Der richtige Platz für Dinge folgt einer Art Formel

14. Juni 2011, 08:17
  • Sebastian Menschhorn in einer von vielen Ecken seiner Wohnung. Vor allem der Perserteppich hat es ihm angetan. 
(Foto: Lisi Specht)
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    foto: lisi specht

    Sebastian Menschhorn in einer von vielen Ecken seiner Wohnung. Vor allem der Perserteppich hat es ihm angetan.

    (Foto: Lisi Specht)

Der Designer Sebastian Menschhorn wohnt hoch über der Wiener Innenstadt

Der Designer Sebastian Menschhorn wohnt hoch über der Wiener Innenstadt, freut sich aber auch über den Ausblick in den Innenhof. Michael Hausenblas war zu Besuch.

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"Die Wohnung liegt im ersten Bezirk, über einem großen Platz, und ist groß. Sie liegt im neunten und obersten Stock eines Hauses aus dem Jahr 1959. Ich wohne hier mit meinem Freund, dem Bühnenbildner Alexander Lintl, seit gut eineinhalb Jahren. Wir teilen uns ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer, ein Esszimmer, zwei Arbeitszimmer, ein Gästezimmer, eine Küche, ein paar Abstellräume, zwei Vorzimmer, zwei Garderoben, zwei Bäder, zwei WCs und noch ein Extrazimmer, viel Licht und viel Himmel. Balkon und Loggia gibt's auch.

Spannend ist für mich, dass der neunte Stock höher liegt als die Gebäude in der Umgebung, und dass der Blick dadurch einfach ganz speziell ist. Wir sehen viel Himmel und bekommen den Sonnenaufgang und Sonnenuntergang mit. Tages- wie Jahreszeiten lassen sich hier also hautnah erleben.

Diese Wohnung ist ein wunderbarer Platz für Wien-Sightseeing. Man kann sämtliche Kuppeln und Kirchtürme des ersten Bezirks sehen, aber auch das Obere Belvedere. An klaren Tagen sieht man bis zum Schneeberg. Auf der anderen Seite schauen wir auf das Wien jenseits der Donau. Das ist ein extrem spannender Blick-Gegensatz zum ersten Bezirk. Und Silvester hier oben ist natürlich ein Highlight. Ich mag auch das Flair des Innenhofs. Am Abend hört man das Klappern des Geschirrs von anderen Hausbewohnern, und die Schwalben fliegen einem vor der Nase vorbei. Auch das ist eine ganz wunderbare Atmosphäre. Der Balkon spielt sowieso eine Riesenrolle, vor allem die Obstbäume dort. Es ist unglaublich schön, mitten in der Innenstadt seine eigenen Früchte zu einer Torte zu verarbeiten.

Das Haus steht im ältesten Teil Wiens, und zwar im ehemaligen Herzstück von Vindobona. Hier befand sich früher das Forum. Viel später war hier ein Palais, das im Krieg zerbombt wurde. Man kann Reste davon im Film Der Dritte Mann sehen. Unglaublich: Der ganze Platz war eine einzige Schutthalde.

Stilistisch ist die Wohnung ein Mix aus Sixties, ein paar modernen Sachen, Asiatika und so weiter. Es gibt Perserteppiche, Objekte aus Japan, China und dem arabischen Raum, viel Travertin, große Fensterflächen, einen weißen Polyurethan-Boden, einen großen Kamin et cetera. Fast jeder Gegenstand hat eine Geschichte.

Mir ist wichtig, dass wir genug Platz für Gäste haben. Im Esszimmer bringen wir bis zu 16 Leute unter. Das Wohnzimmer lebt von einer sehr intimen Atmosphäre mit einer großen Liege vor dem Kamin. Und trotzdem lassen sich hier auch einwandfrei Partys feiern. Wohnen ist für mich nicht in erster Linie Schutz und Rückzug. Schon auch, aber man ist sich und seinen Problemen daheim ebenso ausgesetzt. Außerdem bin ich gar nicht so viel zu Hause. Ich bin viel in meinem Büro im siebenten Bezirk. Es passt so, wie es ist.

Klar hat mein Beruf als Designer damit zu tun, wie es hier aussieht. Es gibt hier auch einige Dinge von mir, zum Beispiel Sofas oder etwa der Tapetenentwurf im Vorraum, der eine Art virtuellen Raum spüren lässt. Wichtig und spannend ist, dass jedes Ding seinen eigenen Platz hat. Und der basiert auf einer Art Formel, die sich aus dem Raum und Bewohner ergibt. Aus ästhetischen wie auch aus praktischen Bedürfnissen findet sich für jedes Objekt der richtige Platz. Ich glaube, dass viele Menschen beim Einrichten zu wenig in sich hineinhören. Da ist es dann die Aufgabe eines guten Interior Designers, die Bedürfnisse und Wünsche herauszufinden und sie mit den Raumgegebenheiten in Einklang zu bringen. Regeln gibt es keine. Perserteppiche beispielsweise können unendlich langweilig und spießig sein, werden sie aber richtig eingesetzt, dann sind sie eine wunderbare Sache. Das gilt für fast alles." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12./13.6.2011)

Der Wiener Designer SEBASTIAN MENSCHHORN wurde 1971 geboren. Er studierte Industrial Design an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Seine Tätigkeitsbereiche reichen von Objektdesign, zum Beispiel für Hermès und Lobmeyr, bis hin zum Grafikdesign, etwa für das Kunsthistorische Museum Wien oder das Textilunternehmen Backhausen. Außerdem gestaltete Menschhorn Schmuck für Köchert und Ausstellungen für die Wiener Wirtschaftskammer. Darüber hinaus ist er - gemeinsam mit der Gestalterin Megumi Ito - als Interior Designer tätig.

Link

www.sebastianmenschhorn.com

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13 Postings
Juhuuuuuu, endlich wieder ein Bobo :-)

sehr ansprechende Möbel, indiskutabel grottige Bilder!

ein designer ...

kauf bei IKEA?

da hätt ich mir jetzt aber ein bißl was exklusiveres (schöneres) erwartet.

welches der möbelstücke ist von ikea?
ich seh hier kein einziges.

Toll, ich will auch einen Artikel über mich,

weil ich hab so ein schönes Auto, damit kann man in den siebten Bezirk fahren, ja man kann sogar sightseeing damit machen, wenn man will. Und es war teuer. Jedes Ding in diesem Fahrzeug hat seinen Platz, das Lenkrad, der Tacho, ja es hat sogar zwei Rückblickspiegel! Die Fussmatten habe ich übrigens selbst ausgewählt, die lassen einen den virtuellen Raum ganz anders spüren.

geschmackvolle möbel kombiniert mit geschmacklosen bildern: das hat was.

...na ich mag die Fotos von Pierre & Gilles.

...und schon wieder nur ein foto.

Na das ist aber schoen, dass sich reiche Leute schoene Wohnungen leisten koennen, da freu ich mich

Wenn Sie eine Schwäche für Wohnen und Interieur hätten, dann wuerden Sie so etwas nicht schreiben. So gut wie jeder kann es sich in AUT wohnlich und hübsch machen. Unabhaengig von Groesse und Budget. Nur auf andere zu schauen und den Neidhammel raushängen zu lassen, macht die eigene Wohnung auch nicht wohnlicher und schöner.

...und das eigene Leben übrigens auch nicht.

das ist so.....schöner wohnen.

Sehr schöne Wohnung!

zimmer meinen sie. oder kennen sie die wohnung.

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