Opernszenen zweier Ehen

13. Juni 2011, 19:07
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Saverio Mercadantes Oper "Il due Figaro" bei den Salzburger Pfingstfestspielen mit Riccardo Muti

Salzburg - Bevor es also 2012 losgeht mit Cecilia Bartolis Konzept, also mit der singenden Intendantin der Salzburger Pfingstfestspiele als Cleopatra in Händels Giulio Cesare in Egitto und Konzertgästen wie Anna Netrebko (sie ist bei einer Uraufführung dabei), noch einmal eine Exkursion zur altehrwürdigen, historisch einflussreichen neapolitanischen Opernschule. Wobei: Mit Barock hat das zum Finale des fünfjährigen Projektes gar nichts mehr zu tun. Festivalleiter und Dirigent Riccardo Muti hat sich bei seiner letzten in die Bühnenrealität übergeführten Opernausgrabung bis in das 19. Jahrhundert vorgearbeitet.

Es war ja Mozarts Figaro schon ganze 49 Jahre alt, als Komponist Saverio Mercadantes Fortsetzung Il due Figaro 1835 in Madrid uraufgeführt wurde - quasi als Szenen zweier Ehen. Figaro und Susanna stehen einander hier sehr skeptisch gegenüber, natürlich auch die Gräfin und der Graf. Letzterer will aber vor allem Tochter Inez verheiraten, wobei ihm Figaro einen Kandidaten unterjubeln will, der sich als unwürdig erweist, weil selbst einst Diener. Tochter Inez hingenen schwärmt eher für Cherubino, der seine Identität allerdings hinter den Namen Figaro zu verstecken pflegt.

Es gilt also in der edle Säulenhalle (Bühnenbild: Daniel Bianco) im Haus für Mozart ein ziemliches Wirrwarr an Intrigen unterzubringen. Und dies gelingt - im Vergleich zu den starren Pfingstregien der letzten Jahre - der Inszenierung von Emilio Sagi vergleichsweise lebendig.

Im sympathischen Kostümschinken erlebt man eine solide Komödie, in der Aristokraten gegenüber ihren Untertanen den machterhaltenden Schein zu wahren versuchen, erlebt ein insgesamt tanzfreudiges Milieu und mitunter humoristische Einzelleistungen der Intriganten. Die jungen Sänger allerdings sind von hoher Qualität: Ob nun Antonio Poli (als Graf ein bisschen steif), Rose Feola (als Inez), Annalisa Stroppa (als Cherubino) oder Eleonora Buratto (als Susanna) und Mario Cassi (als quirliger Figaro) - sie alle meistern die bisweilen extrem schweren Partien auf internationalem Niveau; wie auch Omar Montanari (als Plagio).

Beim tadellos begleitenden Orchestra Giovanile Luigi Cherubini merkt man die strenge und präzise Handschrift von Riccardo Muti, der dem orchestralen Ganzen eine gewisse Straffheit verlieh, wobei der Klang des Orchesters mitunter kaum über das Solide hinausragt. Natürlich, um das musikalisch durchaus interessante und bisweilen sogar melodisch kostbare Werk Mercadantes von seinen szenischen Längen zu befreien - dazu hätte es einer zupackenden Regie bedurft, die szenische Kräfte dauerhaft entfesselt hätte.

Das allerdings ist mit Riccardo Muti, der übrigens nun auf die Ehrenbürgerschaft Roms verzichtet hat, nachdem sich die regierende Mitte-rechts-Allianz über die Auszeichnungspläne echauffiert hatte, leider nicht zu machen. Der Applaus war jedenfalls üppig. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD/Printausgabe 14. Juni 2011)

  • Mitten in der Hochzeits-Intrige: die Gräfin (Asude Karayavuz), Susanna (Eleonora Buratto) und Inez (Rosa Feola).
    foto: silvia lelli

    Mitten in der Hochzeits-Intrige: die Gräfin (Asude Karayavuz), Susanna (Eleonora Buratto) und Inez (Rosa Feola).

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