Ribiselwein und Karpfengulasch

    14. Juni 2011, 15:09
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    Zwischen Kritzendorfer Strombad und dry aged fish in Rudolfsheim sucht Harald Fidler seine Proteinration

    Eigentlich wollte ich ja erzählen, dass ich's endlich ins Vincent geschafft habe, und schwadronieren über feines Gemüse in ungewohnten Zuständen, über Störfaktoren, Zitronenkälber und Zanderbacken, über ein nicht gerade schönes Lokal und einen freundlicheren Wintergarten im Frühsommer. Drei Monate nach Kollegen Cortis "Es ist Blunz'n" schien mir ein kleiner Schmeck's-Check durchaus angemessen. Nicht nur mir.

    Auf den Spuren der "Krone"

    Ich weiß ja nicht, ob es Menschen gibt, die Schmeck's und Schaufenster parallel lesen, aber unmittelbar nach Herrn Nowaks Befund über Gemüse, Zitronenkalb und lokaler Düsternis (er saß, heldenhaft wie gewohnt, im alten Teil des Vincent) wollte ich nicht auch noch. (Vorerst nur soviel: Herr Zintner legt da einiges vor, soweit ich Kulinardilettant das beurteilen kann.) Dann lieber gleich auf den Spuren der "Krone bunt" nach Kritzendorf, auf eine altvaterisch-wunderbare Terrasse unter Kastanien am Strome.

    Ribisel-Räusche

    Kollegin Schnegdar machte mich im Massenblatt darauf aufmerksam, dass das Donaurestaurant beim Strombad seit Anfang April neu bespielt werde, von Freddy Mello und dem als TV-"Silent Cook" bekannten Patrick Müller. Nichts wie hin ins Land der Ribisel und der frühen, nachhaltig schmerzenden Räusche aus ihrem Vergorenen.

    Im sentimentalen Übermut einen Ribisel-Frizzante, gar nicht übel, gar nicht pickig, gar kein dicker Kopf. Auf der Basis kann man weiterarbeiten - sicherheitshalber aber doch mit Apfelsaft.

    Forelle nicht saor

    Forelle mit Zwiebel, Pinienkernen und Rosinen weckt beim Fidler falsche Erwartungen an Sarde in Saor. Der können die lauwarmen Süßwasserfilets nicht gerecht werden, keine Säure, etwas Süße, keine Würze, sehr mild. Ein bisschen langweilig, aber das lag womöglich am vorgefassten  Geschmacksbild. Die Spargelcremesuppe durchaus gut.

    Semmelknödel in Paprika

    Die Säure kommt mir dafür beim Veggie-Angebot ein bisschen zu heftig daher: Groß war die Neugier, wie sich mit Semmelteig gefüllte Paprika in Tomatensauce machen. Wohl durch beherzten Einsatz von Tomatenmark mir eine Spur zu säuerlich. Nichts kann man dem Fidler recht machen. Aber: Die Kombination fällt nicht so trocken aus, wie man vermuten würde. Oder wie ohne Paprikahülle.

    Ein Mitesser ging nämlich auf Nummer sicher und wählte nach der Spargelsuppe den Schweinsbraten mit Kraut und Semmelknödel. Der Braten - ich tippe auf Schopf - schön und saftig. Allein die Knödel mochten den keineswegs besonders kapriziösen Mann nicht zufriedenstellen. Mit den Worten "alt, hart und trocken" packte er sie ein - als Vogelfutter, wie er erklärte.

    Karpfen mit Lächeln

    Jetzt habe ich auch eine Vermutung, warum die Kellnerin so eigen lächelte, als ich Forelle und dann Karpfengulasch bestellte. War womöglich die vernünftigste Wahl unter uns dreien am Tisch, wiewohl Karpfengulasch nicht wirklich nach Vernunft klingt. Und obwohl ich Karpfen noch nicht lange schätze und Gulasch schon länger nicht mehr mag - es klang mir auch spannender als die Pflichtbestellung Wels in Riesling.

    Das Gulasch fällt zum Glück nicht so gulaschig aus: Eine Art Ratatouille (sagt der Dilettant über Paprika, Auberginen und andere Gemüse), mit Augenmaß papriziert, darauf ein ordentliches Karpfenstück, saftig, gut, und die paar Minigräten verkraftbar. Spätestens jetzt lächle ich mit.

    Lieber Steak

    PS: Nicht ganz so fröhlich waren wir im Angesicht des Fisches in der Konoba Pesceria. Ewig schon wollte ich hin, voll der Vorfreude auf Fisch hab ichs endlich geschafft. Erwartungsgemäß Doraden, Wolfsbarsch, Drachenkopf in der Aluwanne am Tisch - und mir und meinem Mitesser verschlägt es den Gusto. Vielleicht waren wir überempfindlich. Aber der, sagen wir, sehr fischige Geruch der Platte ließ uns quasi im Chor zur Wurstundschinkenvorspeisenplatte (nicht nur wegen Kulen und Käse eine gute Wahl) und Steak wechseln. Das wirkte nicht ganz so dry aged wie der Fisch - war aber eine reine Freude.

    Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

    • Forelle in mild im Kritzendorfer Donaurestaurant
Donaurestaurant KritzendorfDreimal zwei Gänge, Saft, Bier, Frizzante, Kaffee: 66 Euro
      foto: harald fidler

      Forelle in mild im Kritzendorfer Donaurestaurant

      Donaurestaurant Kritzendorf
      Dreimal zwei Gänge, Saft, Bier, Frizzante, Kaffee: 66 Euro

    • Paprika, gefüllt mit Semmelknödel, nicht so trocken, wie erwartet - und wie ...
      foto: harald fidler

      Paprika, gefüllt mit Semmelknödel, nicht so trocken, wie erwartet - und wie ...

    • ... die Semmelknödel zum sonst recht properen Schwein
      foto: harald fidler

      ... die Semmelknödel zum sonst recht properen Schwein

    • Und wieder ein Meisterwerk der Fidlerschen Foodfotografie: Hätten Sie auf diesem Bild ein Karpfengulasch vermutet? Ist aber eines
      foto: harald fidler

      Und wieder ein Meisterwerk der Fidlerschen Foodfotografie: Hätten Sie auf diesem Bild ein Karpfengulasch vermutet? Ist aber eines

    • Doch lieber große kalte Fleischundkäsevorspeisenplatte in der Konoba Pesceria und...
Konoba PesceriaGoldschlagstraße 221150 WienZweimal zwei Gänge, Wein, Saft, Kaffee: 80 Euro
      foto: harald fidler

      Doch lieber große kalte Fleischundkäsevorspeisenplatte in der Konoba Pesceria und...

      Konoba Pesceria
      Goldschlagstraße 22
      1150 Wien
      Zweimal zwei Gänge, Wein, Saft, Kaffee: 80 Euro

    • ... ein bisschen Fleisch
      foto: harald fidler

      ... ein bisschen Fleisch

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