Modulsystem

Schmied: Neue Oberstufe ohne Sitzenbleiben

Lisa Aigner und Rosa Winkler-Hermaden, 14. Juni 2011, 14:23

Der Lehrstoff in der Oberstufe soll in Module aufgeteilt werden - Schmied erklärt im Interview was ihr Konzept bringt

Mehr Eigenverantwortung und eine bessere Vorbereitung für die Universität erhofft sich Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) von einer Oberstufe mit Modulsystem. Warum Sitzenbleiben nicht zum Erfolg führt und sie Noten beibehalten will, erklärt sie im derStandard.at-Inteview. Die Fragen stellten Lisa Aigner und Rosa Winkler-Hermaden.

Details zur neuen Oberstufe gibt es hier.

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derStandard.at: Bis 2016 soll die Oberstufe an allen Schulen umgestellt werden. Was soll das neue Kurssystem bringen?

Schmied: Mehr Verantwortung für die Schüler und Schülerinnen, effizientere Bildungswege und ein Stück mehr Freude am Lernen. Das, was positiv abgeschlossen wurde, geht nicht verloren - auch wenn man die Klasse wegen mehr als vier Fünfern wiederholen muss.

derStandard.at: ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon hat angekündigt, dass die SchülerInnen künftig "gefördert und gefordert" werden sollen. Mit welchen Maßnahmen?

Schmied: Der Lehrstoff wird viel besser gegliedert. Innerhalb eines Semesters werden zumindest zwei Lernmodule gebildet. Das Lerngebiet für die Schüler wird damit übersichtlicher. Man kann es in den einzelnen Modulen und Teilen abschließen. Das heißt, wenn man in einem Modul negativ ist, kann man sich wirklich auf dieses Stoffgebiet konzentrieren und muss nicht den Lehrplan eines ganzen Jahres nachholen.

Sollte ein Bereich negativ sein, hat der Schüler auf jeden Fall das Recht, einen Lernbegleiter in Anspruch zu nehmen. Das ist freiwillig. Ich glaube, dass ein Mentor in einer solchen schwierigen Phase sehr positiv wirken kann. Es muss an den Schulstandorten entsprechender Förderunterricht angeboten werden. Bei den großen Schulen werden das Kurse sein, da werden mehrere Schüler zusammenkommen. Bei kleineren Schulstandorten wird dieser Förderunterricht individueller sein. Wir dürfen nicht vergessen, es geht um die Oberstufe: da sind die SchülerInnen schon ein bisschen fortgeschrittener - auch in ihrer Lernkultur. Wir wollen sich auch schon besser in Richtung universitäre Bildung führen. Das heißt, mehr Eigenverantwortung, mehr Eigenständigkeit, bessere Portionierung des Lernstoffes - und Positives geht nicht verloren.

derStandard.at: Warum bleibt der Klassenverband erhalten? Der ursprüngliche Plan war es, ein komplettes Kurssystem einzuführen.

Schmied: Das Kurssystem bleibt für größere Schulstandorte bestehen. Wenn mehrere Schüler zusammenkommen, wird es einen Kurs geben. Bei kleineren Schulen nicht.

derStandard.at: Glauben Sie, dass die künftigen Mentoren leicht zu finden sein werden oder rechnen Sie mit Konflikten mit der Lehrergewerkschaft?

Schmied: Nein, ganz und gar nicht. Ob das die Bildungsstandards sind, die neue Matura, die Individualisierung des Unterrichts - wir kommen immer stärker hin zu einer Orientierung, die nicht mehr heißt: "Ich und mein Fach und meine Klasse", sondern "Wir und unsere Schule". Es gibt mehr Eigenverantwortung der Schüler, es wird regelmäßig mit den neuen Bildungsstandards zu Feedbackgesprächen kommen. Das zu kultivieren und dazu beizutragen, das wird der wahre Paradigmenwechsel in der Schule sein: miteinander am Erfolg arbeiten und nicht gegeneinander.

derStandard.at: Sollen die Module vom Lehrer, von der Schule oder vom Ministerium zusammengestellt werden?

Schmied: Die Module werden sich aus dem Lehrplan ergeben. Das wollen wir aber nicht starr vom Minoritenplatz vorgeben. Das wird sich am Schulstandort entwickeln.

derStandard.at: Das Sitzenbleiben wird de facto abgeschafft. Warum ist Ihnen das so ein Anliegen?

Schmied: Das Sitzenbleiben führt erstens nicht zum Erfolg und wirkt meistens demotivierend. Der Schüler wird oft aus seinen sozialen Kontakten herausgerissen und die Erfolge sind nicht berauschend. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der sitzengeblieben ist, dann zum Spitzenschüler wird, ist sehr gering. Das ist keine leistungsfördernde Maßnahme. Die Schulversuche zeigen uns, dass es anders besser geht.

derStandard.at: Warum wollen Sie das Sitzenbleiben in der Unterstufe nicht abschaffen?

Schmied: Ich muss ehrlich sagen, wir haben so viele bildungspolitische Themen im Augenblick und ich bin froh, dass wir nun regierungsintern die Einigung auf den Oberstufenbereich haben. Das heißt nicht, dass wir nicht auch über Reformen in der Unterstufe nachdenken sollten, aber erwiesenermaßen - das sieht man auch in der Statistik - ist Sitzenbleiben ein Thema der Oberstufe.

derStandard.at: Rechnen Sie damit, dass Sie für die Förderkurse und die Lernbegleitung genügend Personal finden werden? Es herrscht jetzt schon Lehrermangel.

Schmied: Ich gehe davon aus, dass die Lehrer am Schulstandort das sehr gerne wahrnehmen werden. Es wird die Schulpartnerschaft, die Schulidentität und das Wir-Gefühl stärken. Klar ist, dass es entsprechende finanzielle Leistungen notwendig machen wird. Das können wir nicht gratis verlangen. Aber da mache ich mir keine Sorgen, da wird die Lehrergewerkschaft schon darauf achten. Jetzt warten wir die Begutachtungsfrist ab.

derStandard.at: Von den Grünen gab es die Forderung die Noten in der Volksschule abzuschaffen. Was sagen Sie dazu?

Schmied: Ich bin nicht dafür Schulnoten abzuschaffen. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, die sehr oft Rankings, Ratings und Bewertungen vornimmt, das ganze Berufsleben hindurch. Was ich für sehr sinnvoll halte, ist das jetzige Notensystem zu ergänzen, um verbale Beschreibungen oder mit näheren Detailangaben, damit der Schüler auch zielgerichtet nachlernen kann.

derStandard.at: Warum braucht man Noten, warum reichen nicht Detailangaben?

Schmied: Ich bin mir ziemlich sicher, wenn wir die Noten abschaffen würden, würden sich binnen kürzester Zeit Sprachkürzel einstellen. So wie bei verbalen Beurteilungen in Unternehmen. Wenn Sie lesen "Er hat sich sehr bemüht", dann weiß jeder, was los war. Es würde sich sehr rasch ein den Noten vergleichbarer Code herausbilden.

derStandard.at: Die Neue Mittelschule war heute kein Thema. Haben Sie es schon aufgegeben eine richtige Gesamtschule einzuführen?

Schmied: Mit der ÖVP ist sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht durchführbar. Was aber nicht heißt, dass mein Ziel nicht die gemeinsame Schule der 10- bis 14-jährigen ist. Daran halte ich fest.

derStandard.at: Wann kommt die Türkisch-Matura?

Schmied: Auch das ist ein Thema, das nicht im Regierungsprogramm enthalten ist. Ich sehe das ganz entspannt und unverkrampft. Wir haben bisher vierzehn Sprachen, die man sich aussuchen kann als zweite lebende Fremdsprache. Ich hätte nichts dagegen hier eine fünfzehnte oder eine sechzehnte einzuführen. Es ist völlig klar, dass Deutsch die Unterrichtssprache bleiben wird. Ich dränge jetzt nicht, es ist nicht im Regierungsprogramm enthalten. Wenn der Regierungspartner nicht mitzieht, ist es nicht umsetzbar. Wir haben jetzt größere und andere Themen. (derStandard.at, 14.6.2011)

CLAUDIA SCHMIED (52) ist seit 2007 Unterrichtsministerin. Sie studierte Wirtschaftswissenschaften an der WU Wien. Seit Vor ihrer Politikerkarriere war Schmied Vorstandsmitglied der Kommunalkredit Austria AG.

Weiterlesen: Module statt Sitzenbleiben

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pons
00
22.6.2011, 10:21
S C H W A C H S I N N !!!

So einen Topfen hat man ja noch selten gehört! Frau Minister wie können Sie innerhalb eines einzigen Interviews derart inkonsistente Standpunkte vertreten? Einerseits wollen Sie, dass die armen Hascherln ja keine Überanstrengung erleiden und lassen Ihnen den Lehrstoff portioniert und unter mentorieller Betreuung zukommen. Andererseits sprechen Sie davon, dass es ein Muss ist das Benotungsverfahren beizubehalten um auf die unerbittliche, ständig bewertende Leistungsgesellschaft vorzubereiten. Na was jetzt tu mas vorbereiten oder verhätscheln? Und übrigens, glauben Sie wirklich, dass sich Ihre rund um die Uhr gecoachten Achtklässler binnen zwei Monaten Sommerferien zu seriösen Studiosis entwickeln? Aber vielleicht gibts dafür auch ein Modul?

K. Huber1
00
21.6.2011, 23:34
GröSchwAZ

Der "Größte Schwachsinn aller Zeiten" ...

Beobachter80
10
17.6.2011, 18:37
ok...

alles gut und schön, aber falls SchülerInnen in der Oberstufe untentschuldigt bzw. für die Behörde nicht nachvollziehbar entschuldigt fehlen, dann sollte es möglich sein, dass seitens der Schule bzw. Behörde die Kinderbeihilfe gestrichen und der/die Schüler einfach von der jeweiligen Schule abgemeldet werden können.

pitt stehler
00
17.6.2011, 05:24
wenn die regierung das totale chaos will

dann soll sie das modulsystem flächendeckend auch in der arbeitswelt vorschreiben. das ergebnis dürfte ernüchternd sein.

xxx...yyy...
00
16.6.2011, 10:57
ein modulsystem und fixe klassen passen halt nicht zusammen

bycicle
00
16.6.2011, 23:02
das ist

dem ministerium doch egal!!!!

D/E
00
17.6.2011, 13:17
Modularisierung und kompetenzorientierter Unterricht

laufen ja auch diametral auseinander.

s.i.a s.l.
00
16.6.2011, 07:36
ob die schüler heute reifer sind

und mit einem modulsystem zurechtkommen, das ist die frage. viele studenten, wieviele weiß ich nicht, sind mit diesem system oder waren es zu meiner zeit ziemlich überfordert. vor allem schwächere haben ein verschultes system wie es auf der pädagogischen hochschule noch ist, lieber. aber wahrscheinlich werden auch die volksschüler bald in modulen lernen, oder in konsolen.

Carla Sociale
10
17.6.2011, 13:06
Das Modulsystem wird auch an Universitäten nicht in dieser Form angeboten,

zumindest nicht in ernstzunehmenden Studienrichtungen.
Um in ein Proseminar aufgenommen zu werden, sind meist Prüfungen über bestimmte Vorlesungen abzulegen. Für ein Seminar braucht es Prüfungen über weitere Vorlesungen und absolvierte Proseminare.
Aufschieben von Prüfungen führt zu fehlender Teilnahmeberechtigung an weiterführenden Veranstaltungen und verlorenen Semestern.

marie berg
11
16.6.2011, 09:15
16 jährgie dürfen zwar wählen,

kommen aber nicht mit einem schulmodulsystem zurecht? aja.

Carla Sociale
00
17.6.2011, 13:29
Damit sie auch die richtige "Paddei wöhn", dürfen sie auch nicht mehr durchfallen.

Aber auch diese Maßnahme wird die Jugendlichen nicht vom falschen Wahlverhalten abbringen.

m rams
00
16.6.2011, 13:15
Es kommen auch über 18-jährige oft nicht

mit einem Kurssystem zurecht. So einige meiner Studienkollegen sind nicht am Studium selbst gescheitert, sondern an der mangelnden Selbstorganisation.
Ich war nicht selten erstaunt, wenn mir ein Kommilitone erzählt hat, dass er schon x Prüfungen vor sich her schiebt und ans aufhören denkt, während ich wusste, dass er problemlos mit Auszeichnung maturiert hatte.

Selbstverantwortung ist gut, aber viele brauchen den ständigen Druck/Kontrolle um etwas zu leisten, bzw. leisten zu können. Das ist an der Schule nicht anders als im Berufsleben.

LGM
00
16.6.2011, 13:50

Ich kenne einige, die auf der FH studieren, da sie selber sagen, dass sie den geregelten, schulähnlichen Betrieb brauchen, um etwas weiterzubringen.
Bei den mir bekannten geht es aber nicht um Unfähigkeit zur Selbstorganisation, sondern darum, dass sie zumindest glauben,einen gewissen druck zu brauchen

marie berg
00
16.6.2011, 15:11
vielleicht

hat das damit zu tun, dass ihre bekannten nichts anderes kennen, ausser unter fremdruck zu arbeiten?

LGM
00
16.6.2011, 15:20

Das stimmt sicher. Aber wenn man merkt, dass einem die Art des Unterrichts an der TU nicht zusagt, warum nicht zu etwas wechseln, was für einen persönlich besser funktioniert?

marie berg
00
16.6.2011, 13:36
ja, es gibt

auch kinder, die suchen sich ein leben lang keine eigene wohnung. ich denke, doch, dass selbstbestimmtheit und entscheidungsfreiheit eine der grundfesten unserer gesellschaft sind. je früher dass gelehrt wird, desto besser.

Carla Sociale
00
17.6.2011, 13:33
Die Gemeindewohnung sucht man nicht,

sondern bekommt sie von der "Paddei" zugeteilt.

D/E
00
17.6.2011, 13:19
Ja, denn um diese lebenslangen "Kinder" geht es ja.

Wenn so ein dreißigjähriges Kind beim Wohnungsuchen scheitert, hat sicher schon wieder einmal die Schule versagt.

the bugger_off
00
21.6.2011, 12:32
nein,

dann ist sicher die mutter schuld ;) -sicher so eine fiese emanze die sich hat scheiden

Wiener Mafioso
02
16.6.2011, 07:16
Es gibt doch eine einfache Lösung:

Abschluss des Kindergartens mit bachelor, wer dann immer noch nicht genug hat, kann die neue Mittelschule mit Master abschließen. Und schon haben wir ein Land voller Akademiker.

GE ORG!
 
12
15.6.2011, 20:28
Wer in der Oberstufe mehr als 3 5er hat

ist nicht geeignet!
Ich weiß aus Erfahrung, dass das Wiederholung einer Schulstufe die bessere Lösung ist! Das sagten mir die Betroffenen selbst.
Aber die sogenannten Experten (Pädagogen) wissen alles viel besser...
Ich wette die meisten von denen waren noch nie in einer Klasse als Lehrer

the bugger_off
00
21.6.2011, 12:43
was jetzt?

"ist nicht geeignet!" oder "Wiederholung einer Schulstufe die bessere Lösung"
also nicht geeignet ist doch geradezu unmöglich bei dem was an österreichs ahs-en gefordert wird. mit unserer matura (abgesehen vielleicht von ein paar spezialschulen und anderen (privaten)ausnahmen), wird man doch in keinem anderen land zu einem ordentlichen studium zu gelassen. ösi ahs oberstufe/ matura ist sicher keine akademische vorbildung (mehr?)

RS69
 
00
15.6.2011, 22:56

Schüler die gerade am System scheitern sind also die ultimativen Bildungsxperten, die die langfristigen Aspekte aus Ihrer Erfahrung beurteilen können?

Lila Panther
00
15.6.2011, 19:38
Diese Ansätze klingen ja gut und vernünftig, allerdings für eine Gesellschaft, die Eigenverantwortung kennt.

Diese scheint in unserer Gesellschaft aber nicht sehr ausgeprägt. Ob das die Schulen, auf die schon längst alles abgeschoben wird, werden leisten können, bleibt dahin gestellt. Erprobenswert ist der Ansatz auf alle Fälle. Die Ministerin hat sich im Vergleich zu ihren ersten Meldungen vor Jahren als lernfähig erwiesen. Nach dieser langen Phase muss sie jetzt ja auch die Konzepte dazu haben.

R. Lexer
01
15.6.2011, 19:40

Ich würde es eher so sehen: Woher soll man als Österreicher auch Eigenverantwortlichkeit kennen, wenn ganze Generationen in der Schule nie damit in Berührung gekommen sind?

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