Kroatiens Chance

13. Juni 2011, 18:18

Trotz der Altlasten und trotz der schlechten Erfahrungen mit Bulgarien und Rumänien kann man die Empfehlung aus Brüssel vorbehaltlos begrüßen

Schneller als erwartet hat sich die EU-Kommission offiziell für den Beitritt Kroatiens ausgesprochen. Es gibt freilich noch immer einen enormen Ballast der tiefverwurzelten Korruption aus der Ära Tudjman und Sanader. Auch die leidenschaftlichen Protestdemonstrationen gegen die Verurteilung der als Helden betrachteten zwei Generäle durch das Haager Kriegsverbrechertribunal weckten neue Zweifel über die Bereitschaft zur Aufarbeitung der eigenen Gräueltaten bei der letztlich erfolgreichen Abwehr der von großserbischen Nationalisten entfachten Eroberungspolitik. Das Strafverfahren nach der Auslieferung des seit Dezember 2010 in Salzburg inhaftierten Ex-Ministerpräsidenten Ivo Sanader könnte der bereits erfolgreich verlaufenden Jagd nach korrupten Politikern und hohen Beamten einen mächtigen Auftrieb verleihen.

Trotz dieser Altlasten und trotz der schlechten Erfahrungen mit Bulgarien und Rumänien kann man die Empfehlung aus Brüssel vorbehaltlos begrüßen. Warum? Historisch, wirtschaftlich und kulturell war und ist Kroatien ein mitteleuropäischer Staat par excellence. Für das Land der 4,4 Millionen Kroaten mit einer über 6.000 Kilometer langen Adriaküste gilt der Ausspruch Josef Schumpeters, des großen österreichisch-amerikanischen Nationalökonomen: "Soziale Strukturen, Typen und Verhaltensweisen sind Münzen, die nicht leicht schmelzen. Sind sie einmal geprägt, überdauern sie möglicherweise Jahrhunderte." Es war die vom Nationalismus verblendete und zutiefst korrupte Führungsgarnitur um Franjo Tudjman, den ersten Präsidenten der unabhängig gewordenen Adriarepublik und um ihre Nachfolger, die die Chance eines schnellen Beitritts während der seit sechs Jahren laufenden Beitrittsverhandlungen immer wieder verspielt hatte.

Der von den Sünden der Vergangenheit unbelastete Staatspräsident Ivo Josipović und die mutige, aber von vielen Seiten bedrängte Ministerpräsidentin Jadranka Kosor haben viel getan, um die Korruption zu bekämpfen und die Reformbemühungen (unter anderem Unabhängigkeit der Justiz, Beschleunigung der Gerichtsverfahren und die Strafverfolgung der Kriegsverbrechen) zu verstärken. Die grenzüberschreitende politische Nützlichkeit des Beitritts Kroatiens mit Blick auf die Spannungen in der ganzen Balkanregion liegt auf der Hand. Vor dem für den 1. Juli 2013 vorgesehenen Beitrittsdatum müssen alle 27 Mitgliedstaaten den Vertrag ratifizieren. Ob es überhaupt dazu kommt, hängt in erster Linie davon ab, ob die Mehrheit der Kroaten dem Beitritt in der nach der Vertragsunterzeichnung vorgesehenen Volksabstimmung zustimmen wird.

Bemerkenswert und erfreulich ist in dieser Hinsicht übrigens, dass die ungarische Ratspräsidentschaft von Anfang an mit großem Elan versucht hat, die Mitgliedstaaten zu einem zügigen Abschluss der Beitrittsverhandlungen mit Kroatien zu bewegen. Angesichts des Trianon-Kultes und des betont nationalen Kurses seiner rechtskonservativen Regierung springt damit Ministerpräsident Viktor Orbán über seinen eigenen Schatten. Budapest setzt alles auf die kroatische Karte, um noch einen krönenden Abschluss der umstrittenen Ratspräsidentschaft feiern zu können. (Paul Lendvai/DER STANDARD, Printausgabe, 14.6.2011)

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Kommentar posten
20 Postings
Aca Rankovic
20
17.6.2011, 07:48

Kein Wort über die ungelöste Eigentumsfrage der Krajina Serben?

ist halt so
00

Diese Frage kann man auch in Bosnien stellen, von den vertrieben bzw. verbliebenen Moslems und Kroaten

Ewald Schubart
00
15.6.2011, 08:59
Lazarevo bei Zrenjanin (Nagybecskerek, Komitat Torontál)

In Lazarevo (Lasarfeld, Lázárföld ) wohnte der
Henker von Sebrenica und Nagy-Betschkerek wurde
von Titos blutrüstigten Mörder Zrenjanin benannt.
Die Vertreibung und Ermordung der Schwaben, Schokacen, Ungarn, etc.. cca 60000 (sechzig Tausend
Opfer klagen).
Noch keine Entschuldigung von diesen hinterfotzigen
und in petto kommunistischen Barbaren !

Gegenflieger
00
17.6.2011, 12:13

Gabs in Österreich auch nie die aufarbeitung,im gegenteil,sogar Karriere war danach noch möglich.

Mahler
24
14.6.2011, 13:08
In Serbien wurde praktisch keine Ethnie vertrieben

in den hochgelobten Provinzen Kroatien und Kosovo kam die serbenreine Gesellschaft zur Verwirklichung. Als Belohnung für die von der EU geförderte Vertreibungspolitik werden sie in die EU gepusht. Das Kriegsprojekt EU, das natürlich immer nur Verteidigungskriege in Jugoslawien, Afghanistan, Irak und Libyen führte schreitet weiter von Krieg zu Krieg. Schuld sind selbstverständlich immer jene, die Bomben der EUSA auf den Kopf kriegen. Einfache Logik. Wer Bomben der EUSA den Kopf kriegt ist immer der Pöse. Wenn nicht, dann trotzdem.

Der Ruhestifter
 
18
14.6.2011, 01:12
Das ist keine letzte chance, sondern eine sichere sache

Kroatien wird 2013 eu-mitglied werden. Serbien etwas später auch. Dann wird der nationalistische blödsinn hoffentlich allmählich zu einer unsympathischen art von folklore verblassen. Was dann auch die tür für bosnien öffnen sollte. Und irgendwann wird dann die feindschaft zwischen den völkern dort so etwas sein, wie die zwischen franzosen und deutschen: ein kollektiver irrsinn, von dessen früherer existenz man liest, ohne verstehen zu können, wie er möglich war.

il padrino
01
14.6.2011, 17:07

ich glaube eher dass die koraten den serben beim beitritt allen möglichen blödsinn inklusive gebietsgarantien abverlangen werden ... sehe den Beitritt hintereinander kritisch.. bei einem gleichzeitigen Beitritt könnte man die minderheiten und flüchtlinsprobleme besser lösen ... so gibt es wieder nur friss oder stirb

medien
03
14.6.2011, 14:25
Hr. Lendvai = K&K-Nostalgie, wie immer nicht ganz objektiv

ansonsten,glaube ich,Sie irren sich.
EU wird nichts ändern. Die Geschichte des Hasses und Mordens wurde nie aufgearbeitet, die neuesten Kriege, das Einmischen des Westens (Parteinahme auf einer Seite,Schuldzuweisung auf der anderen,etc.) prolongiert vielleicht manches,löst keine Probleme.

H.Löffler
02
14.6.2011, 16:08
Keine Aufarbeitung

Der Verhältnis unter den Völkern in Südosteuropa war über Jahrhunderte hinweg belastet. Besonders schwer wiegt, das zwischen 1945 bis in die 90Jhre hinein, keine Aufarbeitung stattfand. Im Gegenteil. Das TIto-Regime hat alles unter dem Mantel des Partisanen-Heroismus zugedeckt und eine Auseinandersetzung mit der jüngsten Vergangenheit unetrdrückt. Zu dem hat Tito den Frieden innerhalb YUs teuer mit Zugeständnissen an dei serbische Bevölkerungsgruppe erkauft. Dies förderte die AUseinandersetzungen im Vorfeld des Bügerkriegs und beschleunigte die Eskalation zum Krieg. Mit den Folgen müssen wir jetzt leben. Allerdings bereitet der EU-Beitritt Kroatiens und die weitere Annäherung Serbiens den Boden endlich die Vergangeheit zu überwinden.

Stani83
00
17.6.2011, 09:30
Was mir immer auffällt:

Fragt man die Kroaten über die SFRJ Zeit sagen viele dass Kroatien unterdrückt und klein gehalten wurde. Alle Macht ging nach Belgrad.

Fragt man die Serben sagen viele dass TITO Serbein massiv geschwächt und unterdrückt hat.

Wer hat nun recht?

Frage an Sie: Welche Zugeständnisse an die Serben hat TITO gemacht?

Bitte um Antwort mit Begründung

H.Löffler
00
17.6.2011, 11:55
Tito und Serbien

Je schwächer Tito wurde, desto größer wurde der Einfluß der Belgrader Clique. Um seine Position zu stabilisieren, mußte er dies zulassen. Diese Unausgewogenheit führte dazu, dass ich andere Volksgruppen benachteiligt wurden, und das gegenseitige Vertrauen vollends verschwandt. Schauen SIe sich z.B. mal die Besetzung in der JVA kurz vor dem Zerfall Jugoslawiens an. Und zwar nicht nur die oberste Führung.

Stani83
00
17.6.2011, 12:02
Sorry aber in der SFRJ waren die Serben nunmal mit Abstand die größte Volksgruppe

Da ist es doch nur natürlich dass ein großer Teil der JNA-Soldaten Serben waren.

Warum kommen SIe jetzt aber auf ein Mal auf das Edne der SFRJ? Sie sprachen über das TITO -Regime. Kurz vor demZerfall gab es kein TITO Regime ;)

ist halt so
00

Statistisch haben die Kroaten ja auch 40% der Bevölkerung dargestellt

Stani83
00
Häää? 40%? Die Kroaten in der SFRJ? Wo haben Sie das her?

http://de.wikipedia.org/wiki/Bev%... goslawiens

H.Löffler
00
17.6.2011, 11:50
Ganz konkretes Beispiel

Papierwerk Belisce (Osijek)

Das gesamte Management war mit Serben besetzt. Wurde eine Stelle im mittleren oder höheren Management frei, wurde fast immer ein Serbe aus Serbien mit entsprechendem Parteibuch geholt. Für Kroaten gab so gut wie keine Aufstiegsmöglichkeiten.

Stani83
00
17.6.2011, 12:08
Das ist mit Sicherheit FALSCH!

Man brauchte niemanden aus Serbien holen denn in Osjiek lebten schon seit Jahrhunderten Serben.
Und auch da ist es dann ganz natürlich dass auch diese in dem Werk arbeiteten.

Und ja man schaute früher aufs Parteibuch. Und da es ja bekanntlich gerade die Serben waren die dem Kommunismus am nähesten standen hatten diese auch mehr Parteimitglieder.

Diese ganze Managementbesetzungen hatte weniger mit ethnischen Motiven zu tun sondern viel mehr mit kommunistischen.
Das dann die Nationalisten dies gerne als Propaganda genutzt haben (WIR WURDEN DISKRIMINIERT WEIL WIR EBEN DIE ... SIND) war klar und die Nachwirkungen zeigen sich heute leider in div. Forums.

themistokles
02
14.6.2011, 17:55

Herr Löffler,
Sie vergessen, dass Serben mit Abstand die größte Bevölkerungsgruppe im ehem. Jugoslawien stellten!
Ist ja logisch, dass man diese Gruppe verstärkt mit Zugeständnissen zufriedengestellt hat.

medien
12
14.6.2011, 16:43
zum teil einverstanden,bis auf:

- die Aufarbeitung, wie zB. von Jasenovac, fand nie statt,weil das in der Titos-Zeit ein Tabu Thema war
- die serbische Bevölkerung stellte bis in die 90-ger die Hälfte der YU Gesamtbevölkerung,dies wurde,vor allem seitens Kroaten und Slowenen,als störend empfunden
- es gab keine Zugeständnisse an die Serben, da die Devise "schwaches Serbien,starkes Yu" über die Jahrzehnte gegolten hat und,
sie wissen schon,dass die obersten Yu-Politiker vorwiegend Kroaten und Slowenen waren (Tito,Bakaric,Kidric,der "Ideologe" Kardelj, Milka Planinc usw.), der serbischen "starken" Politiker wie Rankovic oder M.Djilas hat man sich bald entledigt).

ist halt so
00
Merkte man nicht

Sie haben woll vergessen wer am Ende von YU an der Spitze stand. Es waren fast nur Serben

Igor Gassner
01
14.6.2011, 13:35
träumen sie weiter

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