Bayern und Salzburg streiten um Überflüge

13. Juni 2011, 18:03
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Deutschland beklagt Fluglärm vom Airport Salzburg und will Zahl der Flüge begrenzen

Salzburg - Wer vom Flughafen Salzburg abhebt oder dort ankommt, überfliegt in vielen Fällen Bayern und die kleine Grenzstadt Freilassing. Die lärmgeplagten Bayern machen haben nun die Regierung in Berlin zu Hilfe gerufen, und diese hat prompt reagiert.

Rund 90 Prozent der An- und Abflüge würden zurzeit über deutsches Gebiet erfolgen, hat der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ausrechnen lassen. Ramsauer, der aus dem grenznahen Traunwalchen in Bayern stammt, fordert eine gerechtere Verteilung der Flugbewegungen und der damit verbundenen Lärmentwicklung durch die niedrig fliegenden Jets. Sollte es zu keinen geänderten Routen für die Starts und Landungen über Bayern und Österreich kommen, werde man die Zahl der Überflüge über deutsches Gebiet begrenzen, droht Ramsauer den Salzburgern.

In letzter Konsequenz wäre damit die Kündigung eines gültigen Staatsvertrages verbunden, in dem die Überflugsrechte der Salzburger zwischen Deutschland und Österreich geregelt sind.

Bürgermeister Schaden beruft sich auf Größe

Die Salzburger Seite reagiert auf den Vorstoß unwirsch: "Salzburg hat 150.000 Einwohner, Freilassing rund 15.000", sagt der Bürgermeister der Landeshauptstadt, Heinz Schaden (SP). Und weiter: "Man sollte jedenfalls nicht vergessen, dass knapp ein Drittel der Fluggäste des Salzburg Airport aus Bayern kommen und Wirtschaft und Tourismus unseres Nachbarlandes massiv vom Flughafen profitieren."

Schadens Parteifreund, der Aufsichtsratschef des Flughafens, Ex-Landeshauptfraustellvertreter Othmar Raus, wirft den deutschen Nachbarn vor, mit falschen Zahlen zu operieren. 2010 seien nur noch 65 Prozent aller Flugbewegungen in nördliche Richtung abgewickelt worden. Die Deutschen hätten nämlich nur Linie und Charter auf ihrer Liste. Die echte Prozentverteilung umfasse aber auch Geschäfts-, Schulungs- und Rundflüge. 2010 wurden in Salzburg rund 20.000 Flugbewegungen registriert. Im Spitzenjahr 2005 waren es fast 25.000.

Neue An- und Abflugrouten

Eines haben die Bayern mit ihrem Vorstoß schon erreicht. In den nächsten Monaten wollen die Salzburger gemeinsam mit der Flugsicherheitsorganisation Austrocontrol neue An- und Abflugrouten prüfen. Auch wenn dies, wie von den Airportchefs immer wieder betont wird, aufgrund von Topografie und Windverhältnissen nicht ganz einfach sei. So könne auf die Südroute, den Anflug über die Stadt Salzburg, nur bei gutem Wetter ausgewichen werden, da ein Instrumentenanflug nur von Norden möglich wäre.

Die Ankündigung, neue Routen auch nur prüfen zu lassen, hat sofort die Salzburger Flughafenanrainer auf den Plan gerufen. Die grüne Landtagsabgeordnete und Anrainersprecherin Astrid Rössler hat in Lokalmedien vor "Geheimverhandlungen und Willkür" gewarnt und Proteste für den Fall, dass mehr Maschinen über die Stadt flögen, angekündigt. (Thomas Neuhold, DER STANDARD; Printausgabe, 14.6.2011)

  • Viele An- und Abflüge auf dem Salzburger Flughafen gehen über Bayern. Dort fordert man nun geänderte Flugrouten
    foto: der standard

    Viele An- und Abflüge auf dem Salzburger Flughafen gehen über Bayern. Dort fordert man nun geänderte Flugrouten

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