Überwachungskameras: Die Überwachung der Überwacher

11. Juni 2011, 09:19
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Projekt der TU Wien will erheben, wie viele Kameras weltweit installiert sind

Was haben die Neudorfer Straße 52 in Laxenburg, die Calle Chavari 1 in Bilbao und die Kalakaua Avenue 2464 in Honolulu gemeinsam? An diesen Adressen befinden sich Überwachungskameras. Überprüft werden kann dies auf sadproject.tv, das kein trauriges Projekt sein will, sondern das ehrgeizige Ziel verfolgt, weltweit Daten und Fotos von Überwachungskameras zu sammeln.

Surveillance Awareness Database

SAD steht für Surveillance Awareness Database und ist Teil einer Diplomarbeit der Wiener TU-Studenten Sarah Naber und Alexander Kraicsich am Institut für Gestaltungsforschung. Der Titel ist Programm: "Wir wollen damit bewusst machen, wo und wie häufig der öffentliche Raum mittels Videokameras ausgespäht wird", erläutert Naber.

"Unmöglich"

In vielen Ländern ist wie in Österreich die Registrierung und Kennzeichnung von Überwachungsanlagen mit Bildaufzeichnung zwar gesetzlich vorgeschrieben. Ausnahmen sind "gefährdete" Bereiche wie Banken oder Juweliere. Eine genaue Zahl zu erheben ist laut Datenverarbeitungsregister jedoch "unmöglich". Hinter einem Registrierungsantrag können sich eine oder viele Kameras verbergen. 4200 Anlagen waren bis Ende Mai gemeldet.

Android- und iPhone-App

Die zwei Diplomingenieure in spe erheben die Daten mithilfe eines sozialen Netzwerks. Teilnehmer können sich dort registrieren und Fotos gefundener Kameras hochladen, sie mit Geokoordinaten versehen und kommentieren. Mehr als 360 Kameras weltweit wurden seit Ende März markiert. Auch eine iPhone-App (SAD) gibt es dafür, ein Android-App folgt. Um den Anreiz zu erhöhen, hat das junge Forschungsteam ein Belohnungssystem in Form virtueller Medaillen eingebaut.

"Mit jedem Eintrag geben wir ja Informationen von uns preis"

"Wir wollen mit unserem Projekt auch ungewohnte Überwachungsabläufe ins Spiel bringen. Die Überwacher werden einerseits von der Gemeinschaft beobachtet", führt Naber aus. Andererseits demonstrierten die Teilnehmer die in sozialen Netzwerken verbreitete - bewusste oder unbewusste - Bereitschaft sich freiwillig überwachen zu lassen. Denn: "Mit jedem Eintrag geben wir ja Informationen von uns preis", gibt die Studentin zu bedenken.

"Wer definiert, was böse ist?"

Das Argument, Kameraüberwachung trage zur Sicherheit bei, stößt bei Naber nur bedingt auf Verständnis: "Ich kenne den Satz: 'Was stört es mich, wenn ich videoüberwacht werde, ich mache ja nichts Böses' - nur: Wer definiert, was böse ist?" (Karin Tzschentke, DER STANDARD Printausgabe, 11. Juni 2011)

  • "Wir wollen damit bewusst machen, wo und wie häufig der öffentliche Raum mittels Videokameras ausgespäht wird"
    foto: webstandard

    "Wir wollen damit bewusst machen, wo und wie häufig der öffentliche Raum mittels Videokameras ausgespäht wird"

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