Brite kämpft in der letzten Runde Vettel nieder - Regenunterbrechung von mehr als zwei Stunden - Etliche Safety-Car-Phasen
McLaren-Pilot Jenson Button hat am Sonntag
den Formel-1-Grand-Prix von Kanada in Montreal gewonnen und damit den
nächsten Triumph von Weltmeister Sebastian Vettel verhindert. Der
Engländer ging erst in der 70. und letzten Runde nach turbulentem
Rennverlauf mit zweistündiger Regen-Unterbrechung und insgesamt vier
Stunden Dauer am deutschen Red-Bull-Piloten vorbei, der vom Start weg
geführt hatte. Dritter wurde Vettels australischer Teamkollege Mark
Webber.
"Ich weiß nicht, was ich sagen soll, das war ein unglaublicher
Sieg", betonte Button überglücklich. "Das waren heute extreme vier
Stunden. Zuerst die Kollision mit Lewis
(Hamilton), dann die Durchfahrtsstrafe wegen zu schnellen Fahrens
hinter dem Safety-Car. Ich musste insgesamt acht- oder neunmal durch
die Boxengasse fahren, einfach unfassbar, dass ich am Ende noch
gewonnen habe."
Das Rennen musste bereits zu Beginn wegen der schlechten
Witterung hinter dem Safety-Car gestartet werden. Nach Freigabe in der
dritten Runde setzte sich Sebastian Vettel vor den beiden Ferraris von
Alonso und Massa an die Spitze. Gleich in der ersten Kurve kam es zu
einer Kollision zwischen Mark Webber (RBR) und Lewis Hamilton im
McLaren, die beide Piloten einige Plätze zurückwarf. Vettel konnte sich
im weiteren Verlauf einen Vorsprung
heraus fahren und sich von den Ferraris etwas absetzen. Hamilton versuchte die
verlorenen Plätze mit aggresiver Fahrweise wieder gut zu machen, biss
sich aber zuerst an Schumacher die Zähne aus und schied gleich darauf
nach Kollision mit seinem Teamkollegen Jenson Button aus. Um den McLaren bergen zu können, kam wieder das Safety-Car zum Einsatz.
Nach dem Re-Start behauptete Vettel vor Alonso, Massa und den
beiden Mercedes von Rosberg und Schumacher die Führung. Die Piste begann
aufzutrocknen und erste Reifenwechsel auf Intermediates wurden von
den Teams vorgenommen. Doch der nächste heftige Regenguss wenige Minuten
später, verursachte neuerlich eine Safety-Car-Phase. Nach der 25. Runde
entschloss sich die Rennleitung zu der Unterbrechung.
Sintflutartige Regenfälle
Nach über zwei Stunden Pause wurde das Rennen hinter dem Safety-Car wieder gestartet. Nach der neuerlichen Freigabe dauerte es genau drei Runden, dann war das Auto mit den gelben Lichtern wieder auf der Strecke zurück.
Ursache war eine Kollision zwischen Button und
Alonso, wobei der Ferrari des Spaniers auf den hohen Kerbs hängen
blieb und mit einem
Abschleppfahrzeug geborgen werden musste.
Gegen Ende des Rennens war dann endlich Racing angesagt. Michael Schumacher, die Piloten hatten mittlerweile alle auf Slicks gewechselt, hatte sich bis auf den zweiten Platz vorgearbeitet, wurde von Webber und Button heftig unter Druck gesetzt. Der Red Bull-Pilot machte bei einer Attacke gegen Schumacher aber in der Zielschikane einen Fehler und Button ging an dem Australier vorbei. In der nächsten Runde schnappte er sich auch den deutschen Ex-Weltmeister, der auch noch hinter Webber zurückfiel.
Damit war die finale Jagd auf Vettel eröffnet. Der WM-Führende versuchte sich mit persönlichen Bestzeiten gegen den heranstürmenden McLaren-Piloten zu wehren, verbremste sich aber unter Druck in der letzten Runde. Button ging problemlos an dem RBR vorbei und feierte damit seinen ersten Saisonsieg, seinen 10. GP-Triumph insgesamt. Beim Red Bull-Piloten überwog nach dem Rennen die Enttäuschung. " Ich hatte von
Anfang bis zum letzten Teil der letzten Runde alles unter Kontrolle.
Am Ende habe ich versucht zu pushen, um den Angriff von Jenson
abzuwehren und einen Fehler gemacht. Da haben einen Moment meine
Hinterräder blockiert, wodurch Jenson noch durchschlüpfen konnte",
meinte der WM-Führende nach dem Rennen.
Vettel liegt in der WM weiter komfortabel mit 60 Punkten Vorsprung auf
Button, der neuer Zweiter ist, in Front. Webber belegt mit 67 Zählern Rückstand weiter Rang drei.
(lesa, derStandard.at)