Albertina hat fünf Schieles zu restituieren

13. Juni 2011, 14:13

Betroffen sind die Werke "Mädchen mit Sonnenbrille", "Bildnis Olga Gallus", "Proletarierknabe", "Bildnis Heinrich Benesch" und "Knabenakt"

Wien - Der Rückgabebeirat empfahl in seiner Sitzung am Freitag, fünf Blätter von Egon Schiele, die sich in der der Albertina befinden, an die Erben nach Karl Mayländer zu restituieren. Es handelt sich um die Werke Mädchen mit Sonnenbrille, Bildnis Olga Gallus, Proletarierknabe, Bildnis Heinrich Benesch und Knabenakt. Mayländer war am 23. Oktober 1941 nach Lódz deportiert worden.

Die Begründung folgt jener der Michalek-Kommission, die sich mit den Provenienzen des Leopold Museums beschäftigt. Dieses Gremium war im November 2010 zum Schluss gelangt, dass fünf (andere) Schiele-Blätter, die Mayländer gehört hatten, restituiert werden müssten, wenn das Rückgabegesetz nicht nur für die Bundesmuseen, sondern auch für die Privatstiftung Leopold gelte. Es geht u.a. um zwei Selbstbildnisse und das Blatt Sitzender Bub mit gefalteten Händen. Die Stiftung kam der Empfehlung bisher nicht nach.

Der Rückgabebeirat empfahl am Freitag zudem, 176 Pflanzenbilder samt Verzeichnis, die sich im Naturhistorischen Museum befinden, an die Erben nach Ernst Moriz Kronfeld zu restituieren. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.6.2011)

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Gebt's das Zeug zurueck! Es waere schon schlimm genug nach einem gewonnenen Angriffskrieg den Schmarrn zu behalten. Aber nach einem verlorenen Krieg, das ist ja noch viel schaebiger....aber irgendwie oesterreichisch...

... nach einem gewonnenen Angriffskrieg

... Aber nach einem verlorenen Krieg ...

hä??

Ich hoffe, Sie sind nicht der Meinung, dass ein "gewonnener Angriffskrieg" eine Legitimation für Raub, Erpressung, "Not-"Verkäufe - aka. "Arisierung" - wäre ?????

tja, wie uns die welt zeigt aber schon....obwohl sie haben recht, die amis haben seit dem zweiten weltkrieg einen krieg gewonnen, aber tun halt so.

Dem Sieger gehört die Beute. Sämtliche Siegermächte des 1. und 2 Weltkrieges haben die geraubten Kunstgegenstände bis heute nicht an Deutschland und Österreich zurückgegeben. Vom rechtswidrigen Patenteraub der Siegermächte wollen wir gar nicht reden, der freilich nicht rückgängig zu machen ist.

Dem Sieger gehört die Beute

schon wieder diese Aufrechnereien
"die andern haben ja auch ..."

UNINTERESSANT -
auch die ÖSTERREICHISCHEN Nazis haben geraubt -
WIR als Gesellschaft HABEN NICHT ehrlich und sauber aufgearbeitet

Und nur das zählt.

"die andern haben ja auch ..."

Nicht "ja auch" - einfach: sie haben!

Im Krieg ist es so Sitte: Verlierer (Besiegte) sind rechtlos!

Sie rechnen hier auf, ich nicht.

Wie wäre es mit Restitution im British Museum, etc...

Wie immer polarisiert dieses Thema gewaltig und wie immer sind polarisierte Menschen wie Pferde mit Scheuklappen...
Natürlich ist es lobenswert wenn gestohlenes Gut an ihre ursprünglichen Besitzer wieder rückerstattet wird. ABER: Warum denkt dabei NIEMAND an das Louvre, in dem der Großteil der dortigen Kunst erstohlen und im Krieg erbeutet wurde. Oder was ist mit dem British Museum: Wunderbar ist dort die ägyptische und babylonische Sammlung, aber was macht die in England: WENN, DANN RÜCKERSTATTUNG FÜR ALLE! Gleichheit muss sein, nicht nur bei Kriegsverlierern!

RÜCKERSTATTUNG FÜR ALLE

Ja,
ABER:
Keine Aufrechenreien nach dem Muster Napoleon oder der britische Imperialismus gegen Hitler ...

Denn im nächsten Atemzug rechnen wir dann die Nazi-Morde sauber, weil ja die anderen auch ... usw.

Das ist nämlich noch viel schäbiger und dreckiger,
die Opfer werden neuerlich verachtet,
und - leider - immer noch "irgendwie oesterreichisch" ...

Es reicht zur Ö.s ewiger Schande, dass man die Aufarbeitung und Restituierung "in die Länge" (c) by SP-Innenminister Helmer) gezogen hat.

und @alle, die sich auf "Kauf im guten Glauben" usw. berufen: Es wird Euch ewig der Rechtstitel an der arisierten Sache fehlen, denn am Anfang stand eine UNFREIWILLIGE Besitzübertragung und NIE eine Übertragung des Eigentumsrechts.
(nemo plu

Nur kein Aufrechnung!

Die "Einmaligkeit" der NS-Verbrechen muss als nützliches Tabu erhalten bleiben gegenüber allen anderen Kunst- und Landräubern in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Für diesen Kommentar unter diesem Nick muss ich Ihnen leider rot geben

Oh, Ihr Missfallen

macht mich untröstlich.

Ich habe nie den Kunstraub und den Völkermord unter eine Kategorie gestellt!
Doch HIER geht es um den Kunstraub, und der war in den anderen Fällen (die fast alle europäischen Museen betreffen) um kein bisschen freiwilliger!
Dass der Holocaust nicht mit der Kolonialisierung oder anderen Kriegsbeutezügen auch nur im Entferntesten verglichen werden kann, ist klar. Kriegsverbrechen und Völkermord sind unvergleichbare Verbrechen. Aber Kunstraub bleibt Kunstraub, egal welcher Ausprägung. Und dieser darf nicht nur bei Kriegsverlierern restituiert werden.

Ich habe nie den Kunstraub und den Völkermord unter eine Kategorie gestellt:

Ich auch nicht.

Wahrscheinlich sind wir beide dazu gar nicht "autorisiert"?

es geht hier aber um güter, die österreichern während der nazizeit weggenommen wurden. sowohl davor und danach gab es ein recht auf eigentum - nur die nazis haben in den sieben jahren juden enteignet. die rückgabe wäre natürlich schon viel früher richtig gewesen, aber ich finde dass es auch heute noch gut ist, gestohlenes zurückzugeben!

In Anbetracht all der Restitutionsfälle muss man sich fast fragen:

Besitzt die Republik eigentlich auch irgendwelche Kunstwerke, die nicht gestohlen wurden? ;)

sehr interessant. wenn es darum geht für die verbrechen unserer vorfahren einzustehen soll alles schon so lange her sein und uns nichts mehr angehen. geht es allerdings darum, dass unsere vorfahren österreich zu dem gemacht haben was es heute ist und zu genießen welchen wohlstand wir haben und die bösen ausländer nicht im land haben zu wollen, weil die ja nicht das glück hatten zufällig hier geboren zu sein, dann hängen wir wohl an der "sippenhaftung". kurz: solange es um positives geht, geht und die vergangenheit was an, bei negativem haben wir nix damit zu tun.

positiv an dem ganzen ist allein

das prallvolle geldtascherl des erben, sobald er das kunstobjekt an irgend ne privatsammlung verhökert hat.

und 70 jahre ist in der tat lange her

Wenn Ihnen sonst nichts einfällt sind Diskussionen mit Ihnen wohl eher etwas für einfach gestrickte.

ich sehs eben pragmatisch

runtergebrochen gehts rein um die nach wie vor omnipotente holocaust (alt-)last, mit der, wie ich sehe, immer noch gut geld zu verdienen ist(wohlgemerkt: die erben in mind. 2ter oder gar 3ter generation, 70 jahre später).

als obs einen ideelen wert hätte bei diesen werten, um die es hier geht. und mit gross anzunehmender wahrscheinlichkeit wird sich dann zukünftig irgend ein privater sammler unter ausschluss der öffentlichkeit der kunstobjekte erfreuen.

Der Neid is a Hund.

wenn ein heute (prinzipiell) öffentlich zugängliches werk (wobei ich nicht weiß, ob die blätter überhaupt öffentlich zugänglich gemacht wurden oder nicht im depot verstauben) an eine privatsammlung fließt, find ich das ehrlich gesagt schade. das unterstützt nur ein elitäres schnöseltum und ist (überspitzt gesagt) "raub" an der öffentlichkeit. man kann einem privaten eigentümer aber keine vorschriften machen, wenn es ihm "nur" um den geldwert geht. insofern seh ich - sollte die albertina der restitutions-empfehlung nicht nachkommen (weiß nicht wie bindend so eine empfehlung ist) - durchaus ein öffentliches interesse an öffentlich zugänglichen bildern. interessant wäre zu wissen, wie die albertina an die bilder gekommen ist

ausserdem...

.... ist es eine möglichkeit, wenn auch im vergleich eine geringe, anzuerkennen dass nicht gutzuheissen ist, was damals passiert ist. und: traumata lassen sich auch über generationen weitertragen.
ich denke, es ist das mindeste was man tun kann, diese gemälde zu restituieren.
was die besitzer dann damit machen oder nicht, steht auf einem anderen blatt.

Traumata...

...sehr lesenswerter Artikel zum Thema der möglichen Vererbbarkeit von Traumata.

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