Desaströses Krisenmanagement

Alexandra Föderl-Schmid, 10. Juni 2011, 18:46

Bisher ist das wahre Ausmaß der griechischen Finanztragödie verschleiert worden

Das finanzielle Desaster in Griechenland wird immer größer, desaströs ist auch das Krisenmanagement in Europa. Jeden Tag werden neue Zahlen bekannt - und gleichzeitig Vorschläge zur Bewältigung der Probleme lanciert. Die Europäische Zentralbank (EZB), der Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, und einzelne Finanzminister preschen mit unabgesprochenen, teilweise unausgegorenen Ideen vor. Das ist Aktionismus und löst erst recht Irritationen auf den Finanzmärkten und bei den Bürgern aus, die sich zu Recht fragen: Ist das ein Fass ohne Boden?
Griechenland hat noch nicht einmal alle Tranchen des vor einem Jahr zugesagten 110-Milliarden-Euro-Hilfspakets ausgezahlt bekommen. Schon jetzt ist aber klar, das wird alles nicht reichen. Das Finanzloch wird derzeit auf 120 Milliarden Euro geschätzt. Die Hälfte davon soll über einen weiteren Notkredit von bis zu 65 Milliarden Euro gestopft werden. Beim nächsten Treffen der Finanzminister der Eurogruppe am 20. Juni soll das neue Hilfspaket für Griechenland beschlossen werden.

In den vergangenen Monaten haben alle Beteiligten sich selbst und den Bürgern etwas vorgelogen. Als Erster hat Mitte dieser Woche der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble die Lage klar beschrieben: Ohne weitere Finanzhilfe droht Griechenland die Pleite. "Wir stehen vor dem realen Risiko der ersten ungeordneten Staatsinsolvenz innerhalb der Eurozone", schrieb Schäuble an seine Kollegen aus der Eurozone und EZB-Chef Jean-Claude Trichet.

Der diese Woche vorgelegte Bericht der sogenannten Troika - bestehend aus Experten von EZB, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) - macht den Plan zunichte, dass Griechenland, wie von den Helfern geplant, 2012 an den Finanzmarkt zurückkehren kann. Das schafft aber Probleme für die im Juli bevorstehende Auszahlung der nächsten Tranche von zwölf Milliarden. Denn beim IWF gilt die Regel, dass jede Kredittranche eines bestehenden Programms nur ausgezahlt werden darf, wenn sich das betroffene Land in den kommenden zwölf Monaten refinanzieren kann. Für Griechenland ist diese Bedingung nicht erfüllt. Damit kommen auf die Europäer weitere Zahlungen zu.

Dass kreditgebende Länder Sicherheiten verlangen, ist selbstverständlich. Für Kredite werden nicht nur Zinsen verlangt, sondern es muss auch ein Pfand hinterlegt werden - Besitztümer, die in Staatsbesitz sind. Das Pfandmodell kennt jeder Häuslbauer, der eine Hypothek aufnimmt.

Das allein schafft noch keine Beruhigung an den internationalen Finanzmärkten, auch wenn Griechenland im ersten Quartal nach Einschätzung der Troika die vorgesehenen Sparauflagen im Großen und Ganzen erfüllt hat. Aber es bestehen Zweifel, ob dieses Programm durchgehalten wird. Über alle anderen Vorschläge, die derzeit kursieren, muss rasch politische Einigung erzielt werden. Die deutsche Bundesregierung will private Gläubiger - vor allem Banken - mit in die Pflicht nehmen. Das ist nachvollziehbar, denn es ist nicht einzusehen, dass nur Steuerzahler für das Desaster aufkommen.

Voraussetzung für weitere Zahlungen muss sein, dass alle Akteure aufhören zu lügen und zu tricksen. Alle Fakten müssen auf den Tisch. Europas Bürger haben ein Recht auf eine schonungslose Analyse, ob Griechenland eine realistische Chance hat, die Krise zu bewältigen. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12./13.6.2011)

Kommentar posten
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ninedevils
03
13.6.2011, 17:12
und wie lange sollen wir uns das noch gefallen lassen?

Vorschlag: die (gekaufte) Blattlinie endlich verlassen und seriös berichten, analysieren etc., selbst wenn es mit einem Bilderberg-Eigentümer schwierig sein dürfte!

kettle
00
13.6.2011, 17:43

Ah, gar kein Freimaurer?

ninedevils
00
13.6.2011, 17:39
...und wie lange...?

O.B. ist natürlich Herausgeber (habe schlecht recheriert!)

Princess of Austria
01
13.6.2011, 16:58
Liebe Frau Föderl-Schmid.

Vergessen sie den ganzen Uni-klimm-bimm.
Die reale Welt wird von bodenständigen, schlauden Kerlchen beherrscht.

Wie sonst ist es möglich, dass noch immer "jeder" glaubt eine Pleite Griechenlands wäre schlimm ?

Gebens den Griechen 5 Jahre lang Kredite zu 0 % Zinsen und schon ist alles wieder gut.
Recherchieren sie das einmal.
Viel Vergnügen. Den Artikel wird ihnen niemand wirklich veröffentlichen.

Irrer Wahnsinn
01
13.6.2011, 16:34
Welche Analyse?

Da ich weiß wie die Geldschöpfung funktioniert, brauch ich zumindest keine Vorschreiberin die für mich denkt wie die Analyse ausfallen sollte.

Nutze den Tag
01
13.6.2011, 16:21
Cool wie der Pröller uns die GR Hilfe als Geschäft verkauft hat.

Wie der Ö Staatsapparat bestreitet, der GR Staatsapparat wäre die Ursache des Desasters,... und uns Glauben machen will, mit GR ist die Sache gegessen. Da hätten wir noch Ir, IT, Span, B, Port,...

roterbruder1
02
13.6.2011, 15:31
nur so zumnachdenken

selbst wenn den griechen heute alle schulden nachgelassen werden, so haben sie im nächsten jahr wieder rund 15 mrd neue schulden. soviel zur konsolidierung

Agnostiker1
12
13.6.2011, 14:41
Ein Kommentar weitab von der Wahrheit.

Die Politik ist die Kunst des Möglichen. Griechenland muss einerseits das Sparprogramm durchziehen,andererseits eine Art Bürgerkrieg verhindern. Ich wünschte uns die Nerven, dass es die Griechen bislang halbwegs in Frieden den Hochseiilakt zu bewerkstelligen. Doch sollten wir einmal vom gleichen Schciksal betroffen sein, dann Gnade uns Gott vor solchen Bürgern, wie sie die Mehrzahl der Schreiber offenbaren.

unknown66
01
13.6.2011, 12:07
So wie bei jedem Häuslbauer

Einfach wie bei jedem normalen Häuslbauer Pfandrechte auf Liegenschaften des griechischen Staates ins griechische Grundbuch eintragen. Dann sind die Geldgeber abgesichert. Versteh nicht warum das nicht gemacht wird?!

sljudanka
00
13.6.2011, 15:17
TJa, sie haben wohl die Ursache für die Finanzkrise 08 verschlafen

da wurden PFandrechte an Pappendeckel-häuser eingetragen, und somit von den Banken virtuell Werte geschaffen, die nie da waren...

Subprime genannt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Fina... se_ab_2007

Lesen sie diesen Artikel, dann dürfen sie sich wieder äussern...

Glauben sie, wenn real wertlose Dinge in GR verpfändet werden, dass dieses Pfand handelbar wäre?

SO geschickt wie die USA, wertlose Pfandpapiere der halben Welt als "Wertpapiere" anzudrehen ist nicht jeder...

Wer will das wissen?
44
13.6.2011, 09:58
ersuche um abstimmung

für mich ist klar dass griechenland seine schulden nie zurückzahlen wird können. die jetzigen rettungspakete verlängern die krise nur, bzw. verschieben das unausweichliche nur nach hinten.

ein sauberer schnitt bei den schulden wäre daher für mich der beste weg aus dem dilemma. egal wie das passsiert - letztlich zahlen das immer die steuerzahlen und konsumenten - die frage des "wie" ist daher zweitrangig, es trifft ohnehin alle.

wer sich dem anschliessen kann - bitte zustimmen = grüner balken
wer glaubt es gibt auch andere lösungen, bzw. das ist kein guter plan - bitte ablehnen = roter balken

der burli
07
13.6.2011, 11:33
nein. JETZT kein "sauberer schnitt"!

GR muss zuerst leisten was es imstande zu leisten ist. GR ist nicht mal annähernd am limit beim effizienter werden: katasteramt, steuereintreibung, gemeindeverwaltung, immobillien, rel. grösstes beamtenheer der EU etcetc.

es ist für EU UND GR wichtig, da endlich ernsthaft zu modernisieren. sonst fängt der kack NACH dem schnitt wieder von vorne an! da hat weder die EU noch GR was davon.

ein schnitt kann erst NACH diesen anstrengungen kommen. dann weiss man auch erst, wir GROSS der sein muss!

pflichtlektüre
00
13.6.2011, 10:04

ja, ein sauberer schnitt, bei dem alle folgen abschätzbar sind und danach ein neustart beginnen kann wäre sicher das beste

das problem dabei: so ein schnitt wäre nicht sauber, sondern eine klaffende wunde könnte die folge sein - die folgen sind (zumindest so weit ich das überblicke) nämlich nicht so einfach abschätzbar, kettenreaktionen werden befürchtet - es besteht auch die gefahr, dass die menschen dann noch mehr draufzahlen als sie es jetzt tun ..

schwierig ..

roger rabbit
09
13.6.2011, 09:34
Die Rettungsaktion war doch ein voller Erfolg

Deutsche Bank & Co konnten inzwischen griechische Staatsanleihen im Wert von vielen Milliarden Euros verscherbeln und sind bald fein raus.

Oder glaubt hier wirklich irgendjemand, dass es um Griechenland geht? Wie wärs hier mal mit ein bisschen mehr Hintergrundrecherche und Aufdeckung der Zusammenhänge Fr. Föderl-Schmid. Wer sind die echten Profiteure dieser hunderte Milliarden Aktion?

Agnostiker1
20
13.6.2011, 15:06
Ein sehr guter Rat mit mehr HIntergrundrecherche und....

....und Aufdeckung für welchen Zweck das Geld verwendet wurde. Sie plädieren offenbar für den Vertragsbruch und die Banken leer ausgehen zu lassen. Vor lauter Geifer haben Sie noch nicht überrissen, dass mit den Banken tausend von Privatpersonen, die ihr Geld auch in griechischen Staatsanleihen angelegt haben, mit dem Ofenfohr ins Gebirge schauen würden. Und die neue Vereinbarung vom deutschen Finanzminister eine Beteiligung der Banken in Form einer Prolongation vorsieht. Wisen Sie das die Forderungen französischer Banken erheblich höher sind, als die der deutschen Banken. Und wenn man die deutschen Forrderungen runterbricht auf Österreich, wir relativ erheblich mehr Forderungen haben, als die Deutschen. Doch dafür ist Ihr IQ zu desasatrös.

Nutze den Tag
03
13.6.2011, 16:09
Es ist Ihr Privatvergnügen, wenn Sie Gr. Anleihen gekauft haben,

da Sie nicht wussten was Sie sonst mit Ihrem Geld machen sollten. Nun, jetzt ist es eben futsch. Ist das mein Problem?

rudi de laufende band carell
17
13.6.2011, 09:16
giechenland zeigt auf was in oesterreich schief laeuft

alle ratschlaege fuer griechenland sind verstaendlich, und betreffen oesterreich genauso. Warum liegen wir hinter skandinavien der schweiz holland und deutschland in fast allen kennzahlen obwohl wir den vorteil der ostnaehe sowie einen riesen fremdenverkehr haben? Weil wir wie die griechen ein struktur- und einstellungsproblem uebersehen: Die Politik wird dazu missbraucht einzelvorteile zu verteilen. haider/doerfler, haeupl, proell unterscheiden sich nur marginal. In wien verteilen wir wohnungen in kaernten geld in noe jobs in summe verschenken wir pensionen und das alles auf kosten der naechsten generation. Schmerzhafte Einschnitte werden in Griechenland gemacht aber nicht bei uns. Pensionen Oebb Studiengebuehren Beamtenabbau ?

der burli
00
13.6.2011, 11:37
sie haben recht. nur, WER "missbraucht die politik"? - WIR! wollen immer mehr, und nix hergeben.

sljudanka
11
13.6.2011, 10:44
Sie sehen - richtig - dass sich Dörfler nicht von Häupl unterscheidet

nur lassen sich leider viele Naivlinge von den Medien (die von den altparteien gesponsert werden) in einen Oppositionshass hineintreiben, und beschimpfen und Nazifizieren Oppositionelle.

Die versuchen der Opposition alles negative anzuhängen (Mephisto-prinzip), und werden - gewollt (?) von den wirklichen Schwächen und Fehlern abgelenkt.

Ein uss, der eher nach Usbekistan oder Weissrussland gehören wurde.

Aber richtig erkannt, gratuliere!

pflichtlektüre
10
13.6.2011, 09:52

abgesehen davon, dass "schmerzhafte einschnitte" - so wie sie sie vorschlagen - nichts bringen (was fehlt ist vielmehr eine vermögenssteuer, eine finanztransaktionssteuer, etc), haben derartige forderungen immer sowas masochistisch, puritanisches an sich -
irgendwie erinnert mich das immer an "kehret um und tuet buße" bzw. "bete und arbeite" ...
interessant auch die doppelbedeutung des begriffs "schulden" bzw. "schuldig sein" bis hin zu "schuldenstaaten" bis hin zu "defizitsünder" und auch bis hin zu "rettungsschirm" ...

in diesem sinn: können sich vielleicht auch mal geisteswissenschafter zu wort melden - oder versinken jetzt alle (abgesehen von den analysten der großbanken und hedgefonds) in einer redestarre ..

Erika Rothen
00
13.6.2011, 11:01
noch mehr Steuern?

Was Besseres fällt Ihnen nicht ein?

Schwach, wirklich ganz schwach!

pflichtlektüre
00
13.6.2011, 11:10

sie vereinfachen ganz bewußt - es geht nicht um allgemein mehr steuern (bei arbeitseinkommen könnte man diese eventuell sogar senken), sondern um die verantwortung der reichen bzw. deren fairen beitrag zum ausweg aus dieser misere

das ist tatsächlich das beste was mir einfällt - alles andere trifft die breite masse (das trifft auch auf privatitisierungen zu) - und die ist ohnehin schon stark belastet -

jetzt bin ich gespannt auf ihren gegenvorschlag - sollte der "sparen" lauten, sagen sie bitte dazu wo

Erika Rothen
02
13.6.2011, 11:27
Ich habe ein Problem mit Vermögenssteuern:

NICHT, weil ich selbst vermögend wäre (das ist leider nicht der Fall), sondern, weil Vermögenssteuern die Substanz verkleinern/Vermögen vernichten. Die Milchkuh zu schlachten: Das bringt nur einen kurzfristifgen Effekt, dann ist endgültig Ebbe.
ERTRÄGE aus Vermögen können gerne versteuert werden: als "gift that keeps giving" quasi ;).

Ich bin der Überzeugung, dass es, angesichts des politischen Verbrechertums in Österreich, vollkommen egal ist, wie hoch die Steuern sein würden - die Parteienoligarchie würde nie damit auskommen, es wäre immer zu wenig.

Sparen? Natürlich! Bei Korruption und Veruntreuung. Oder was glauben Sie, woher z.B. die Kostenexplosion bei Skylink kam, wenn nicht aus der ungehemmten Versorgung der Nomenklatura?

Totaler Durchblicksstrudel
00
13.6.2011, 15:42

Das Argument stimmt nicht. In der USA funktioniert die Besteuerung von Vermögen sehr gut.
Wobei ich dir zustimme: in Österreich wurden bei der Einführung neuer Steuern die alten nie gesenkt; und Österreich hat heute schon eine der höchsten Staatsquoten der Welt.
Wird von der SPÖ bei der Diskussion über die sgnt. "Vermögenssteuer" eine Besteuerung großer und größter Vermögen in den Raum gestellt. Damit sich der Aufwand aber lohnt müssen auch kleine Vermögen dazu heran gezogen werden. Wie sich die Politik davor aber seit Jahrzehnten drückt sieht man an der Diskussion um die Einheitswerte.
Gerade die Diskussion um die Vermögenssteuer zeigt, woran es in Österreich wirklich scheitert: an der politischen Ehrlichkeit und Kultur!

Karl Kloiböck
 
00
Vermögensteuer in USA

Bitte um Informationen über die Vemögensteuer in USA.
Bei uns sind die Werte des Grundbesitzes ein Problem.
Die Einheitswerte wurden seit 1973 nicht mehr festgestellt. Für eine neue Hauptfestellung fehlt Personal. Derzeit z.B. zwei Beamte für rd. 37.000 Akten!
Weil die Einheitswerte mit dem anderen Vermögen nicht adäquat sind, wurde die Erbschaftssteuer vom VGH aufgehoben. Wenn Verkehrswerte herangezogen werden sollten, so wären Sachverständige notwendig, die Grundstück und Haus besichtigen! Steuern kann man nicht einführen, wenn die Grundlagen dafür nicht vorhanden sind! Vielleicht haben die Leser neue Vorschläge. Schimpfen, dass nichts gemacht wird, hilft niemanden.

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