"Müssen uns nicht so billig verkaufen"

10. Juni 2011, 18:05
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Andreas Schuster, Herr über 46 Steigenberger Hotels, will die Marke auch auf Fernmärkten zum Erfolg führen

Warum Andreas Schuster, Herr über 46 Steigenberger Hotels, in Wien keine Angst vor einer Bettenflut hat und an mehr Geld pro Zimmer glaubt, sagte er Günther Strobl.

STANDARD: Steigenberger hat Verluste gemacht, ist dann Ende 2009 an den ägyptischen Tourismusunternehmer Hamed El Chiaty verkauft worden. Bis wann müssen Sie schwarze Zahlen liefern?

Schuster: Wir sind schon schwarz. Seit 2010 schreibt die Steigenberger Hotels AG positive Zahlen.

STANDARD: Ein bilanzieller Trick?

Schuster: Nein, wir sind auch operativ positiv. Die Zahlen für 2010 sind noch nicht publiziert, kommen aber in Kürze. Dann ist das auch nachlesbar.

STANDARD: Man hat Sie nicht geholt, damit alles beim Alten bleibt?

Schuster: Stimmt. Steigenberger soll auch außerhalb des deutschsprachigen Raums bekannt werden. Wir wollen an Orten mit viel deutschen Gästen in besten Lagen präsent sein und schnell wachsen. Gerade sind wir dabei, ein Team mit internationalem Background zu formen, um dann, wenn wir in europäischen Hauptstädten oder auch Afrika, Dubai, Italien, China oder wo auch immer Hotels eröffnen, gerüstet zu sein.

STANDARD: Im Ausland wird man kaum auf Sie warten?

Schuster: Steigenberger ist zusammen mit Kempinski die stärkste deutsche Marke in der Branche. Wir bringen etwas mit, was Hilton, Sheraton oder Interconti nicht haben. Wir bringen den deutschen Gast, deutsche Hotelkultur mit.

STANDARD: Wo sperrt das erste Steigenberger außerhalb Europas auf?

Schuster: Das kann ich nicht sagen.

STANDARD: Der Zukauf einer bestehenden Hotelgruppe ist denkbar?

Schuster: Das ist eine mögliche Variante. Wie bisher werden wir aber auch Hotels neu entwickeln.

STANDARD: Vorerst heißt das, Geld vorstrecken, bevor ans Zurückverdienen gedacht werden kann?

Schuster: Ja und nein. Klar ist, Expansion kostet Geld. Andererseits gehören uns die Hotels nicht. Das bindet weniger Kapital. Wir betreiben sie über Management- oder klassische Pachtverträge.

STANDARD: Nichtsdestotrotz gibt es Standorte, wo sie investieren müssen, um die Häuser aufzumöbeln?

Schuster: Natürlich, gerade bei Pachten ist man meist für die Inneneinrichtung zuständig. Da ist es an uns, zu investieren. Das hat in den letzten eineinhalb Jahren stark zugenommen.

STANDARD: Steigenberger hat besonders unter der Krise gelitten?

Schuster: Wir sind mit zwei Marken differenziert aufgestellt. Das hat uns in der Krise geholfen. Einige Hoteleröffnungen wie der Herrenhof in Wien sind mit der Krise zeitlich zusammengefallen. Seit 2010 geht es aber wieder bergauf. Heuer liegen fast alle unsere Hotels über den Ergebnissen von 2010.

STANDARD: Ist die Krise vorüber?

Schuster: Ich möchte nicht verallgemeinern. Wir jedenfalls sehen uns auf dem Weg nach oben.

STANDARD: Steigenberger hat sich schwer getan in der Ferienhotellerie. Fehlendes Gespür?

Schuster: Ich möchte nicht über die Vergangenheit urteilen. Ich glaube, man hat mich auch geholt, weil ich in meinem letzten Job (bei der Danube Gruppe, Anm.) unter anderem für 24 Ferienhotels zuständig war. Wir stellen uns so auf, dass wir Resorthotels sehr professionell führen können.

STANDARD: In Österreich ist Steigenberger derzeit mit vier Hotels vertreten. Sehen sie noch Potenzial?

Schuster: Ja, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Wir werden im Herbst auch eine Drittmarke (neben Steigenberger und Intercity Hotels; Anm.) vorstellen, die ich mitentwickle.

STANDARD: Interessiert am Shangri-la-Standort in Wien?

Schuster: Wir sind darauf angesprochen worden. Wäre die rechtliche Situation geklärt, könnte man darüber reden. Das ist sie nicht, darum sage ich dazu auch nichts. Aber natürlich ist Wien ein interessanter Standort.

STANDARD: In Wien kommen viele Hotelbetten dazu. Bedenklich?

Schuster: Wenn es Kettenhotels sind, hilft es dem Standort. Die internationalen Ketten sind interessiert, die Destination zu vermarkten, die stecken auch viel Geld in Werbung. Ein Einzelhotelier kann das nicht. Das einzige Instrument, das der hat, ist der Preis. Dumping aber schadet allen.

STANDARD: Warum sind Barcelona, London oder Paris so viel teurer?

Schuster: Warum ist Budapest Schlusslicht in Europa, obwohl die in Relation zur Gesamtkapazität viel mehr internationale Marken haben als Wien? Das ist teils historisch bedingt. Wien liegt nahe an Prag und Budapest, die sind eher im Low-Price-Segment. Da hat man gesagt, Wien ist Mid-price. Langsam schöpft man aber auch hier Mut zu sagen, wir müssen uns nicht so billig verkaufen. In London zahlt man für ein Zwei- oder Drei-Sterne-Zimmer 120 Euro. Und niemand reklamiert. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12./13.6.2011)

ANDREAS SCHUSTER (46) ist seit März 2011 Chief Operating Officer (COO) der Steigenberger Hotels und Resorts mit Sitz in Frankfurt/Main. Er ist für 46 Hotels in fünf Ländern verantwortlich, darunter Flaggschiffe wie der Steigenberger Frankfurter Hof in Frankfurt oder das Steigenberger Parkhotel in Düsseldorf- Zuletzt war Schuster für die Danubius Hotel Group in Budapest tätig. Schuster, der in der Steiermark aufgewachsen ist, ist verheiratet und hat vier Kinder.

  • Sieht auch in Österreich noch Potenzial für Steigenberger: der 
Geschäftsführer (COO) der Hotelgruppe, Andreas Schuster.
    foto: standard/newald

    Sieht auch in Österreich noch Potenzial für Steigenberger: der Geschäftsführer (COO) der Hotelgruppe, Andreas Schuster.

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