Zeit für Familie

"Eine völlig entgleisende Arbeitszeitkultur"

10. Juni 2011, 18:20
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    foto: apa

    Niedrige Bezüge am Beginn der Karriere verleiten Junge oft dazu, die Familienplanung immer weiter aufzuschieben.

Familienfeindliche Arbeitsbedingungen halten junge Paare vom Kinderkriegen ab - 330 Millionen Überstunden im Vorjahr

Wien - Kommende Woche legt die Regierung einen Baustein für eine solidere Kinderbetreuung: Sie verlängert die Förderung für das halbtägig kostenlose, verpflichtende Kindergartenjahr für Fünfjährige. Für zwei Jahre fließen 140 Millionen Euro. Doch reicht allein ein besseres Angebot an Krippen- und Kindergartenplätzen, um Österreich zu dem zu machen, was es laut Umfragen (DER STANDARD berichtete) nicht ist - nämlich ein familienfreundliches Land? Experten sehen auch in einem anderen Bereich grobe Defizite: bei den Arbeitsbedingungen.

"Eine völlig entgleisende Arbeitszeitkultur" identifiziert Wolfgang Mazal, Leiter des Instituts für Familienforschung, als eine Ursache, die Paaren die Lust auf Kinder austreibe. Während die Skandinavier am Nachmittag heimgingen, sei es hierzulande Usus, weit über die Norm hinaus zu arbeiten.

330 Millionen Überstunden häuften die Österreicher im Vorjahr an, das entspreche 200.000 zusätzlichen Jobs. Überstundenleister kommen im Schnitt auf 8,2 Stunden zusätzlich pro Woche - und täten damit auch ihrer Gesundheit nichts Gutes, meint Mazal: "Unternehmen handeln nicht nachhaltig, wenn sie ihre Bediensteten ins Burnout treiben". Billiger sei dies nur dann, wenn Überstunden nicht ordnungsgemäß bezahlt werden. Mögliches Gegenrezept: strengere Kontrollen und Strafen.

Wie man's macht, ist's falsch

Ein anderes Hemmnis sieht Mazal in den steilen Verdienstkurven: Berufsanfänger würden vielfach mit niedrigen Bezügen beginnen, um mit dem Alter zuzulegen. Dies gefährde nicht nur die Jobs der Älteren, sondern verleite die Jungen auch dazu, die Familienplanung aufzuschieben, sagt der Experte. Schließlich liege das Einkommensmittel für 20- bis 29-Jährige lediglich bei 1100 Euro netto: "Das ist nicht der große Luxus."

Die Wirtschaftsforscherin Margit Schratzenstaller vermisst Betriebskindergärten sowie bessere Möglichkeiten für Teleworking und Teilzeitarbeit - auch in Führungsetagen: "Leistung zeigt sich ja nicht darin, wie viel Stunden jemand im Büro absitzt." Unternehmer sollten auch aus Eigeninteresse umdenken: "Weil familienfreundliche Betriebe mit gemischten Teams produktiver sind."

Einen Wandel fordert Mazal aber auch in der politischen Debatte, die sich in Klischees - von der heiligen Familie bis zur hungernden Alleinerzieherinnen - ergehe. Die Modelle der jeweiligen Gegenseite würden niedergemacht - und potenzielle Eltern entmutigt: "Die Botschaft lautet: Wie man's macht, ist's falsch."  (Gerald John, STANDARD-Printausgabe, 11./12./13.6.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 414
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Pappa Joe
01
20.6.2011, 08:10
73 % der Überstunden werden von Männern geleistet

Und das ist kein Klischee.

Buagseitei
 
01
13.6.2011, 09:15
das einzige, die schönen berge

sonst seh ich nichts, was mich in diesem land halten könnte.

Roter Baron
01
13.6.2011, 09:09
der mazal ist für mich unten durch

seitdem er unter schüssel den chef-erklärer gemacht hat.

roter baron

shoosi
20
13.6.2011, 08:49

Kinder können auch vor Überstunden schützen. du musst einfach gehen, um das Kind abzuholen und so entkommst du auch der einen oder anderen unnötigen und langweiligen Sitzung......

Roter Baron
00
13.6.2011, 09:14

von dieser sorte gibts genug
haben ihren schniepel voll nicht im griff
und werden dafür auch noch
überall belohnt und freigestellt.

roter baron, einer, der die hacke für solche pfeiffen dann machen muss.

Berti Mueller
01
14.6.2011, 17:01

überstunden sind was für wappler!

ich arbeite zwar auch 15 stunden am stück, WENN es unbedingt notwendig ist. aber das ist SEHR SELTEN der Fall, viellicht zwei mal im jahr . NIE und NIMMER aber im Tagesgeschäft, da geht ich PÜNKTLICHSTS.

Wer überstunden braucht, arbeitet entweder ineffizient oder ist blöd genug, sich ausnützen zu lassen.

Enassus
 
00
14.6.2011, 17:08
Guter Wappler!

In leitenden Positionen geht es ohne Überstunden nicht, das ist auch im DV verankert, dafür gibt es aber auch Pauschalen und Sonderleistungen.

Davon hat aber der kleine niedrige Wappler keine Ahnung.

Berti Mueller
01
19.6.2011, 01:53

die meisten überstunden werden wohl NICHT von führungspersonen geleistet.

shoosi
00
13.6.2011, 16:22

hab auch schon ohne Kinder keine Überstunden gemacht, ich liebe das Leben und nicht die Arbeit! Pfeifen die, die zu viel arbeiten. wozu???

minski
00
13.6.2011, 01:59
So ist das mit der Familienförderung in Österreich!

Video vom Tag der "einzelnen Härtefalle", Plattform 25, Graz:
http://www.youtube.com/watch?v=F... re=related

U.a. erzählt hier eine Mutter von 11 Kindern, deren Mann nur 1200 Euro verdient, sie hätten ein kleines Häuschen mit 94 qm angemietet, das 880 Euro Miete kostet und bekämen 300 Euro Wohnbeihilfe. Samt Familienbeihilfe und Mindestsicherung lägen sie unter der Armutsgrenze.
Sie habe noch 6 schulpflichtige Kinder zu versorgen, die anderen arbeiten schon und einen riesen Haushalt.
Die Mutter bekam nun vom AMS eine Vorladung, sie hätte sich binnen 3 Tagen arbeitsuchend zu melden, sonst würde ihr die Mindestsicherung auf die Hälfte gekürzt! Aufgrund der Mindestsicherung verloren sie im Jahr 2500 Euro!

Bravo, SPÖVP!

Enassus
 
12
13.6.2011, 15:30

Jeder vernüftig denkende Mensch wird sich nur so viele Kinder anschaffen, wie er sich leisten kann. Die können sich selbst nicht leisten, reißen aber noch elf Kinder ins finanzielle Desaster, welches wir im Endeffekt finanzieren müssen. Für solche geistig Minderbemittelten und Verantwortungslosen habe ich kein Mitleid. Das Beste ist, wenn die Kinder in Pflegefamilen kommen.

minski
00
13.6.2011, 18:05
Blödsinnige Generalisierung! Wenn Sie lesen könnten wüssten Sie dass die Älteren bereits arbeiten.

Hier geht es darum, dass die Mindestsicherung-Gesetzgebung die Leistung von Müttern aberkennt und sie zur Zwangsarbeit nötigt, statt ihre Arbeit zu achten. Müssen Mütter also ihre Kinder vernachlässigen?

Was wollen Leute wie Sie eigentlich und wer soll den Sozialstaat in einigen Jahren erhalten, wenn nicht die Kinder von heute? Ausländerkinder dürfens ja auch nie sein, die dann unser teures Pensionssystem (für die Beamten) aufrecht erhalten und Alte pflegen. Wer wie viele Kinder hat, ist im Grunde egal, (wenn man nicht von Sozialneid auf die Ärmsten zerfressen und verhetzt worden ist) aber sie müssen gut gefördert und ausgebildet werden, um dem leidigen Armutskreislauf zu entkommen. Nur nicht gut Geförderte werden später selbst Empänger.

Enassus
 
10
14.6.2011, 17:10
Die Förederung

ist die Aufgabe der Eltern, aber sicher nicht die der Allgemeinheit. Es funktioniert nicht, dass ein kleiner Teil den großen Teil ständig finanziert.

minski
00
16.6.2011, 12:34

Rechtsextremer Nonsense! Die Förderung ist auch Aufgabe des Staats und der Unternehmer, die sich immer mehr der sozialen Verantwortung entziehen! Nur Nehmen und nicht geben, nur fordern ohne zu fördern, spielts nicht mehr.
Die Umverteilung hat sich verkehrt: 90 Prozent fördern über das Steuer- und Finanzsystem die 10 Prozent Superreichen und Reiche erhalten zu viele Sozialleistungen!

critical mind
03
13.6.2011, 01:08
Volle Zustimmung zum Inhalt des Artikels

Da jammerten doch erst unlängst Massen über die überemanzipierten Frauen, die Karriere vor Kinder stellen. Sie und ihre Partner täten es nicht, wenn die Firmen eine familienfreundlichere Politik verfolgen würden. In dieser Hinsicht ist Österreich ein sehr rückständiges Land. Besonders die ÖVP, die für sich die Wirtschaftskompetenz in Anspruch nimmt, kann sich von den althergebrachten Rollenbildern offenbar schwer trennen. Dabei haben viele junge Frauen kaum mehr eine Ahnung vom Kochen. Menschen ändern sich, Ideologien bleiben bestehen .

dacko
15
13.6.2011, 00:08

Ich bin 26. Lebe in D. Bin gezwungen einen Job anzunehmen für 8€/Std oder von Hartz4 zu leben. Mit Ausbildung und Abi, ich spreche drei Sprachen. Bin fast 6 Jahre mit meiner Freundin zusammen und hätten gern Kinder, aber was dann? Von welchem Geld leben? Viele meiner Freunde studieren jetzt weil sie anders keine Perspektive sehen. Für 1.100 -1.300 netto bis zum Lebensende? Kein Wohnung, kein Auto. Nichts zur Seite legen können? Ich bin am überlegen ob ich auch studiere. Dann wäre ich mit 29-30 fertig. Bilden bis zur Rente und trotzdem wenig verdienen so ist das heute.

Enassus
 
30
13.6.2011, 15:31
Selber schuld!

Wenn Sie so gut sind, dann machen Sie sich doch selbständig. Wie ist es mit der Idee?

EuroExpert
01
13.6.2011, 14:00
tipp

um ihr netto essentiell zu erhöhen gehen sie doch einige jahre als expat ins ausand. etliche länder in osteuropa haben eine sehr niedrige lohnsteuer !!!

par in parem
13
13.6.2011, 09:57

Stimmt vollkommen. 1400 All-IN bei 70h die Woche. So ist das für die Jungen gut gebildeten. Da bekommen vernünftige Menschen keine Kinder mehr.
Mit ganz viel Glück bessert sich zumindest das Gehalt 2-4 Jahre nach dem Studium.

myschkin
00
14.6.2011, 10:56

OGH 9 Ob A 9/01s
ARD 5247/50/2001

Dhimmi
31
12.6.2011, 21:26
"Eine völlig entgleisende Arbeitszeitkultur"

Ich nenne es
"Die Wirklichkeit meldet sich wieder zurück",
lieber Herr Familienexperte.

Alo
00
12.6.2011, 20:28
Resumee der Postings: Wenn es nach den Postern geht, leiden die meisten unter dieser unregulierten Situation!

Die einen weil sie zu viel arbeiten und Ü-Stunden machen müssen und die anderen, weil sie keine Arbeit finden und als Arbeitslose schikaniert werden.
Oder?

Liebe Leute ich muss euch wirklich eindringlich warnen, lasst euch nicht alles gefallen und arbeitet euch in kein Burnout, sondern denkt rechtzeitig an eure Lebensqualität.
„Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts“, sagte Schopenhauer.

Ich kenne mittlerweile einige, denen das AMS, als sie erkranken die Notstandshilfe sperrte. Sie werden von einer Stelle zur nächsten abgeschoben, die dann weder eine Behandlung noch eine I-Pension zahlen will. Dafür zahlten die meisten jahrezehntelang in die Arbeitslosenversicherung, Sozialversicherung und Pensionstöpfe ein!

mieselsüchtiger misanthrop, ex-bgm.
012
12.6.2011, 16:46

ist wahnsinn was passiert, aber alles egal solange der shareholder value stimmt. und am ende des jahres soll man für 500€ gewinnbeteiligung noch artig danke sagen......nachdem man gut 10 wochenenden im jahr für die firma arbeitet. für mich hab ich beschlossen knallhart 38,5 stunden zu arbeiten nachdem ich mein burn-out kuriert habe, und wenn es dem vorstand nicht passt soll er mich ersetzen ("qualitätstausch") - ich lach wenn er bald in die kiste springt.

Indrani Gunasekera
01
12.6.2011, 20:41

500 € Gewinnbeteiligung? Ich habe bei der Weinachtsfeier immer ein halbes Hendl und 35 € Billagutscheine bekommen. Die seit 10 Jahren nicht valorisiert wurden.

bibi ohne mit zitrone
01
12.6.2011, 16:13

jetzt wirds ernst
fahrkarten bei automaten
fragen über i-phone
das neue service!
für alte--die gibts nimmer

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