Ribiselwein und Karpfengulasch

14. Juni 2011, 15:09
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    foto: harald fidler

    Forelle in mild im Kritzendorfer Donaurestaurant

    Donaurestaurant Kritzendorf
    Dreimal zwei Gänge, Saft, Bier, Frizzante, Kaffee: 66 Euro

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    Paprika, gefüllt mit Semmelknödel, nicht so trocken, wie erwartet - und wie ...

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    ... die Semmelknödel zum sonst recht properen Schwein

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    Und wieder ein Meisterwerk der Fidlerschen Foodfotografie: Hätten Sie auf diesem Bild ein Karpfengulasch vermutet? Ist aber eines

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    Doch lieber große kalte Fleischundkäsevorspeisenplatte in der Konoba Pesceria und...

    Konoba Pesceria
    Goldschlagstraße 22
    1150 Wien
    Zweimal zwei Gänge, Wein, Saft, Kaffee: 80 Euro

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    ... ein bisschen Fleisch

Zwischen Kritzendorfer Strombad und dry aged fish in Rudolfsheim sucht Harald Fidler seine Proteinration

Eigentlich wollte ich ja erzählen, dass ich's endlich ins Vincent geschafft habe, und schwadronieren über feines Gemüse in ungewohnten Zuständen, über Störfaktoren, Zitronenkälber und Zanderbacken, über ein nicht gerade schönes Lokal und einen freundlicheren Wintergarten im Frühsommer. Drei Monate nach Kollegen Cortis "Es ist Blunz'n" schien mir ein kleiner Schmeck's-Check durchaus angemessen. Nicht nur mir.

Auf den Spuren der "Krone"

Ich weiß ja nicht, ob es Menschen gibt, die Schmeck's und Schaufenster parallel lesen, aber unmittelbar nach Herrn Nowaks Befund über Gemüse, Zitronenkalb und lokaler Düsternis (er saß, heldenhaft wie gewohnt, im alten Teil des Vincent) wollte ich nicht auch noch. (Vorerst nur soviel: Herr Zintner legt da einiges vor, soweit ich Kulinardilettant das beurteilen kann.) Dann lieber gleich auf den Spuren der "Krone bunt" nach Kritzendorf, auf eine altvaterisch-wunderbare Terrasse unter Kastanien am Strome.

Ribisel-Räusche

Kollegin Schnegdar machte mich im Massenblatt darauf aufmerksam, dass das Donaurestaurant beim Strombad seit Anfang April neu bespielt werde, von Freddy Mello und dem als TV-"Silent Cook" bekannten Patrick Müller. Nichts wie hin ins Land der Ribisel und der frühen, nachhaltig schmerzenden Räusche aus ihrem Vergorenen.

Im sentimentalen Übermut einen Ribisel-Frizzante, gar nicht übel, gar nicht pickig, gar kein dicker Kopf. Auf der Basis kann man weiterarbeiten - sicherheitshalber aber doch mit Apfelsaft.

Forelle nicht saor

Forelle mit Zwiebel, Pinienkernen und Rosinen weckt beim Fidler falsche Erwartungen an Sarde in Saor. Der können die lauwarmen Süßwasserfilets nicht gerecht werden, keine Säure, etwas Süße, keine Würze, sehr mild. Ein bisschen langweilig, aber das lag womöglich am vorgefassten  Geschmacksbild. Die Spargelcremesuppe durchaus gut.

Semmelknödel in Paprika

Die Säure kommt mir dafür beim Veggie-Angebot ein bisschen zu heftig daher: Groß war die Neugier, wie sich mit Semmelteig gefüllte Paprika in Tomatensauce machen. Wohl durch beherzten Einsatz von Tomatenmark mir eine Spur zu säuerlich. Nichts kann man dem Fidler recht machen. Aber: Die Kombination fällt nicht so trocken aus, wie man vermuten würde. Oder wie ohne Paprikahülle.

Ein Mitesser ging nämlich auf Nummer sicher und wählte nach der Spargelsuppe den Schweinsbraten mit Kraut und Semmelknödel. Der Braten - ich tippe auf Schopf - schön und saftig. Allein die Knödel mochten den keineswegs besonders kapriziösen Mann nicht zufriedenstellen. Mit den Worten "alt, hart und trocken" packte er sie ein - als Vogelfutter, wie er erklärte.

Karpfen mit Lächeln

Jetzt habe ich auch eine Vermutung, warum die Kellnerin so eigen lächelte, als ich Forelle und dann Karpfengulasch bestellte. War womöglich die vernünftigste Wahl unter uns dreien am Tisch, wiewohl Karpfengulasch nicht wirklich nach Vernunft klingt. Und obwohl ich Karpfen noch nicht lange schätze und Gulasch schon länger nicht mehr mag - es klang mir auch spannender als die Pflichtbestellung Wels in Riesling.

Das Gulasch fällt zum Glück nicht so gulaschig aus: Eine Art Ratatouille (sagt der Dilettant über Paprika, Auberginen und andere Gemüse), mit Augenmaß papriziert, darauf ein ordentliches Karpfenstück, saftig, gut, und die paar Minigräten verkraftbar. Spätestens jetzt lächle ich mit.

Lieber Steak

PS: Nicht ganz so fröhlich waren wir im Angesicht des Fisches in der Konoba Pesceria. Ewig schon wollte ich hin, voll der Vorfreude auf Fisch hab ichs endlich geschafft. Erwartungsgemäß Doraden, Wolfsbarsch, Drachenkopf in der Aluwanne am Tisch - und mir und meinem Mitesser verschlägt es den Gusto. Vielleicht waren wir überempfindlich. Aber der, sagen wir, sehr fischige Geruch der Platte ließ uns quasi im Chor zur Wurstundschinkenvorspeisenplatte (nicht nur wegen Kulen und Käse eine gute Wahl) und Steak wechseln. Das wirkte nicht ganz so dry aged wie der Fisch - war aber eine reine Freude.

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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18 Postings
hannes67
00
14.9.2011, 15:03
Hirn am Pool

ich wählte kürzlich im Strombad eine Fischsuppe, sehr gut.
im Strandbad Klosterneuburg wiederum hat ja seit längerem Franz Riedl das Restaurant übernommen "Riedel im Bad", seit das legendäre "Preiseggers Wirtshaus" in Kritzendorf zumachen musste (Scheidungsgeschichte?). Dort gab es gestern Hirn mit Ei, wohl nicht der Renner unter Badegästen. Hat eine halbe Stunde gedauert, war aber das Warten wert.

Schnabeltierfresser
00
17.6.2011, 17:25
Danke für die Info

mit der Neuübernahme in Kritzendorf. Allerdings, eine sogenannte 'Donaufischplatte' (Homepage) mit Forelle und Saibling zu bestücken ist schon etwas sehr gewagt... nächstens findet sich am Ende noch eine Dorade drauf.

Vayav indrasca
13
15.6.2011, 19:48

Lieber "Dilettant", darf ich Sie auf einen kleinen Sprachdilettantismus aufmerksam machen.

Auberginen heißt es in Deutschland, wir Österreicher sagen Melanzani. Aber in Wirklichkeit substituieren diese beiden Wörter nur den wirklichen Ausdruck dafür in der deutschen Sprache: Eierfrucht.

LuFi
10

mei... wiedermal österreich mit wien verwechselt? in tirol sagt man da aubergine....

Vayav indrasca
01

Sie werden lachen: ich bin Tiroler ...

LuFi
10

ja ich auch... und melanzani hab ich nur in innsbruck gehört bis jetzt... in kufstein bis schwaz heißts aubergine...

Vayav indrasca
01

Ich kann Ihnen schon sagen, wie das läuft: die Leute sagen allgemein Melanzani, was ja auch ganz logisch ist, weil's von Innsbruck auf den Brenner Italien ja nur 38 Kilometer sind, nach Frankreich nur paar hundert.

Aubergine werden Sie nur auf Speisekarten lesen, von Restaurants, die glauben, es ist vornehm,
wenn man das verwendet (hach, sind wir doch international!)

Dazu kommt, dass in der "offiziellen"Küchensprache, die wie alles ursprünglich aus Deutschland kommt, das Wort ebenfalls vorkommt (und leider nicht Eierfrucht).

Und schließlich sind wir so von deutschen Touristen und Medien überschwemmt, dass wir peu a peu unsere sprachliche Identität verlieren (das gilt übrigens für Ostösterreich genauso).

mizzi schinagl
10
11.7.2011, 20:49

wenn sie schon klugscheisssssen wollen, dann bitte richtig:

aubergine = frankreich
melanzani = italien

Alexandra Coelho
10
22.6.2011, 09:20

Also ich weiß zwar, dass es Eierfrucht heißt, aber ich habe das noch NIE irgendwo verwendet gesehen, weder im Supermarkt noch in der Alltagssprache.

Und ob es jetzt Auberginen oder Melanzani heißt:
Ich finde das Wort Aubergine einfach schöner und nachdem die meisten Auberginen im Handel sowieso aus der Türkei und nicht aus Italien kommen, bevorzuge auch ich den französichen Ausdruck.

schmecks
11
17.6.2011, 00:11

Lieber Vayav indrasca,

herzlichen Dank für den Hinweis. Ich bin nie ganz sicher, ob ich wunderbar mit Germanismen, Anglizismen, Vedizismen oder auch Graecismen (sagt man so zu Griechisch-Anleihen?) leben kann oder ob sie mir doch auf die - gut Österreichisch formuliert - auf die Melanzani gehen.

Unentschlossen grüßt
fid

Gemma Preciosa Balanzoni di Palermo
12

Auberginen gehen hiezulande aber wirklich gar net. Nächste Stufe: Apfelsinen....

sennowise
00
15.6.2011, 14:52
Der Artikel

eigentlich ganz ordentlich aber dann doch etwas zu langweilig.
Der Schluss erfreulich. Dann ist nämlich das Geschwurbel aus.

jumpingjack flash
00
15.6.2011, 09:23

paradeissauce süss!
meine eltern haben sie süss zubereitet, sehr süss!
die mutter meiner frau weniger süss - und irgendwie ist deshalb das gericht von unserem speiseplan verschwunden weil wir uns nicht auf einen süssegrad einigen konnten.
natürlich haben die jumpingjacks recht - paradeissauce gehört ursüss!

Don Flamenco
00
15.6.2011, 09:52

burgenländer halt. ;)

jumpingjack flash
00
15.6.2011, 22:17

nur die mit der sauren paradeissauce - die andere mama mit der süssen war wienerin! :-)

SuperPot
00
15.6.2011, 09:37
karmelisiert

natuerlich muss paradeissauce karamelisiert sein: etwas fett in den topf (ur-wiener nehmen butter-schmalz bobos duerfen auch olivenoel verwenden) und dann reichlich zucker schmelzen lassen, und jetzt erst die paradeiser ...

Jonathan Tiberius Doe
00
12.10.2011, 11:39
danke, mir is schon schlecht

jumpingjack flash
00
15.6.2011, 22:18

genau!

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