Nach acht Tagen - Guru war am Freitag stark geschwächt in das Krankenhaus eingeliefert worden
Dehradun - Der indische Yoga-Guru Swami Baba Ramdev hat
sein Todesfasten gegen Korruption abgebrochen. Ramdev habe seinen
Hungerstreik nach acht Tagen beendet und werde bald aus dem
Krankenhaus entlassen, sagte der Leiter einer Klinik im nordindischen
Dehradun, Vijay Dhasmana, am Sonntag. Der bärtige Guru war am Freitag
stark geschwächt in das Krankenhaus eingeliefert worden.
Am Sonntag trank Ramdev im Beisein hinduistischer Geistlicher
zunächst etwas Saft. Der Chef der Oppositionspartei Janata Dal,
Subramanian Swamy, sagte, Ramdev habe sein Ziel trotz der Beendigung
des Hungerstreiks erreicht. Alle, "die Schwarzgeld auf geheimen
Bankkonten im Ausland versteckt haben, sind jetzt verunsichert",
sagte der Politiker. Ramdev werde seine Kampagne gegen Korruption
fortsetzen.
Der bekannte Guru war am 4. Juni in der Hauptstadt Neu Delhi im
Beisein von rund 50.000 Unterstützern aus Protest gegen die
grassierende Korruption in Indien in einen "Hungerstreik bis zum Tod"
getreten. In der folgenden Nacht stürmte die Polizei mit Tränengas
und Schlagstöcken die Versammlung in einem Zelt, mehr als 70 Menschen
wurden verletzt. Als Grund für ihr Vorgehen gab die Polizei
Sicherheitsbedenken an. Ramdev setzte den Hungerstreik anschließend
in seinem Ashram im nordindischen Haridwar fort.
Regierung stehle das Geld
Ramdev wirft der politischen Führung vor, dem Volk das
"hartverdiente Geld" zu stehlen. Er fordert unter anderem die
Todesstrafe für Korruption und die Rückholung sämtlicher
Schwarzgelder von ausländischen Konten. Der Yoga-Guru hat eine
tägliche Morgenshow im Fernsehen und landesweit mehrere Millionen
Anhänger. Sein Hungerstreik setzte die indische Regierung unter
Druck, da sie zuletzt in eine Reihe von Korruptionsskandalen
verstrickt war.
Zunächst hatte die Regierung von Ministerpräsident Manmohan
Singh
den Guru hofiert und eine Delegation von vier Ministern zu ihm
entsandt, um ihm von dem Hungerstreik abzuhalten. Ramdev hielt aber
an seiner Aktion fest. Der Sprecher der regierenden Kongresspartei,
Manish Tewari, sagte, Hungerstreiks sollten heutzutage nicht als
Kampfmittel missbraucht werden. Sie seien "Teil des Problems und
nicht Teil der Lösung". Der indische Unabhängigkeitskämpfer Mahatma
Gandhi hatte im Kampf gegen die britischen Kolonialherrn auch zum
Mittel des Hungerstreiks gegriffen.
Die größte Oppositionspartei, die hindu-nationalistische
Bharatiya
Janata Party (BJP) stellte sich hinter Ramdev. Ihr Sprecher Rajiv
Pratap Rudy sagte, die Kongresspartei versuche, die Kämpfer gegen
Korruption als "Feinde der Nation" darzustellen.
Im April hatte der indische Bürgerrechtler Anna Hazare einen
98-stündigen Hungerstreik in Neu beendet, nachdem die Regierung
seiner Forderung nach einem neuen Anti-Korruptionsgesetz zugestimmt
hatte. Hazare solidarisierte sich später mit Ramdev und dessen
Hungerstreik und begann selbst auch eine Fastenaktion. (APA)