Feinwagen mit Charme und Pepp

14. Juni 2011, 16:56
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Der Mercedes CLS hat es faustdick hinter den Kotflügeln

Der erste CLS, also das Vorgängermodell, war ja ein Meilenstein der Automobilgeschichte, eindeutig hatte Mercedes als Erster das viertürige Coupé wiederentdeckt. Die Konkurrenz nahm sich daran auch schnurstracks ein Vorbild, etwa Audi mit den Sportbacks A5 und A7 und klassenübergreifend VW mit dem Passat CC. Auch BMW wird nicht umhinkommen, eine Viertürvariante des 6er-Coupés zu bringen. Und klar, Porsches Diesel-Panamera ist auch ein Gegner.

Bei der Ankündigung des neuen CLS ging es hauptsächlich darum, das "Mehr" zu erklären. Und wenn man sich dem Auto nähert, versteht man sogar, was es heißt: "mehr" Design. Tatsächlich ist das Auto freizügiger gestaltet - als die E-Klasse naturgemäß sowieso, aber auch als sein Vorgänger. Die Schnauze zeigt jetzt unumwunden, hier komm ich. Das Auftreten ist insgesamt wuchtig und dynamisch. Anfangs möchte man einen gewissen Widerspruch zwischen der zur Schau gestellten Dynamik und dem Dieselmotor erkennen, aber schnell wird klar: Spätestens die Mächtigkeit des Antritts durch 620 Nm Drehmoment unterfüttert den forschen Blick der Scheinwerfer mit Sinn.

Ansonsten: Von Sportlichkeit im engeren Sinn kann hier nicht gesprochen werden. Der CLS ist immer noch im Wesen die Limousine, wenn auch mit souveränen Fahrleistungen und erfreulicherweise geringem Verbrauch.

Das Dahingleiten ist eindeutig der bevorzugte dromologische Aggregatzustand dieses Fahrzeugs. Deshalb dauert es auch nicht lang, bis sich nach dem prinzipiell unökonomischen Losfahren die Verbrauchsanzeige auf klar unter acht Liter auf 100 km einpendelt. Und irgendwie kommt man sich dann verdammt vernünftig und clever vor, auch wenn die Spritrechnung im Gesamtzusammenhang noch immer ein Lercherl ist bei den runden 100.000 Euro, die unser Testwagen auf die kalkulatorische Waage brachte. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/10.06.2011)

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