitzt sehr
01
15.6.2011, 09:38
Bitte auch noch den Bachelor ohne Sitzenbleiben

und das Medizinstudium^^ das löst alle Probleme der Alterspyramide :-)

Unterschichtler
01
19.6.2011, 10:52

Der Bachelor (egal welcher Studienrichtung) und das Medizin-Studium sind auch jetzt schon ohne Sitzenbleiben. Man muss dort nur jene Prüfungen wiederholen, die man geschafft hat und nicht ein ganzes Jahr.

LGM
00
28.6.2011, 23:35

also ich würde nur ungern die Prüfungen wiederholen, die ich geschafft habe...
Aber zum Glück mach ich keinen Bachelor

darfichauchwassagen
21
15.6.2011, 09:25
Österreich, das Land

der Mediokritäten, so ist es und so wird es bleiben, solange diese Leute derartige Politik kreieren. Wie soll das bitte für die jenigen förderlich sein, die nur a bisserl über dem Durchschnitt herausragen, wenn sie mit den Schülern sitzen müssen, die überhaupt kein Interesse haben?

asinus
11
15.6.2011, 02:46

Wetten, dass diese "Reform" nicht konstenneutral sein wird? Wenn die Schüler ihre Stützlehrer selbst aussuchen, und es trifft z.B. zwei oder drei Lehrer mehrfach, müsste dieser ja derart viel zusätzliche Stunden halten, die dann Überstunden wären. Und zudem müssten trotzdem andere, nicht so erwünschte Lehrer mitmachen, um das zu bewältigen.Und aus der Erfahrung heraus, ein Schüler mit drei oder vier Nichtgenügend ist meistens einer, der an der Schule so gut wie kein Interesse hat. Der soll jetzt halt mit allen Mitteln durchgepeppelt werden. Sinnvoll?

Hubert Hawkins
01
15.6.2011, 11:50
Österreichische Lösung

Die österreichische Lösung ist, dass man es sich in der Theorie aussuchen kann wer einen stützt oder bei wem man das Modul wiederholen kann. Das klingt ja bei Pressekonferenzen toll. Die Realität ist dann: Es gibt an der Schule gar keinen zweiten Lehrer für das Fach. Der Zweitlehrer ist schon im Überstundenbereich. ...

frank franki
01
15.6.2011, 11:04

Wen interessiert es schon, worauf Sie wetten?

Es ist allemal sinnvoller das Geld für Fördermaßnahmen auszugeben, anstatt für sinnloses Nachsitzen. Sollte es dann nicht kostenneutral sein, dann ist es eben so.

D/E
00
15.6.2011, 15:06
Warum hören wir dann seit Jahren, das Wiederholen sei so unsagbar teuer?

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