EU-Beitritt Kroatiens: Friedensprojekt Balkan 2025

Thomas Mayer, 10. Juni 2011, 18:49

Die Einladung in den europäischen Klub kann man als weiteren Sieg für die Prinzipien von Freiheit und Herrschaft des Rechts werten

Mit Kroatien wird schon bald ein Kandidat der EU beitreten, der eher zu den Problemfällen zählt. Seine Wirtschaft wurde von der Krise hart getroffen, steckt im zweiten Jahr einer Rezession. Die Arbeitslosigkeit stieg auf fast 20 Prozent, das durchschnittliche Einkommen liegt bei nur 60 Prozent des EU-Durchschnitts.

Die Union wird also noch lange Zeit viel Geld und Know-how an die östliche Adriaküste transferieren müssen, bis Kroatien sich zu einer Säule der Gemeinschaft wandeln kann. Dennoch überwiegt nach der Empfehlung der EU-Kommission eines sofortigen Verhandlungsabschlusses mit Kroatien und EU-Beitritts im Juli 2013 quer durch Europa und die Parteien die Freude. In Österreich hat sogar die FPÖ, die ja nie Gutes fand an dieser Union und deren Erweiterung nach Ost und Süd, den Schritt begrüßt.

Eigentlich erstaunlich, wenn man an die Debatten zur Hilfe für das schuldengeplagte Griechenland denkt. Dazu breitet sich in Österreich immer mehr die gefährliche Stimmung aus, man solle sich nicht nur von griechischen Schulden, sondern gleich vom Land verabschieden. Eine solche Aufgabe der Solidarität wäre für uns Europäer als Gesamtes vermutlich ein existenzbedrohender Leichtsinn.

Insofern kommen die optimistischen Nachrichten bezüglich Kroatien jetzt genau zur richtigen Zeit. Sie rufen in Erinnerung, warum es die EU überhaupt gibt; dass Sicherung von Demokratie und Frieden nicht nur mit 1945 (dem Ende der Nazibarbarei), sondern auch mit 1974 (Ende der Diktatur in Griechenland) und 1995 (Massaker von Srebrenica) zu tun hat. Die Einladung in den europäischen Klub kann man zwanzig Jahre nach den Grausamkeiten der Balkankriege als weiteren Sieg für die Prinzipien von Freiheit und Herrschaft des Rechts gegenüber Barbarei und blinder Ideologie werten - so wie das schon bei der Aufnahme der exkommunistischen Staaten Osteuropas 2004 und 2007 gewesen ist.

Wenn die Kommission nun anregt, 2011 gleich die Beitrittsgespräche mit Mazedonien folgen zu lassen und Serbien als EU-Kandidat die Hand zu reichen, folgt sie einer historischen Logik. Sie hat das Friedensprojekt Balkan 2025 im Auge. Dann sollten alle Staaten des Westbalkans EU-Mitglieder sein. Das darf ruhig etwas kosten. 500 Millionen Europäer können sich das leisten. Die Kroaten, Serben, Kosovaren, Bosnier, die 2011 geboren werden, werden uns dafür einmal dankbar sein - hoffentlich. (Thomas Mayer, STANDARD-Printausgabe, 11./12./13. Juni 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 36
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tapsel
 
00
14.6.2011, 23:15
Eine solche Aufgabe der Solidarität wäre für uns Europäer als Gesamtes vermutlich ein existenzbedrohender Leichtsinn

Griechenland hat seit den Beitrittsverhandlungen mit falschen Zahlen operiert, sprich den Rest Europas betrogen. Sie haben weiter betrogen bis zur Zahlungsunfähigkeit, für die Europas Bürger jetzt zahlen dürfen.

Betrug und Solidarität vertragen sich nicht.

Ich finde, dass den Griechen trotzdem geholfen werden sollte, aber da muß auch was von der anderen Seite kommen sonst reichts irgendwann.

P.S.: Deutschland hat die Zustimmung zum ersten Rettungspaket angeblich vom Kauf milliarden-teuren Kriegsgeräts abhängig gemacht. So widerlich zynisches Handeln wird sicher das Bedürfnis der Griechen in Zukunft solidarischer zu handeln nicht steigern.

DeepThroat
 
00
13.6.2011, 17:51
"Aufgabe der Solidarität"?

Warum wird im Kontext von Griechenland immer von Solidarität gesprochen? Bilanzfälschern (griech. Regierung) und Gläubigern (europ. Staaten und Banken) Geld in den Rachen zu schieben hat doch nichts mit Solidarität zu tun.

Ich denke, mit dem griechischen Volk sind die Europäer solidarisch - darum Staatskonkurs jetzt! Das ist das beste für die Griechen, mit den jetzigen "Rettungsfonds" wird Griechenland ausverkauft und auf Jahrzehnte der fiskalpolitische Handslungsspielraum genommen.

sljudanka
02
13.6.2011, 12:26
Die EU verspricht gerade das Modell zu verwirklichen, das die yugoslavische Föderation zerrissen hat

die Vereinigung ungleicher Regionen!

Slowenien udn Kroatien flüchteten ja aus Yugoslavien wei sie nicht die Früchte ihrer arbeit im staubigen Boden des Kosovo verdorren lassen wollten!

Gerade Kroatien und Slowenien zerstörten anfangs Yugoslavien weil sie in die Bundeskasse nichts mehr einzahlen wollten.

Gerade so ein Land will dann bei einer entstehenden Transferunion mitmachen, die sich zu einem Modell des 2. Yugoslavien entwickelt? (Transferunion).

Gerade einer gleichmacherischen Union entkommen, und schnurstracks in die nächst rein...

17+4
00
13.6.2011, 11:27
warum sollen wir das?:

"Die Union wird also noch lange Zeit viel Geld und Know-how an die östliche Adriaküste transferieren müssen, bis Kroatien sich zu einer Säule der Gemeinschaft wandeln kann."

Wie soll man das rechtfertigen, in Ländern, deren Bürger gerade langjährige Sparpakete aufs Auge gedrückt werden. Gibt man nun weitere Kostenstellen hinzu, so wird das denen 'ins' Auge gedrückt.
Warum redet man nur bei den Türken von Aufnahmefähigkeit. Vielleicht wäre es dann günstiger, man tauscht einfach die Mitgliedschaft der Griechen gegen die der Kroaten aus.

Einfach unlogisch und unbedarft, was uns da die Politik vorschlägt.

Andrian Susu
00
13.6.2011, 10:59
homophobe greifen parade an … kroatien hat noch einen weiten weg in die EU

wenn auch jetzt wieder keine bedingungen für einen beitritt ausgemacht werden, dann bin ich dagegen

barney
01
13.6.2011, 09:32
Oh Jubel, oh Freud'

"Dennoch überwiegt nach der Empfehlung der EU-Kommission eines sofortigen Verhandlungsabschlusses mit Kroatien und EU-Beitritts im Juli 2013 quer durch Europa und die Parteien die Freude."
Ja, es überwiegt immer die Freude!
Egal, was in der EU passiert - es über wiegt die Freude!
Und wenn etwas Schlimmes passiert, überwiegt die Freude, denn ohne EU wäre es sicher noch schlimmer gekommen!
Lasst uns also an den Händen fassen und Freude genießen - Hallelujah!!!

hans kastorp
00
13.6.2011, 09:09

Bin derzeit in kroatien und kein geschäftsmann/frau will hier I'm moment in die EU; zu viele auflagen, zu viel kontrolle, zu viele probleme (godovina wird in dalmatien in riesenpostern verkauft); serbien als zukünftigen partner in EU kann sich keiner vorstellen; das gilt zumindest für alle küstenregionen und zagreb; eine abstimmung uber den beitritt wuerde sicher negativ ausfallen

marcopolo1971
 
01
13.6.2011, 10:39

Dass die Geschäftsleute nicht in die EU wollen, ist mir in vielen Fällen auch begegnet. Denken Sie mal ein bisschen darüber nach, warum das wohl so sein könnte...

hans kastorp
00
13.6.2011, 12:17
es ist klar

dass geschäftsleute von einer vermehrten transparenz nicht gerade profitieren werden, dem staat geht es deshalb auch nicht so gut;

Bugio
01
13.6.2011, 11:01

Die Bauern in Nordkroatien (Slawonien, Podravina) wollen auch nicht in die EU. An Agrarsubventionen sind die seit sehr vielen Jahrhunderten längst gewöhnt. Die Auszahlungen waren immer der selbe Schmäh einzelner Funktionäre in den Fonds, wo Betrug ebenso lange geübt wurde, wie es Subventionen gibt. Manche erzählen sich noch die Betrügereien aus dem Mittelalter als Geschichten, welche sich im Grunde als Selbstbedienungsladen einzelner Fondsfunktionäre bis heute nicht verändert hatten. Die EU hat den Bauern nichts zu bieten außer ungewünschte Konkurrenz, auf welche die verzichten wollen.

pago1
24
12.6.2011, 11:29
unbedingt aufnehmen

man hat ja gesehen wie tollerrant sie mir ihren homosexuelen umgehen

Warentester
00
12.6.2011, 22:30

Gerade damit passens ja besten in die EU...

xruxl
00
12.6.2011, 19:23

Das ist aber in einigen EU-Staaten nicht viel besser (Polen zB).

Castrator
23
12.6.2011, 14:40
Man hat nichts gegen die Homos

nur sie sollen schon wissen, dass sie nicht die Normalität sind! Jede Gewalt und Diskriminierung gegen die Homos ist aber abzulehnen, da bin ich mit ihnen d´accord

Smoothies? Obst gehört gebrannt
11
12.6.2011, 16:59

Meinen Sie eine statistische, eine biologische, eine politische oder gar eine moralische "Normalität"?

Dhimmi
10
12.6.2011, 10:04
Balkan 2025

Sie stellen Europa und seine Zukunft positiv (um nicht zu sagen: realistisch) dar!
Ja dürfen Sie denn das?

Cafe Corretto
03
12.6.2011, 08:24
Reine Propaganda

Die EU ist für Demokratie und Freiheit. - Herr Mayer lesen Sie keine Zeitung. Wir wohnen mittlerweile im größten Kontroll- und Überwachungsstaat aller Zeiten und es kommen noch Sachen wie INDECT und Virtual Schengen auf uns zu.

Friedensprojekt: Vom Wort Frieden hat man schon genug: Friedensprojekt EU, Friedenstruppen, Die Religion des Friedens ... Wie kann man von einem Friedensprojekt sprechen, wenn Viele immer Ärmer und Wenige immer Reichere werden?

Es könnte sein, dass das Friedensprojekt bald in Krieg und Chaos untergeht und dann schiebt man das wahrscheinlich wieder auf andere wie Nazis, linke Chaoten, Modernisierungverlierer etc.

rudi de laufende band carell
00
13.6.2011, 09:41
wer ist absolut armer geworden?

wenn ein Millionär nach Österreich kommt wird niemand armer. im Vergleich zum durchschnitt aber wird man armer. wenn alle gleich arm sind dann ist ihr ziel erreicht?
bei uns sind seit dem Eu beitritt die Anzahl der pkws um 35 % gestiegen es gibt knapp 9 mio Handy (sic)

wissen Sie was arm ist oder plappern wir einfach das nach was ein paar katholische berufskommunusten vorreden?
wir sind ein faules pack geworden das jeden Wettbewerb meidet Zuwanderung Globalisierung Arbeiten bis 70 igitt

sljudanka
00
13.6.2011, 12:30
wenn das schon für usn gilt (wettbewerbsarmut, hinterwäldlerei)

was würden sie dann erst den Griechen, Portugiesen vorwerfen?

Im Vergleich zu diesen Ländern ist Österreich hochproduktiv, sehr innovativ.

österreichische Firmen sind wettbewerbsfähig, innovativ und auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig - und erwirtschaften auch immer Netto-zahler-erträge, die dann an die unproduktiven SüdEUropäer abgeliefert werden.

Was passt ihnen daran nicht?

welche - wettbewerbsfähigen - griechischen, portugiesischen Firmen kennen sie?

barney
00
13.6.2011, 11:59
ein Querschnitt

Jawoll,durchschnittlich sind wir reicher als der Durchschnitts-Montenegriner, weil durchschnittlich hat jeder Österreicher eins komma zwei Handys, durchschnittlich haben es die EU-Insassen besser als die nicht-EU-Bewohner, durchschnittlich sind überdurchschnittlich viele EU-Staaten auch NATO-Mitglieder und befinden sich in durchschnittlich null komma vier Kriegen, von Afghanistan über den Irak bis Libyen, durchschnittlich müßten wir überdurchschnittlich glücklich sein!
Ich bin nicht Durchschnitt!

Castrator
14
12.6.2011, 06:29
Kroatien hat sehr fähige Leute

nur sitzen die meistens im Ausland.Was den Beitritt CROs zur EU betrifft, sehe ich das sehr ambivalent.Die geopolitische Lage CROs ist besonders, das wissen die wenigsten. CRO musste sich über Jhdt sehr intensiv mit den Türken auseinandersetzen, daneben sind die Kroaten ein ausgezeichnetes Seefahrervolk, hatten so Kontakte zu Venezieren, Genuesen, zur arabischen Welt, daneben sind sie das erste katholische Volk zu den angrenzenden Orthodoxen und Muslimen. Die kroatische Seele ist daher sehr angespannt, diese Besonderheiten sind den EU Heinis fremd, die sehen CRO nur als Weideland für die Konzerne.Die Küste kann man noch so herrlich ausbeuten, diese schöne Inselwelt, eine Freude für den Kapitalismus, alles noch unberührt, das wir dein Spaß.

Kondratjew -Zyklus
 
00
12.6.2011, 03:40
Dann wünsche ich allen, die sich dort (finanziell) engagieren, nur das Allerbeste.

Sie werden es benötigen.

ken_park
04
11.6.2011, 23:07
500 Millionen Europäer können sich das leisten??

da müsste man mal die empfänger-staaten rausrechnen..

wg 1980
25
11.6.2011, 21:44
wenn 10.000 leute auf 300 friedlich feiernde schwule losgehen,

kann man wohl nicht von frieden und freiheit geschweige denn, dem europäischen gedanken sprechen.

politisch mag es ja nur ein kleiner schritt sein, geistig jedoch sind wir österreicher oft noch nicht mal europäer bzw. das, was dem europäischen gedanken zugrunde liegt.

Kurt Kunislav Kupfer
10
11.6.2011, 18:56
In Österreich hat sogar die FPÖ, die ja nie Gutes fand an dieser Union und deren Erweiterung nach Ost und Süd, den Schritt begrüßt.

Naja, in alter Treue zu den Verbündeten.

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